Rund 100 Betten 

Coronavirus: Dieses Krankenhaus in NRW ist eine Hauptanlaufstelle für Infizierte

Das Marienhospital in Arnsberg ist die Hauptanlaufstelle für Corona-Infizierte im Hochsauerlandkreis. Hier sind die Zahlen innerhalb Westfalens besonders hoch. 

  • Im Marienhospital in Arnsberg befindet sich die Hauptanlaufstelle für Coronavirus-Infizierte im Hochsauerlandkreis.
  • Im Hochsauerlandkreis ist die Zahl der Infizierten besonders hoch, da viele "ski-affine" Menschen das Virus aus Österreich mitgebracht haben.
  • Es stehen im Marienhospital nun 101 Betten für Coronavirus-Infizierte bereit - und ein Diagnostik-Zentrum.

Arnsberg – Werner Kemper ist ein resoluter Mann, was in diesen Zeiten wahrscheinlich keine allzu schlechte Eigenschaft ist. Zum Gespräch mit dem Journalisten hat der Sprecher der Geschäftsführung des Klinikums Hochsauerland in einen kleinen Außen-Pavillon im Eingangsbereich des Marienhospitals Arnsberg gebeten. „In geschlossenen Räumen ist die Infektionsgefahr höher“, sagt der 62-Jährige. 

Der Abstand zwischen den Gesprächspartnern wird strikt eingehalten, darauf achtet Kemper äußerst penibel. „Am besten zwei Meter“, sagt er. Dann sprüht er sich erst einmal aus einer kleinen Sprayflasche Desinfektionsmittel in die Hände

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Arnsberg/NRW in Zeiten des Coronavirus: Klinikum Hochsauerland hat vier Standorte umstrukturiert

In Arnsberg sieht man sich für das Coronavirus gewappnet, nicht nur, weil genügend Desinfektionsmittel vorrätig ist. In dieser Woche hat das Klinikum Hochsauerland seine vier Standorte in beachtlicher Schnelle umstrukturiert, wie wa.de* berichtet. 

Dabei spielt das Marienhospital in Arnsberg eine große Rolle: Es ist seit Donnerstag die zentrale Anlaufstelle für Corona-Patienten. „Durch unsere insgesamt vier Häuser haben wir den Vorteil, die infizierten Patienten an einem Standort zu konzentrieren“, sagt Martin Bredendiek, Ärztlicher Direktor des Klinikums. 

Das Marienhospital in Arnsberg ist seit Donnerstag neue Hauptanlaufstelle für Coronavirus-Infizierte im Hochsauerlandkreis.

Marienhospital in Arnsberg: Coronavirus größte Herausforderung der letzten 75 Jahre

Das Marienhospital existiert bereits seit 120 Jahren. Diese Mauern haben bereits einiges gesehen, darunter zwei große Kriege. Im Zweiten Weltkrieg war das Marienhospital ein Lazarett-Krankenhaus. „Aber wir hatten keinen vergleichbaren Fall bis jetzt“, sagt Kemper, der das Haus vor der größten Herausforderung „mindestens der letzten 75 Jahre“ sieht. 

Trotzdem fühle man sich durch die nun in Rekordgeschwindigkeit durchgesetzte Umstrukturierung gut vorbereitet. Kemper: „Wir haben fünf Abteilungen wie Urologie oder Neurochirurgie aus dem Marienhospital an andere Standorte verlegt. 

Coronavirus in Arnsberg: 101 Betten für Infizierte im Marienhospital

Hier existiert nun eine spezielle Abteilung für Intensivmedizin mit 23 beatmungsfähigen Intensivbetten, die ausschließlich für die Therapie von Corona-Infizierten bereitgestellt werden können.“ 

Getestet wird nur nach Terminabsprache über eine Hotline: Chefarzt Stefan Probst steht am Eingang der Corona-Ambulanz im Marienhospital Arnsberg. 

Hinzu kämen 14 weitere Betten auf der Isolationsstation, die über spezielle Filter und Schleusen verfügt. Insgesamt stünden im Marienhospital nun rund 101 Betten für durch das Coronavirus infizierte Menschen zur Verfügung. 

Zahlen der mit Coronavirus Infizierten auch in Arnsberg/NRW "sehr dynamisch"

Die Ansage des Bundesgesundheitsministeriums an die Krankenhäuser, so viele Kapazitäten zu schaffen wie möglich, habe man in Arnsberg laut Kemper somit umgesetzt. Eine Prognose, wie viele Betten man in den kommenden Wochen tatsächlich brauchen werde, könne derzeit nicht getroffen werden. Die Zahl der Corona-infizierten Patienten sei laut Kemper „sehr dynamisch“: „Wir nehmen auf und wir entlassen.“ 

Am Donnerstagmittag lagen auf der Isolierstation drei Patienten. Einen Corona-Erkrankten mit schwerem Verlauf habe man nach Aussage von Stefan Probst, dem Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, noch nicht behandeln müssen. 

Hochsauerlandkreis mit hoher zweistelligen Zahl von Coronavirus-Infizierten

Der Hochsauerlandkreis steht in Südwestfalen derzeit mit einer hohen zweistelligen Zahl an der Spitze bei der Zahl der Infizierten

„Die Leute hier sind sehr ski-affin, viele waren in Österreich“, sagt Kemper. Dort, wo das Virus sich laut wa.de stark ausgebreitet hatte. „Wir müssen abwarten, welchen Verlauf das in den nächsten Tagen nimmt.“

Krise wegen des Coronavirus: Eskalations-Szenarien in Arnsberg durchgespielt 

Es gebe Eskalations-Szenarien, die bereits durchgespielt worden seien. So könnten weitere Beatmungs-Betten geschaffen werden, da Ende Mai eine Lieferung von 20 zusätzlichen Geräten erwartet wird. „Das Problem wird dann nur, wie wir das personell auffangen“, sagt Kemper.„Momentan könnten wir 20 zusätzliche Beatmungsplätze personell nicht stemmen“, ergänzt Martin Bredendiek. 

Die sogenannten Elektiv-Operationen, also verschiebbare Eingriffe, sind in Klinikum Hochsauerland angesichts der Corona-Krise verschoben worden. Auch hier werden nur noch notwendige Behandlungen wie bei Herzinfarkten, Schlaganfällen und Unfällen durchgeführt. 

Arnsberg/NRW: Finanzielle Belastung für das Klinikum Hochsauerland

Die finanzielle Belastung, die das Klinikum durch die Restrukturierung und verschobene Behandlungen aushalten muss, werde wohl bald abgefedert. „Wir werden in Kürze von der Regierung liquiditätsmäßig abgesichert“, erwartet Kemper: „Auch hier in einer absolut einmaligen Geschwindigkeit.“ 

Werner Kemper ist Sprecher der Geschäftsführung des Klinikums Hochsauerland. Er sieht in der Corona-Krise die größte Herausforderung "mindestens der letzten 75 Jahre", ist sich aber auch sicher, dass man mit der neuen Hauptanlaufstelle im Marienhospital nun gut gerüstet ist.

Corona-Diagnostik-Zentrum in ehemaligem Verwaltungsgebäude des Marienhospitals

In einem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Marienhospitals ist ein ambulantes Corona-Diagnostik-Zentrum eingerichtet worden, hier werden die Verdachtsfälle, die sich über die Hotline gemeldet haben, getestet. 

+++ In Warstein gibt es laut soester-anzeiger.de die erste Drive-In-Teststation für Menschen, die sich auf das Coronavirus testen lassen+++

An diesem Vormittag ist es der Arbeitsplatz von Yvonne Reuß, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin. Die Belastung für die 36-Jährige ist mittlerweile enorm, manchmal schickt sie noch am späten Abend Mails an Kollegen und Klinikleitung. Die junge Ärztin arbeitet seit drei Wochen durch, heute hat sie die Pflegerin Kirsten Weber an ihrer Seite. „Ich sehe es mehr als Herausforderung denn als Belastung“, sagt Reuß. Kirsten Weber nickt. 

Coronavirus: Typische Symptome? Oberärztin in Arnsberg sagt: "Die gibt es nicht"

Und was sind typische Symptome? „Die gibt es nicht“, sagt Reuß. Sie habe sogar positiv getestete Patienten, die komplett „asymptomatisch“ seien. Andere hätten Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen. „Es ist die ganze Breite, man kann nicht sagen, dass es ein typisches Symptom gibt.“

+++ In Hamm gibt es derzeit einen Mann, der mit dem Coronavirus infiziert ist, aber keine Symptome hat. Die Gefahren, die sich daraus hätten ergeben können, schildert er auf wa.de. +++

Arnsberg/NRW: Zahl der Coronavirus-Tests schwankt täglich

Die Zahl der Getesteten schwanke täglich, in Spitzenzeiten sind es bis zu 50. „Es hängt auch davon ab, wie viele positiv Getestete wir am Vortag hatten. Dann melden sich natürlich die ganzen Kontaktpersonen“, sagt Reuß. 

Die Zahl derjenigen Patienten, die direkt aus den Risikogebieten gekommen waren, würde langsam abnehmen. „Diese Menschen sind mittlerweile alle wieder zu Hause.“ 

+++ Auch im Kreis Soest geht am Samstag ein Behandlungszentrum an den Start. Alle Infos dazu bei soester-anzeiger.de +++

Marienhospital in Arnsberg in ständigem Kontakt mit Kreisgesundheitsämtern und Bezirksregierung

In Arnsberg ist man im täglichen Austausch mit den Kreisgesundheitsämtern und der Bezirksregierung. Auch hier imponiert Werner Kemper das Tempo, das angeschlagen wird: „Ich bin jetzt seit 40 Jahren im Gesundheitswesen tätig, aber das ist gerade ein Prozess, den ich so noch nicht kennen gelernt habe: ungeheuer effizient, ungeheuer direkt und vollständig unkompliziert.“ 

Auch im eigenen Hause habe das Tempo laut Kemper enorm angezogen: „Wir machen hier eine Restrukturierung mit einer Geschwindigkeit, die völlig ungewöhnlich ist. Aber da vom Chefarzt bis zum Techniker alle am gleichen Strang ziehen, funktioniert das.“ - Von Jens Greinke

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Rubriklistenbild: © Jens Greinke

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