In NRW

Nachfolge von Laschet: CDU legt sich wohl auf Kabinetts-Mitglied fest

Wer wird Nachfolger von Armin Laschet als Ministerpräsident von NRW? Der CDU-Vorstand hat sich wohl festgelegt: Es soll ein Mitglied seines Kabinetts werden.

Update vom 28. September, 14.03 Uhr: Für die Nachfolge von Armin Laschet als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen kristallisiert sich ein Name heraus: Hendrik Wüst. Der NRW-Verkehrsminister soll nach Informationen unserer Redaktion neuer Regierungschef werden, wenn Armin Laschet gänzlich nach Berlin wechselt.

NameArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 in Aachen (NRW)
ParteiCDU

Der CDU-Landesvorstand habe in seiner Sitzung am Montagabend zwar nicht über einen Kandidaten abgestimmt, doch den eindeutigen Wunsch geäußert, Wüst zum Laschet-Nachfolger zu machen, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Dem Landesvorstand sei es wichtig, dass es zu keiner Zerreißprobe um den neuen Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten kommen dürfe.

Entsprechende Gespräche wolle Armin Laschet übers Wochenende mit den anderen Kandidaten führen. Landes-Bauministerin Ina Scharrenbach und Innenminister Herbert Reul galten auch als potenzielle Laschet-Erben. Zum Beginn der kommenden Woche will der Kanzlerkandidat der Union dann seinen Nachfolger präsentieren, der wohl Hendrik Wüst heißen wird. Auf dem Landesparteitag am 23. Oktober in Bielefeld soll er dann gewählt werden.

Armin Laschet (CDU): Machtkampf um seine Nachfolge in NRW

[Erstmeldung] Düsseldorf - Nach dem Debakel der Union bei der Bundestagswahl* ringt die CDU in Nordrhein-Westfalen schon jetzt um eine gute Ausgangsposition für die NRW-Landtagswahl* im Mai 2022. Wer beerbt den aktuellen Ministerpräsidenten Armin Laschet*, der von seinen Ämtern zurücktritt, um nach Berlin gehen zu können? Der Machtkampf ist entbrannt, doch der Amtsinhaber bremst öffentlich.

Die nordrhein-westfälische CDU will bis zum Ende der nächsten Woche ihre Spitzenpersonalien zur Nachfolge von Armin Laschet als Ministerpräsident und Landesparteichef klären. Laschet werde dazu in den nächsten Tagen „mit allen relevanten Persönlichkeiten Gespräche führen“, kündigte der Generalsekretär der NRW-CDU, Josef Hovenjürgen, am Montagabend nach einer Sitzung des Landesvorstands in einem Tagungshotel in Düsseldorf an. Bereits deutlich vor dem CDU-Landesparteitag am 23. Oktober in Bielefeld werde Laschet der Partei einen Personalvorschlag unterbreiten, teilte der Generalsekretär mit. 

Ein offener offenen Konflikt wolle die CDU in NRW dabei „nach Möglichkeit“ vermeiden. Dies sei bei einer Vorstandssitzung am Montagabend „Tenor“ gewesen, sagte Josef Hovenjürgen am Dienstag im Morgenecho von WDR5. Armin Laschet habe als Landesvorsitzender die Aufgabe übernommen, „mit allen relevanten Persönlichkeiten der CDU NRWs auszuloten, wie der Weg sein kann und er wird zeitnah einen Vorschlag machen, der dann am 23.10. auf dem Landesparteitag zur Wahl stehen wird“.

Auf die Frage, ob man lieber mit einem Kandidaten mit Amtsbonus in einen Wahlkampf für die Landtagswahlen im Mai 20222 gehen würde, antwortete Hovenjürgen: „Das wurde mehrfach in den Wortbeiträgen deutlich, dass das der Wunsch ist.“

Als aussichtsreiche Anwärter auf die Nachfolge von Armin Laschet gelten Verkehrsminister Hendrik Wüst und Heimatministerin Ina Scharrenbach. Auf die Frage, ob sie nun ihre Kandidatur erklären werde, verwies Scharrenbach am Montagabend ausweichend auf die anstehende Sitzung, Wüst beantwortete die Frage gar nicht.

Nach Informationen des Handelsblatts habe sich der Landesvorstand der CDU auf Hendrik Wüst als Nachfolger von Armin Laschet als Ministerpräsident festgelegt. Dem Bericht zufolge sei sich der Vorstand „einig wie sonst selten“ gewesen. Auf Nachfrage habe Wüst auf die anstehenden Gespräche verwiesen, die Laschet führen wolle.

Josef Hovenjürgen dementierte das am Dienstag jedoch, dass die Nachfolge von Armin Laschet in NRW bereits geklärt sei. „Der Landesvorstand begrüßt das Angebot von Armin Laschet, mit den für die anstehende Neuaufstellung zentralen Persönlichkeiten in Partei und Fraktion in dieser und der kommenden Woche die notwendigen Gespräche zu führen“, sagte der Generalsekretär der NRW-CDU. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur fielen in der Landesvorstandssitzung wenige Nachfolger-Namen - wenn, dann aber am häufigsten der Name von Verkehrsminister Hendrik Wüst.

Nachfolge von Armin Laschet in NRW: CDU-Kandidaten belauern sich

Aus den Fehlern des Wahlkampfes im Bund will die NRW-CDU Konsequenzen ziehen. Die erste Lehre: Die Partei will einen zerfleischenden Machtkampf vermeiden. „Die sicherste Gewähr, um abgestraft zu werden, ist, sich zu streiten“, mahnte Landesinnenminister Herbert Reul im WDR. Reul ist zwar schon 69 Jahre alt, aber eines der wenigen bekannten Gesichter des Landeskabinetts. Und mit ihm ist noch zu rechnen: Reul bewirbt sich im Mai 2022 um ein Landtagsmandat. Ein solches ist Voraussetzung, um Ministerpräsident zu werden.

Herbert Reul sagte: „Ich finde, wir sollten uns die Zeit lassen, die nötig ist, um zu einer guten Entscheidung zu kommen.“ Ähnlich sah das bei dem Treffen auch Armin Laschet, der sich nach der krachenden Niederlage bei der Bundestagswahl Rücktrittforderungen entgegensieht. Er kündigte an, vorerst im Amt bleiben zu wollen und bis zum Ende der nächsten Woche Gespräche zur Neuaufstellung in NRW führen zu wollen.

Wer wird CDU-Spitzenkandidat bei NRW-Wahl? Laschet bremst

Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen mahnte vor dem Treffen der CDU-Spitze dagegen Tempo an. Jeder Tag, der schon vor dem Landesparteitag der NRW-CDU am 23. Oktober Klarheit schaffe, sei gut, sagte er. Da es hilfreich wäre, zügig jemanden mit Amtsbonus aufzustellen, liege die „Lösung auf der Hand“, sagte Kufen. Anders als Scharrenbach könnte Wüst Laschet direkt im Regierungsamt beerben, weil er ein Landtagsmandat hat.

Auf die Frage, ob Hendrik Wüst, der auch die Sympathien der Jungen Union genießt, damit alternativlos wäre, sagte Reul: „Dazu äußere ich mich gar nicht.“ Landtagsfraktionschef Bodo Löttgen antwortete: „Alternativlos ist immer schlecht.“ Löttgen wird als möglicher Übergangsministerpräsident gehandelt. Gefragt, ob er dafür zur Verfügung stehe, erwiderte der ehemalige Kriminalkommissar: „Es geht nicht darum, was ich will. Die Partei muss sich die Frage stellen: Mit wem können wir im Mai 2022 die Landtagswahl gewinnen.“

Hendrik Wüst (r.) und Ina Scharrenbach haben Ambitionen auf die Nachfolge von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

In der CDU-internen Diskussion um die Nachfolge Armin Laschets als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen hat Vize-Landesregierungschef Joachim Stamp (FDP) übergangsweise seine Dienste angeboten. Die CDU wird seine Hilfe wohl eher nicht annehmen wollen.

Mit der konstituierenden Sitzung des Bundestags am 26. Oktober würde Armin Laschet Abgeordneter in Berlin. Sollte er das Bundestagsmandat annehmen, kann er laut NRW-Landesverfassung nicht länger Ministerpräsident bleiben. Schon vor Wochen hatte Laschet angekündigt, dass er unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl in Berlin bleiben werde. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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