„Große Liebe zur Türkei“?

Türkische Zeitung druckt Interview mit Armin Laschet – jetzt gibt es große Verwirrung

Ein angebliches Interview einer türkischen Zeitung mit Armin Laschet sorgt derzeit für Verwirrung. Der Journalist gibt sich wortkarg, die Staatskanzlei dementiert.

Düsseldorf/NRW – In „Sabah“, einer der auflagenstärksten Tageszeitungen der Türkei, ist vor wenigen Tagen ein angebliches Interview mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet erschienen. Jetzt wird klar: Etwas ist faul an dem Text. Die Staatskanzlei NRW* dementiert gar, dass Laschet dem Blatt überhaupt ein Interview gegeben habe, berichtet RUHR24*.

PersonArmin Laschet (CDU)
VorfallFake-Interview
ZeitungSabah (Türkei)

Armin Laschet (CDU): Türkische Zeitung „Sabah“ druckt Fake-Interview mit Kanzlerkandidat

Auf dem Titel der „Sabah“-Ausgabe vom 27. Juli (Dienstag) prangt ein großes Foto von Armin Laschet* Darüber wird er mit dem Satz zitiert: „Ich habe eine große Liebe zur Türkei.“ In dem Artikel geht es außerdem darum, dass Laschet bei der Bundestagswahl angeblich auf die Stimmen der Deutschtürken hoffe.

Das Problem dabei: Laschet hat das wohl nie gesagt, wie die Staatskanzlei NRW am Donnerstag (5. August) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. „Er hat nie ein Interview gegeben“, teilt die Behörde in Düsseldorf mit.

Das angebliche Interview mit Armin Laschet (CDU) auf dem Titel der „Sabah“.

NRW: Türkische Zeitung druckt falsches Interview mit Armin Laschet (CDU)

Die Zeitung selbst will das Gespräch von dem externen Autor Faruk Sen (73) übernommen haben, berichtet die dpa unter Berufung auf den Deutschlandchef der Zeitung. Der Autor hatte es zuvor auf seinem Blog veröffentlicht.

Sen versicherte jedoch, mit Armin Laschet telefoniert zu haben, das Interview sei echt. Auf Anfrage der dpa sagte er nur, die Sache sei mit der Staatskanzlei geklärt, er wolle sich nicht detailliert äußern. Das Interview sei inzwischen aber von der Sens Seite verschwunden, auf der Internetseite von „Sabah“ ist es weiterhin zu finden.

Armin Laschet im ZDR-Sommerinterview

Angeblich gefälschtes Laschet-Interview: Autor arbeitete bis zur Entlassung lange in Essen

Dabei hat Faruk Sen durchaus Verbindungen zur NRW-Landesregierung, die er vielleicht für ein echtes Interview hätte nutzen können. Von 1985 bis 2008 war er Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen, einer Landesstiftung. Im Juli 2008 wurde er fristlos gekündigt, nachdem er die Türken als „die neuen Juden Europas“ bezeichnet hatte.

Jedoch hatte ihn anschließend sogar der Zentralrat der Juden in einem Brief an Armin Laschet in Schutz genommen, der zuletzt mit einem Plagiatsvorwurf* zu kämpfen hatte. Dieser war damals noch NRW-Integrationsminister.

Die Zeitung „Sabah“ (deutsch: „Morgen“), in der das Fake-Interview erschienen ist, gilt mit einer Auflage von aktuell 243.000 Exemplaren (2020) zu einer der auflagenstärksten Tageszeitung der Türkei. Laut „Eurotopics“ der Bundeszentrale für Politische Bildung gilt sie als wichtiges Sprachrohr der AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdogan. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa; Screenshot: Ibrahim Tas/Facebook; Collage: RUHR24

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