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Armin Laschet vor politischem Ende: „Wenn ich einen letzten Wunsch äußern darf...“

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Von: Alexander Schäfer

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Armin Laschet hat seine Nachfolge in NRW geregelt. Hendrik Wüst soll neuer CDU-Chef und Ministerpräsident werden. Laschet droht nun eine Nebenrolle in der Politik.

Hamm/Düsseldorf - Es dürfte am Mittwoch die letzte Rede von Armin Laschet* im Plenum gewesen sein. Der Anlass war erfreulich, die Begleitumstände waren es nicht. Während der scheidende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zu 75 Jahre Landtag sprach, stellten in Berlin Grüne und FDP die Koalitionsweichen in Richtung Ampel. Damit dürfte aus Laschet in Berlin nur ein einfacher Abgeordneter in der Opposition werden. Sein Ende auf der großen Politik-Bühne naht.

PolitikerHendrik Wüst
ParteiCDU
Geboren19. Juli 1975 in Rhede

Armin Laschet übergibt die Macht in NRW an Hendrik Wüst

Armin Laschet droht dasselbe Schicksal wie einst SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. „Wenn ich einen letzten Wunsch äußern darf...“, begann Laschet den Schluss seiner Rede pro Parlamentarismus und contra Klicks und Likes. Letzter Wunsch – das hörte sich dann doch nach Abschied an.

Am Dienstagabend war Laschets Welt ein Stück weit heile, weil weit weg von Berlin: Heimspiel im Landtag. Zusammen mit Wüst und CDU-Fraktionschef Bodo Löttgen trat der als Bundesparteichef angezählte Mann aus Aachen vor die Presse – im Rücken demonstrativ die Fraktion und die Minister der CDU.

„Wir haben einen exzellenten Ministerpräsidenten, der NRW zum Stabilitätsanker in Deutschland gemacht hat. Es ist Zeit, die Reihen zu schließen“, sagte CDU-Fraktionschef Bodo Löttgen, und die Fraktionsmitglieder klatschten laut und lange Beifall. Man habe Laschet einstimmig den Rücken gestärkt, betonte Löttgen.

Armin Laschet vor politischem Aus: „Wenn ich einen letzten Wunsch äußern darf...“

Doch die Wirklichkeit ist eine andere als die, die Armin Laschet und seine Leute vor den Vertretern der Medien präsentierten. Natürlich stehen die Minister und die Landtagsabgeordneten hinter Laschet – ohne ihn wären sie 2017 nicht an die Regierung gekommen. Doch im Rest des Landes sieht es anders aus.

Von den in Berlin als Nachfolger (und Widersacher) Laschets gehandelten CDU-Größen kommen einige ausgerechnet aus NRW: Jens Spahn, Friedrich Merz, Ralph Brinkhaus, Carsten Linnemann und Norbert Röttgen. Und auch dies gehört zur Wahrheit der Bundestagswahl: Selbst in NRW lag die CDU hinter der SPD.

Sitzung der CDU-Landtagsfraktion
Machtwechsel: Armin Laschet (links) hat vorgeschlagen, dass Hendrik Wüst ihm als NRW-Ministerpräsident und CDU-Landeschef nachfolgt. © Marcel Kusch/dpa

Auf Hendrik Wüst* kommt also sehr viel Arbeit zu, will er über den 15. Mai 2022, den Tag der Landtagswahl in NRW*, hinaus Ministerpräsident bleiben. Seine Wahl am 27. Oktober sollte trotz nur einer Stimme Mehrheit gelingen. Die FDP steht hinter Laschets Kronprinzen, und auch die Wüst-Kritiker in der CDU haben keine Lust auf vorgezogene Neuwahlen und werden den Münsterländer mitwählen.

Armin Laschet: Widersacher in der eigenen Partei wittern ihre Chance

Wüst ist jedenfalls optimistisch. Der designierte Regierungschef sagte dazu am Mittwoch vor einem Besuch der FDP-Fraktion im Landtag: „Diese Mehrheit hat jetzt die letzten viereinhalb Jahre gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet und immer jeweils Mehrheiten im Landtag gebracht. Das wird hier auch funktionieren.“

Hinter dem neuen starken Mann einreihen muss sich auch Ina Scharrenbach. „Es ist alles geklärt“, sagte die Heimatministerin gegenüber unserer Zeitung unmittelbar nach der Pressekonferenz im Landtag. Die 45-Jährige gab sich darüber hinaus wortkarg und verließ relativ rasch den Ort der Wüst-Nominierung. Es ist kein Geheimnis, dass auch Scharrenbach nach ganz vorne wollte. Im Vorfeld hatte sie via Zeitungsinterview betont, dass alle Minister einen Amtsbonus hätten. Wüsts kleine Retourkutsche erfolgte am Dienstagabend: „Für einen Amtsbonus muss man erstmal ins Amt kommen“, sagte er auf die entsprechende Frage eines Journalisten.

Die NRW-SPD strotzt derweil seit der Bundestagswahl* vor Selbstbewusstsein und hat den Landtagswahlkampf längst eröffnet. „Der erfolglose Armin Laschet bestellt nun sogar seinen eigenen Nachfolger in NRW für den Übergang bis zur nächsten Landtagswahl – ein Neuanfang ist das sicherlich nicht, vielmehr Makulatur einer verkorksten Amtsperiode“, kommentierte die Generalsekretärin Nadja Lüders die Vorgänge bei der CDU. SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty zeigte sich gespannt, ob es Wüst gelingen werde, „seine Widersacher einzubinden und auch aus seinen eigenen Fehlern aus der Vergangenheit zu lernen“. - *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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