Betrug im Netz

„Anthony Hopkins“ bettelt um Geld - Frau erstattet Anzeige

Eine Frau aus dem Sauerland lernt Anthony Hopkins kennen. Das glaubt sie zumindest. So lange, bis der angebliche Oscar-Preisträger zweimal Geld von ihr fordert.

Meinerzhagen - Ein Foto von Hollywoodstar Anthony Hopkins auf Instagram hatte es der Meinerzhagenerin angetan. Sie setzte ein „Like“ unter das Bild des 83-jährigen Schauspielers. Und konnte es kaum glauben, als sie nur einen Tag später eine Reaktion darauf erhielt.

Romance ScammingBetrug im Internet
MascheBetrüger geben sich als Prominente oder potenzielle Partner aus, irgendwann fordern sie immer finanzielle Hilfe
Was tun? Skeptisch bleiben, nie Geld überweisen

Der Kontakt der 50-Jährigen mit dem angeblichen Hopkins wurde immer intensiver. Jeden Tag gingen Nachrichten über verschiedene Plattformen hin und her. Einen Monat lief das Ganze, bis „Anthony“ angeblich in Geldschwierigkeiten steckte: Er drehe gerade einen Film und warte auf Kostüme, schrieb er. Und fragte die Meinerzhagenerin, ob sie ihm helfen und mit mehreren tausend Euro einspringen könnte. Das tat sie.

Chat mit „Anthony Hopkins“: Zwei Geldforderungen, dann die Anzeige

Jetzt schrieb der angebliche Hollywoodstar sogar noch öfter. So lange, bis er wieder Geld brauchte. Jetzt kam die Sache der Frau doch merkwürdig vor: Dass der Zoll ein Paket in Los Angeles festhalte und er nun wieder Geld von ihr brauche, glaubte sie ihm nicht, begann stattdessen, im Internet zu recherchieren. Und ging dann zur Polizei.

Spätestens jetzt wurde ihr klar: Sie war einem Betrüger aufgesessen. Die Masche ist so simpel wie dreist. Die „Romance Scammer“ legen in den Sozialen Netzwerken Fake-Profile an, dafür nutzen sie prominente Namen, häufig mit Unterstrichen, Zahlen, Variationen von Groß- und Kleinschreibung, Tippfehlern. Um das Profil zu füttern bedienen sie sich im Word Wide Web - dort ist die Zahl der Fotos großer Stars schier unendlich. Die Polizei formuliert es so: „Viele der Profil-Ersteller
rollen geübt den roten Teppich aus für einsame Herzen.“

Betrüger finden im Netz ganz leicht neue Opfer

Spielend leicht finden die Betrüger im Internet ihre Opfer. Mit Dutzenden Männern und Frauen gleichzeitig zu flirten ist bei Facebook, Instagram und Co. ein Kinderspiel. Der Traum vom Kontakt mit einem großen Star wie im Fall der Meinerzhagenerin oder auch von der großen Liebe tritt schnell an die Stelle der Vernunft.

„Die Täter treiben ein böses Spiel mit den Gefühlen anderer. Mal nehmen sie die Identität bekannter Schauspieler an. Mal nutzen sie nur fremde Fotos“, warnt die Polizei. Weibliche Scammer verschickten schnell freizügige Bilder. Männliche Scammer
präsentierten sich gern in Uniform. „Die richtigen Worte, vielleicht auch im Chat oder per Skype, reichen: Nach wenigen Tagen oder Wochen ist das Opfer um den Finger gewickelt. Schnell sprechen sie sogar vom Heiraten.“

Irgendwann geht‘s aber immer um Geld. „Spätestens dann sollten alle Alarmglocken schrillen. Betroffene sollten dann noch einmal genau recherchieren, alle Kontakte abbrechen, Chat-Verläufe oder E-Mail-Verkehr sichern und Anzeige erstatten.

Schutz vor Betrug im Netz: Das rät die Polizei

  • Nicht vorschnell persönliche Daten preisgeben oder Geld zahlen. Manchmal hilft
    es bereits, den angeblichen Namen des Auserkorenen zu „googeln“ - insbesondere
    bei Kontakten ins Ausland. Oft machen sich die „Romance-Scammer“ nicht einmal
    die Mühe, ihren Namen zu variieren.
  • Auch eine Rückwärts-Suche im Internet nach den Fotos kann hilfreich sein. Gibt
    es die hübsche Bikini-Blondine oder dem Mann mit den muskulösen Armen
    möglicherweise unter verschiedenen Namen - oder sogar als frei verkäufliches
    Stockfoto?
  • Soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram vergeben blaue Häkchen bei
    überprüften Identitäten Prominenter. Letzte Sicherheit geben diese Haken jedoch
    auch nicht.

Eine „Beziehung“ mit einer schönen „Ärztin“ hat einen Mann aus Hagen eine Viertelmillion gekostet. Auch dieses Opfer lernte die Betrügerin im Internet kennen - will sich aber zweimal im „echten Leben“ mit ihr getroffen haben. Ein aufmerksamer Bank-Mitarbeiter bewahrte eine Frau aus Hamm im letzten Moment vor großem Schaden. Ebenfalls in Hamm fiel eine Frau auf die Versprechen eines „Romance Scammers“ herein.

Rubriklistenbild: © Facundo Arrizabalaga/dpa

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