Prüfung bei Großbäcker aus Hamm nach Hinweis

Nach Mäuse-Problem grünes Licht für Hosselmann: Filialen wieder voll am Start

Produktionsstandort der Bäckerei Hosselmann in Hamm-Bockum-Hövel.
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Hier am Produktionsstandort in Bockum-Hövel war übers Wochenende Großreinemachen angesagt.

[Update 8 Uhr] Nach einem Riesenberg Arbeit erklärt die Großbäckerei Hosselmann mit Sitz in Hamm die wegen „Hygienemängeln“ verfügte tagelange Zwangspause. Die Produktion konnte derweil wieder voll durchstarten.

Hamm - Nach der Freigabe werden seit Montagmorgen alle 200 Filialen wieder mit frischer Ware beliefert. Beschränkte sich diese zunächst auf Brot und Brötchen, sofort gehören auch Konditoreiprodukte wieder dazu. Diese werden im Bockum-Höveler Stammhaus in einem anderen Bereich produziert, der am Sonntag „noch nicht mängelbefreit“ gewesen sei, wie Lukas Huster von der Stadt Hamm erklärte. Nach einer neuerlichen Prüfung durch örtliche Lebensmittelkontrolleure am späten Montagabend gab es aber auch dafür grünes Licht: Ab sofort dürfen also alle Filialen wieder das volle Sortiment erhalten.

Am Montagnachmittag hatte Stadtsprecher die zweite Kontrolle noch für Dienstagvormittag avisiert und gesagt: „Wir können nicht ständig Gewehr bei Fuß stehen - irgendwann sind auch uns Grenzen gesetzt.“ Nun hat es also doch geklappt.

Schädlinge bei Hosselmann: Die Stadt bekam einen Hinweis

Auf Nachfrage bestätigte Huster, dass der Besuch des Lebensmittelamts in der Vorwoche kein Zufall gewesen sei: Es habe einen Hinweis auf die Zustände im Betrieb gegeben. Ob dieser aus der Belegschaft gekommen sei, könne er nicht sagen. Nach Angaben von Aust hat es einen solchen Betriebsstopp in der Hosselmann-Geschichte zuvor noch nicht gegeben. Zum entstandenen wirtschaftlichen Schaden könne man voraussichtlich erst in zwei Wochen mehr sagen. 

Schädlinge bei Hosselmann: Gerüchteküche kochte über

Die vom Ordnungsamt der Stadt erzwungene Auszeit aller rund 200 Filialen hatte die Gerüchteküche über das vergangene Wochenende kräftig brodeln lassen. Sogar offensichtliche Interna machten in Form von Text- und Sprachnachrichten über zahlreiche Smartphones die Runde. Von „Schaben“ und „extremem Mäusebefall“ war die Rede, von „fassungslosen Behörden“ - aber auch von „Corona“. Vor allem außerhalb Hamms machte dieses Stichwort - angesichts der Hotspot-Schlagzeilen nahe liegend - blitzschnell die Runde, ehe es von der Pressestelle der Stadt aus der Welt geschafft wurde. Erst das harte Handeln der Stadt und dann der eifrige Einsatz von Handwerkerfirmen über das ganze Wochenende in Kombination mit der Tatsache, dass die Schädlings-Vorwürfe nicht dementiert wurden, ließen allerdings den Schluss zu, dass es sich wohl doch um gravierende Probleme handele.

Schädlinge bei Hosselmann: Hosselmann erklärt Vorgänge

Am Ende sah sich das Unternehmen dann doch in der Erklärpflicht und verteilte eine lange Pressemitteilung an die Medien. Diese bestätigt auch, dass das Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Hamm den Schädlingsbefall schon am Mittwoch festgestellt hatte und der Zwangsstopp am Donnerstag verfügt wurde. Offen bleibt indes, warum das Filialpersonal am Freitagmorgen an vielen Standorten im Regen stehen und stundenlang gemeinsam mit den Kunden über die Gründe rätseln musste.
Und die hatten es durchaus in sich, wie Hosselmann in der Erklärung von Sonntagabend eindrucksvoll bestätigt. Die wichtigsten Auszüge:

  • Die Unterbrechung war „erforderlich geworden, nachdem das Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Hamm im Rahmen einer Kontrolle einen akuten Schädlingsbefall festgestellt hatte“.
  • „Das Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Hamm hatte am vergangenen Mittwoch im Betrieb einen Schädlingsbefall festgestellt. Offenbar waren durch die laufenden Arbeiten bei der Betriebsumstellung und einem Maschinentausch Mäuse in die Backstube gelangt.“
  • „Eine Verunreinigung von Waren konnte allerdings im Rahmen von Eigenkontrollen nicht festgestellt werden. Dennoch wurde zur Sicherheit die gesamte im Betrieb befindliche Ware vernichtet.“
  • (Den kompletten Wortlaut der Hosselmann-Erklärung finden Sie weiter unten.)
Auch diese Hosselmann-Filiale in Hamm-Mark wurde nicht mit Backwaren beliefert.

Die Firma „Anton Hosselmann GmbH KG“ betreibt (zumeist als Teil von Supermärkten) insgesamt rund 200 Filialen, rund 15 davon in der Stammsitzstadt Hamm. Rund 1500 Mitarbeiter werden in den Filialen beschäftigt, weitere 200 in der Produktionsstätte. Zum 80. Geburtstag von Firmengründer Anton Hosselmann hatte WA.de vor zehn Jahren ein großes Porträt veröffentlicht.

Die komplette Hosselmann-Erklärung von Sonntagabend:

Hamm, 04.10.2020 – Am vergangenen Donnerstag (1.10.) wurde bei der Großbäckerei Anton Hosselmann GmbH & Co. KG in Hamm die Produktion in Bockum-Hövel unterbrochen. Dies war erforderlich geworden, nachdem das Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Hamm im Rahmen einer Kontrolle einen akuten Schädlingsbefall festgestellt hatte. Nach einer neuerlichen Prüfung durch die Behörde am Wochenende konnten große Teile der Produktion am Sonntag wieder angefahren werden. So werden in allen Filialen der Bäckerei ab Montag wieder Brötchen und Backwaren zu erhalten sein. Konditoreiprodukte sollen dann auch baldmöglichst wieder verfügbar sein.

Ursache für den vorübergehenden Produktionsstopp waren Mängel in der Backstube, die offensichtlich auf technische Abläufe im Rahmen von Betriebsumstellungen in der Backstube zurückzuführen sind. Die Mängel konnten über das Wochenende abgestellt werden. Der Verkauf in den Filialen wurde aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes eingestellt und die Kunden vor Ort informiert.

„Wir sind sehr erleichtert, dass wir die Produktion so schnell wiederaufnehmen konnten“, sagt Martin Hosselmann, geschäftsführender Inhaber der Bäckerei Hosselmann. „Wir entschuldigen uns bei unseren Kunden, denen wegen der kurzzeitigen Schließung nicht das vertraute Angebot zur Verfügung stand bzw. steht. Die Produktion wird nun schrittweise hochgefahren, so dass wir alle Filialen ab Montag wieder mit Brötchen und Broten versorgen können. Wir hoffen, dann zeitnah auch das volle Sortiment unserer Konditoreiartikel wieder anbieten zu können.“

Das Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Hamm hatte am vergangenen Mittwoch im Betrieb einen Schädlingsbefall festgestellt. Offenbar waren durch die laufenden Arbeiten bei der Betriebsumstellung und einem Maschinentausch Mäuse in die Backstube gelangt. Aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes war der Betrieb der Backstube deshalb vorläufig eingestellt worden. Die Firma Hosselmann hat in dieser Angelegenheit eng mit den zuständigen Behörden kooperiert. „Die Gesundheit und das Vertrauen unserer Kunden und Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle“, sagt Hosselmann. Eine Verunreinigung von Waren konnte allerdings im Rahmen von Eigenkontrollen nicht festgestellt werden. Dennoch wurde zur Sicherheit die gesamte im Betrieb befindliche Ware vernichtet. Filialen von Hosselmann waren von dem Schädlingsbefall nicht betroffen.

Aktuell ist eine Erweiterung der Backstube der Bäckerei Hosselmann in Planung. Vorausgehend dazu sind vorbereitende Maßnahmen erforderlich. Aufgrund eines unentdeckt erhöhten Aufkommens an Schädlingen im Umfeld der Backstube, haben regelmäßig durchgeführte Kontrollen und die bestehenden Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung offenbar nicht ausgereicht. Dem wurde durch den vorsorglichen Stopp der Produktion am 03.10. Rechnung getragen.

Die Bäckerei Hosselmann wird die mehrstufigen Eigenkontrollen zukünftig noch engmaschiger durchführen. Außerdem hat ein geprüfter Schädlingsbekämpfer bereits weitergehende Maßnahmen und eine Modernisierung des betriebseigenen Schädlingsmonitorings eingeleitet. Des Weiteren sind verschiedene bauliche Maßnahmen in Vorbereitung, um das Eindringen von Schädlingen aus dem Umfeld zu unterbinden.

Martin Hosselmann zeigte sich am Sonntagabend erleichtert: „Wir sind sehr glücklich, dass es gelungen ist, die Störung und ihre Ursachen so schnell in den Griff zu bekommen. Ich möchte allen, die dazu beigetragen haben – den Handwerksbetrieben und allen Beteiligten – für die großartige Unterstützung in diesen letzten Tagen danken.“

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