Bundesweit einmalig

Spektakuläre Aktion auf A45: Riesige Lennetalbrücke erfolgreich verschoben

Mega-Projekt auf der A45: Die Lennetalbrücke ist in ihre finale Position geschoben worden. Eine spektakuläre Aktion, denn die Brücke über der Sauerlandlinie ist ein wahrer Koloss.

Update vom 5. März, 20.38 Uhr: Es ist vollbracht: Die neue Lennetalbrücke auf der A45 ist erfolgreich in ihre End-Positiv geschoben worden. Schon im Morgengrauen startete die spektakuläre Aktion. Nach gut sechs Stunden saß die Brückenhälfte am Nachmittag auf den Trägern. Die Technik könne beispielhaft für den Brückenbau in Deutschland sein, sagte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn-Niederlassung Westfalen.

Bevor die rund 90.000 Fahrzeuge täglich über die neue Lennetalbrücke rollen können, wird es Sommer. Bis dahin wird der Verkehr auf der wichtigen Achse vom Ruhrgebiet durch das Sauerland auf verengten Fahrbahnen über den bereits neu gebauten Brückenteil für die Gegenrichtung geführt.

Update vom 5. März, 9.07 Uhr: Nach jahrelangen Bauarbeiten soll am heutigen Freitag um 10.30 Uhr die neue Lennetalbrücke auf der A45 in ihre finale Position geschoben werden. Mittels Hydraulikkraft soll das Bauwerk bei Hagen dann auf riesigen Schlitten im Schneckentempo knapp 20 Meter von Behelfspfeilern auf die neuen Brückenstützen nach Osten gerückt werden.

Die Lennetal-Brücke auf der A45 soll am Freitag, 5. März, in ihre finale Position geschoben werden - ein bundesweit einmaliges Projekt.

Lennetal-Brücke über der A45 wird in finale Position gebracht - lesen Sie hier alles zum Mega-Projekt

[Erstmeldung vom 25. Februar] Hagen - Wer in den vergangenen Jahren auf der Autobahn 45 unterwegs war, dem wird die Baustelle über dem Lennetal bei Hagen ein Begriff sein. Bald wird dort der Verkehr sechsspurig über die neue, fast einen Kilometer lange Brücke führen – sobald eine der beiden Hälften um 20 Meter verschoben ist. Und zwar am Stück. Ein bisher einmaliger Vorgang in Deutschland.

A45: Zahlen und Daten
Gesamtlänge:257 km (122 in NRW)
Bundesländer:NRW, Hessen, Bayern
Anschlussstellen:22
Autobahnkreuze:7
Bauzeit:1961 bis 1974

Lennetal-Brücke über der A45 wird verschoben - ein Projekt der Superlative auf der Autobahn

Mit den Superlativen ist es ja immer so eine Sache, sie werden gerne schnell und inflationär eingesetzt. Doch an diesem Mittwoch steht der Bauingenieur Michael Neumann im Schatten eines der gut 22 Meter hohen Pfeiler der neuen Lennetal-Brücke, schiebt beim Blick nach oben den weißen Bauhelm in den Nacken und sagt: „Dass wir so etwas mal machen werden, habe ich mir vor 20 Jahren noch nicht vorstellen können.“

Über ihm erstreckt sich ein riesiges Bauwerk. Der Koloss aus Stahl und Beton da oben ist mit 30.000 Tonnen drei Mal so schwer wie der Eiffelturm in Paris. Und mit genau 984,50 Metern auch über drei Mal so lang wie das Pariser Wahrzeichen hoch. Spätestens da merkt man, dass hier durchaus mal ein Superlativ benutzt werden darf.

Bauarbeiten auf der A45: Lennetal-Brücke-Projekt einmalig in Deutschland

Es hat also seine Berechtigung, von einem Meilenstein des Straßenbaus zu sprechen, wenn am 5. März ein Vorgang beginnt, der in dieser Dimension in Deutschland bisher noch nie durchgeführt wurde. Dann wird ein Zwillingsstück der neuen, fast 1000 Meter langen Lennetal-Brücke über der A45 um exakt 19 Meter und 15 Zentimeter in seine endgültige Position verschoben. „Tausend Meter Brücke, das hat noch keiner verschoben“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes – und klingt dabei nicht weniger beeindruckt als ihr Projektleiter Neumann.

Brückenkoloss auf der A45 wird über dem Lennetal verschoben

Lennetal-Brücke auf der A45 wird verschoben - einmaliges Projekt
Lennetal-Brücke auf der A45 wird verschoben - einmaliges Projekt
Lennetal-Brücke auf der A45 wird verschoben - einmaliges Projekt
Lennetal-Brücke auf der A45 wird verschoben - einmaliges Projekt
Brückenkoloss auf der A45 wird über dem Lennetal verschoben

Neumann hat beim Bau der Lennetal-Brücke den Hut – oder besser – den Helm auf. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Unternehmen Hochtief realisiert. Da auf der alten, maroden Lennetal-Brücke der Verkehr in beide Fahrtrichtungen lief, habe man zunächst eine neue Brückenhälfte bauen müssen, damit der Verkehr während der gesamten Bauzeit weiterfließen konnte. Der Spatenstich für den Neubau der A45-Brücke erfolgte 2013. Der Verkehr war erst beeinträchtigt, als die alte Brücke 2017 abgerissen wurde. Die Bauzeit lag insgesamt also bei gut acht Jahren, der Verkehr lief gut viereinhalb Jahre durch einen Baustellenbereich.

Dirk Stiepert hat zur Veranschaulichung des nun anstehenden Vorganges zwei Holzschlitten mitgebracht. Der Leiter der Außenstelle Hagen der Autobahn Westfalen findet, dass dies ein ganz guter Vergleich sei. „Früher habe ich die Kufen mit Speck eingerieben, damit er besser rutscht“, erinnert sich Stiepert an seine Kindheit. Beim großen Brückenrücken kommen ebenfalls Schlitten zum Einsatz. Diese sind allerdings riesig und werden auf eingefetteten Teflonplatten gleiten.

Brücken-Hälfte wird über A45 gezogen: Vorgang mit Hightech

Über 13 Pfeiler und zwei Widerlager wird die Brückenhälfte für die Fahrtrichtung Frankfurt der A45 gezogen. Kontrolliert wird der Vorgang via Hightech: Laser und Computer überwachen, ob die Verschiebung planmäßig verläuft und greifen notfalls in den Vorgang ein. „Die Geschwindigkeit muss überall gleich sein, sonst würde die ganze Brücken reißen“, sagt Stiepert. Die Verschiebung der Brücke wird dabei der Entdeckung der Langsamkeit gleichen. Drei Meter pro Stunde sind geplant. „Eine Weinbergschnecke würde das Rennen gewinnen“, sagt Stiepert. Diese schafft gut vier Meter in der Stunde, wenn sie sich beeilt.

Die Lenntal-Brücke ist ein echter Koloss, das Verfahren außergewöhnlich.

Der Vorgang des Verrückens wäre für Zuschauer also ungefähr so abwechslungsreich wie ein Standbild im Fernsehen. Aber Publikum ist am 5. März wegen der Corona-Pandemie sowieso nicht vorgesehen. Wer den Verschub-Prozess dennoch beobachten möchte, kann dies über eine Webkamera tun. Zusätzlich wird direkt im Anschluss an die Aktion ein Zeitraffervideo veröffentlicht. Die beteiligten Ingenieure von der Autobahn GmbH und von Hochtief werden hingegen vor Ort ganz genau und mit großer Spannung den wahrscheinlich mehrere Stunden dauernden Vorgang beobachten.

Mega-Projekt Lennetal-Brück: Kosten laufen auf 179 Millionen Euro

In den vergangenen Wochen ist die neue Brücke Stück für Stück angehoben und auf die riesigen Schlitten gesetzt worden. „Es war eine Millimeter-Arbeit, damit der Überbau nicht beschädigt wird“, sagt Neumann, der verrät, dass bei diesem Vorgang tatsächlich auch mit einem Schullineal gearbeitet worden sei.

Die Kosten für das Projekt Lennetal-Brücke werden sich am Ende auf 179 Millionen Euro belaufen. Allein 10 Millionen Euro werden dabei für den Verschub veranschlagt. Wenn die zweite Brückenhälfte am 5. März an ihrem neuen Platz liegt, sind die Arbeiten im Lennetal allerdings noch nicht beendet. Zum einen muss das Bauwerk Pfeiler für Pfeiler auf die eigentlichen Lager umgesetzt werden.

Davon werden die Autofahrer oben auf der Brücke allerdings nichts merken: Diese Arbeiten finden ausschließlich unter der Brücke statt. Zum anderen müssen auch noch die Fahrbahnübergänge, die die Längsausdehnung der Brücke ausgleichen, eingebaut werden. Zudem werden noch die provisorischen Pfeiler zurückgebaut, auf denen die eine Brückenhälfte vor dem Verschub auflag. „Die voraussichtliche Freigabe für den Verkehr ist für Juni 2021 geplant“, sagt Neumann.

Lennetal-Brücke auf der A45 wird verschoben - einmaliges Projekt

Halten soll die neue Brücke über das Lennetal dann rund 70 Jahre.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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