Unfall auf der A3

Betonplatte tötet Autofahrerin nach Pfusch am Bau: Anwalt rechnet mit drastischen Konsequenzen

Bei einem Unfall auf der A3 wurde eine Autofahrerin getötet, weil sich ein Teil der Lärmschutzwand löste: Es war Pfusch am Bau. Ein Anwalt klärt über Konsequenzen auf.

Köln - Bei einem schrecklichen Unfall auf der Autobahn 3 bei Köln ist am 13. November eine Frau gestorben. Eine Betonplatte der Lärmschutzwand, die neben der Autobahn verläuft, löste sich und stürzte auf den Wagen der Autofahrerin. Der Pkw wurde durch eine tonnenschwere Betonplatte zerquetscht. Die Autofahrerin starb noch an der Unfallstelle und konnte erst nach Stunden geborgen werden.

BundesautobahnA3
Länge769 km Strecke
StraßenbeginnEmmerich-Elten (Grenze Niederlande)
StraßenendeNeuhaus am Inn (Grenze Österreich)

Jetzt gab Straßen.NRW bekannt, dass am Donnerstag, 19. November, eine Spur der A3 gesperrt werden muss, damit der Landesbetrieb Straßenbau NRW weitere Betonplatten der Lärmschutzwand abbauen kann. Straßen.NRW bestätigte, dass es sich bei dem Mangel wohl um Absicht handele. Beim Anbau der Lärmschutzwand sei Pfusch durch eine Firma betrieben worden. Das könnte rechtliche rechtlichen Konsequenzen haben.

Betonplatte aus Lärmschutzwand löst sich auf der A3: Autofahrerin stirbt nach Unfall durch Pfusch am Bau

Laut Rechtsanwalt Arnd Kempgens drohen den Verantwortlichen nach dem tödlichen Unfall auf der A3 erhebliche Strafen. „Zumindest wegen fahrlässiger Tötung gemäß § 222 StGB“, sagt der Anwalt aus Gelsenkirchen. Damit sei mit Haftstraßen von bis zu fünf Jahren zu rechnen.

Da jedoch noch weitere Betonplatten der Lärmschutzwand unfachmännisch angebracht wurden und jetzt von Straßen.NRW demontiert werden müssen, würden daneben auch erhebliche Schadenersatzansprüche drohen. „Strafrechtlich kann nicht nur gegen die unmittelbar handelnden Monteure ermittelt werden, sondern auch gegen Vorarbeiter und Geschäftsführung“, erklärt Kempgens. „Letztlich geht es um die Frage, wer von den vermeintlichen Pfuscharbeiten wusste und wer die verhängnisvollen Arbeitsanweisungen gegeben und ausgeführt hat.“ Gegen alle Beteiligten könne strafrechtlich ermittelt werden.

Sollte sich der Vorwurf der Absicht aber verhärten und noch dazu die Beteiligten sich bewusst gewesen sein, dass sich das Lärmschutz-Element - eine Betonplatte - ablösen und umstürzen konnte, drohen noch deutlich härtere Strafen. Wenn die Beteiligten die Gefahr billigend in Kauf genommen haben, so erklärt es der Anwalt, dann könne sogar eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes gemäß § 212 StGB unter dem Gesichtspunkt bedingten Vorsatzes ermittelt werden.

Betonplatte aus Lärmschutzwand auf der A3 wird teilweise demontiert - das passiert bei Staus auf der Autobahn

Die Lärmschutzwand der A3 wird jetzt zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück teilweise demontiert. Laut NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst sollen die Platten wohl beim Einbau 2007 zu groß gewesen sein. Um sie aber dennoch befestigen zu können, sei improvisiert worden. Das Auto der 66 Jahre alten Frau wurde von einer fünf Tonnen schweren Platte getroffen, als sie an dieser vorbeifuhr.

Eine große Betonplatte einer Lärmschutzwand ist auf der Autobahn 3 bei Köln auf einen Wagen gestürzt und hat eine Autofahrerin getötet.

Anwalt Arnd Kempgens von der Kanzel Kempgens. Brunnengräber in Gelsenkirchen sagt, dass die Baufirma nun zivilrechtlich im vollen Umfang für die eingetretenen Schäden haften muss. „Etwaiges Fehlverhalten von eingesetzten Mitarbeitern wird der ausführenden Baugesellschaft gemäß §§ 278, 831 BGB zivilrechtlich zugerechnet“, so der Anwalt.

Für die Verkehrsbehinderungen, die durch die Sperrung und die Reparatur- und Austausch-Arbeiten entstehen, könnten Autofahrer aber keine Schadensersatzansprüche gegen das Bauunternehmen stellen, selbst wenn sie stundenlang auf der viel befahrenen Autobahn im Stau stehen.

Unfall auf der A3: Autofahrer müssen mit Stau rechnen

Autofahrer müssen sich also auf längere Anfahrtswege und Verzögerungen auf der A3 einstellen. „Im erwarteten Rahmen müssen Arbeitnehmer daher früher losfahren, um im Betrieb keine Abmahnung oder im Extremfall auch eine Kündigung wegen Verspätung zu riskieren“, erklärt Kempgens. Die Arbeitszeit beginne grundsätzlich erst am Arbeitsort.

Zu einem weiteren tödlichen Unfall in NRW kam es am Mittwoch auf der A44, hier fuhr ein Mann aus Soest auf das Stauende auf. Ein Mann aus dem Kreis Soest und drei weitere Männer starben bei einem Unfall auf der A99 in Bayern. Hier prallte ein Geisterfahrer gegen ein Auto aus Gütersloh.

Rubriklistenbild: © Daniel Evers/dpa

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