1. wa.de
  2. NRW

49-Euro-Ticket: VRR droht mit Boykott für Ruhrgebiet und Rheinland

Erstellt:

Von: Sven Schneider

Kommentare

Das 49-Euro-Ticket soll im Januar 2023 kommen. Eventuell aber nicht im Ruhrgebiet und Rheinland? Der Verkehrsbund Rhein-Ruhr (VRR) droht mit einem Boykott.

Hamm - Das 9-Euro-Ticket ist seit dem 1. September 2022 Geschichte. Drei Monate lang konnten Verbraucher in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland den öffentlichen Nahverkehr bundesweit für wenig Geld nutzen. Nun steht mit dem 49-Euro-Ticket ein Nachfolger in den Startlöchern. Doch ausgerechnet der größte Verkehrsverbund Deutschlands könnte nicht mitmachen.

Im Januar 2023 soll es losgehen. Für 49 Euro sollen Verbraucher mit dem öffentlichen Nahverkehr quer durch Deutschland fahren können. Bahnfahrer in großen Teilen Nordrhein-Westfalens könnten möglicherweise in die Röhre schauen. Denn kritiklos mitmachen möchte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) nicht. Der Verband fordert mehr Geld, sonst wird es möglicherweise nichts mit dem 49-Euro-Ticket.

49-Euro-Ticket: VRR droht mit Boykott - Ruhrgebiet und Rheinland betroffen

„Der Bund und die Länder müssen sich endlich nach monatelangen Verhandlungen über die langfristige Finanzierung des Nahverkehrs in Deutschland verständigen. Sonst werden wir im VRR auf das Leistungsangebot vor der Wende der 80er Jahre zurückfallen. Dann können wir die Mobilitätswende und die Erreichung der Klimaziele definitiv nicht 2030 erreichen“, sagte VRR-Vorstand Jose Luis Castrillo der Rheinischen Post.

Grund sei ein Defizit von 520 Millionen Euro im kommenden Jahr, sollten die Einnahmeverluste wegen Corona-Spätfolgen und des angekündigten 49-Euro-Tickets nicht ausgeglichen werden. Bund und Länder seien nun verpflichtet, die sogenannten Regionalisierungsmittel ausreichend zu erhöhen.

„Sofern es nicht eine ausreichende Finanzierung gibt, kann ich meinen Gremien eigentlich nicht vorschlagen, ein solches Konzept abzusegnen“, sagte Castrillo und drohte, das 49-Euro-Ticket für den VRR-Bereich zu blockieren. Betroffen sind unter anderem das Ruhrgebiet mit unter anderem Dortmund, Bochum, Essen und Oberhausen sowie das Rheinland mit Düsseldorf und Mönchengladbach.

Kein 49-Euro-Ticket im Ruhrgebiet und Rheinland? VRR stellt klare Forderungen

Das Problem, das der VRR-Vorstand aufzeigt: Rund 100.000 neue Abonnenten im VRR-Bereich seien durchaus denkbar. Die rund 52 Millionen Euro, die mit dem 49-Euro-Ticket dann erwirtschaftet würden, seien schon in der Defizitrechnung enthalten. Castrillos Forderung: Bund und Länder sollen sich schnellstmöglich auf ein neues Konzept mitsamt Finanzierung einigen.

Grundsätzlich sei der VRR-Vorstand ein Befürworter de Vereinfachung des Nahverkehrstarif. „Wir sind hochmotiviert, das Bundesticket und ein konsistentes Tarifkonzept auf Landesebene in 2023 stufenweise umzusetzen. Die Kunden müssen es einfach haben, wir müssen stark auf Digitalisierung setzen, aber wir müssen auch die tatsächlichen Kosten erstattet bekommen“, sagte Castrillo und forderte zum landesweiten Handeln auf.

Dazu brachte Castrillo neben einem bundesweiten Ticket ein konsistentes Tarifkonzept ins Spiel. Eben jenes müsste für Pendler, Jugendliche und auch Gelegenheitskunden individuell angepasst werden.

Auch interessant

Kommentare