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2G-Regel in NRW? Immer mehr fordern Einschränkungen für Ungeimpfte

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Von: Daniel Großert

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Die Corona-Zahlen steigen auch in NRW. Der Ruf nach einer 2G-Regel wird lauter. Die SPD und verschiedene Mediziner fordern Einschränkungen für Ungeimpfte.

Hamm - Die Corona*-Lage in Deutschland verschärft sich immer weiter. Die Infektionszahlen liegen im Herbst 2021 auf einem Rekord-Hoch, das Land steuert auf eine riesige Welle im Winter zu. Manche Bundesländer ziehen daher die Regeln wieder an, Sachsen setzt sogar flächendeckend auf die 2G-Regel. Kommen die Einschränkungen für Ungeimpfte auch in Nordrhein-Westfalen?

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

2G-Regel in NRW? SPD und Mediziner fordern Einschränkungen für Ungeimpfte

Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt die 7-Tage-Inzidenz für ganz Deutschland am Dienstag mit 213,3 an - so hoch war der Wert seit Beginn der Pandemie Anfang 2020 noch nie. Sachsen (483,7), Thüringen (439,3) und Bayern (348,0) sind mit ihren Inzidenzen weit jenseits der 300 die absoluten Hotspot-Bundesländer. In Sachsen hat die Landesregierung auf die dramatischen Zahlen reagiert und flächendeckend die 2G-Regel eingeführt. In der Gastronomie, bei Veranstaltungen in Innenräumen sowie bei Großveranstaltungen (zum Beispiel Fußballspiele) haben nur noch vollständig gegen Corona geimpfte und von einer Covid-19-Erkrankung genesene Menschen Zutritt. Im Nachbarland Österreich - dort liegt der Inzidenz-Wert am Dienstag bei 625,5 - geht die 2G-Regel sogar noch weiter: Dort dürfen Ungeimpfte auch nicht zum Friseur oder in Hotels.

Ganz so dramatisch ist die Lage in NRW noch nicht: Die 7-Tage-Inzidenz ist mit einem Wert von 130,0 vergleichsweise niedrig, was auch daran liegt, dass die Impfquote in Nordrhein-Westfalen mit 70,6 Prozent vollständig geimpften Einwohnern eine der höchsten in ganz Deutschland ist. Doch die Infektionszahlen steigen auch dort kontinuierlich an. Um weitreichende Folgen der sich verschärfenden Corona-Lage im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands zu verhindern, hat die SPD-Landtagsfraktion einen Zehn-Punkte-Plan mit Maßnahmen, „wie wir sicher durch den Winter kommen, ohne wieder alles runter zu fahren“, veröffentlicht.

2G-Regel in NRW? - „Der vierten Corona-Welle nicht tatenlos zusehen“

„Die Landesregierung darf in der vierten Corona-Welle nicht weiter tatenlos zusehen“, sagte Thomas Kutschaty*, Vorsitzender der NRW-SPD und Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2021*. Es reiche nicht aus, „nur auf Berlin zu verweisen und die Verantwortung auf die Ministerpräsidenten-Konferenz zu schieben“, wie die Sozialdemokraten schreiben. Die Landesregierung um den neuen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst* (CDU) habe „selbst zahlreiche Instrumente in der Hand, um auch selbstständig aktiv zu werden“.

Die oberste Forderung der SPD-Landtagsfraktion ist die „Einführung einer konsequenten 2G-Regel für Gastronomie, Events und Veranstaltungen“. Darüber hinaus fordern die Sozialdemokraten aus NRW unter anderem die Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen, eine schnelle Umsetzung der Testpflicht in Pflegeheimen oder eine konsequente 3G-Regel am Arbeitsplatz.

Zudem sollen „in den kalten Monaten“ wieder kostenfreie Bürgertests für alle angeboten werden. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach sich für kostenlose Corona-Tests aus - allerdings mit Einschränkungen. Von einer flächendeckenden 2G-Regel in Nordrhein-Westfalen hält die Landesregierung aber noch nichts.

Erhöht 2G-Regel in NRW die Impfquote?

Anders sehen das verschiedene Mediziner aus NRW. „Dort, wo Menschen sich nicht unbedingt aufhalten müssen, sollte 2G eingeführt werden“, sagte Dr. Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, der WAZ. Als Beispiele nannte er in diesem Zusammenhang Fußballstadien, Festivals oder andere Freizeit-Veranstaltungen. Auch Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor der Uni-Klinik Essen, fordert strengere Corona-Regeln. Sein Krankenhaus arbeite „umsichtig daran, bei bestimmten Berufsgruppen und in bestimmten Klinik-Bereichen nur noch 2G-Personal zum Einsatz kommen zu lassen“, erklärte Werner der WAZ.

Ein Schild „Zutritt nur mit 2G - geimpft - genesen“ steht vor einem Café.
„Zutritt nur mit 2G“: Sind diese Schilder wie hier in Hannover bald auch vor Cafés in NRW zu sehen? © Julian Stratenschulte/dpa

Der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW, Jochen Brink, appelliert unterdessen, dass Ungeimpfte sich noch gegen Corona impfen lassen sollen. „Wer sich nicht impfen lässt, wird eine Corona-Infektion vermutlich kaum verhindern können – mit einem erhöhten Risiko schwerwiegender Folgen“, sagte er der WAZ.

Lässt sich die Impfquote möglicherweise mit der Einführung einer 2G-Regel in NRW erhöhen? „2G kann die Bereitschaft zur Impfung fördern“, zitiert die WAZ den Bochumer Angstforscher Prof. Jürgen Margraf. Allerdings nicht bei allen: Bei hartnäckigen Impfgegnern würden Verbote den Trotz und Widerstand nur noch vergrößern. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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