Erstaunliche Studie

„Corona-Hotspot“ Fitnessstudio? Deutscher Betreiber wehrt sich mit erstaunlicher Studie gegen Vorwürfe

Laut einer Studie aus den USA zählen Fitnessstudios zu den größten Coronavirus-Hotspots. Das sei aber nicht auf Deutschland übertragbar, argumentiert FitX.

Hamm - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen in Deutschland weiter rasant an. Um das Geschehen in den Griff zu bekommen und die Verbreitung von Covid-19 wieder zu bremsen, wurde der Alltag seit Novemberbeginn weitestgehend heruntergefahren (News zum Coronavirus).

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/Corona\tBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Besonders darunter zu leiden haben Restaurants, Bars und andere gastronomische Einrichtungen, Kosmetikstudios und Fitnessstudios, die den zweiten Lockdown innerhalb des Jahres 2020 überstehen müssen. Die Hoffnung auf Lockerungen im Dezember sinkt täglich. Doch zurecht?

Corona: Fitnessstudios wirklich Hotspot? Studie aus den USA soll dies beweisen

Eine Studie der Stanford University und der Northern University hatte gezeigt, dass das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus in Restaurants, Fitnessstudios oder auch Hotels besonders groß sei. Eine Wiederöffnung der vermeintlichen Superspreader-Orte würde eine große Gefahr für die Gesellschaft bedeuten. Eine bekannte Fitnessstudio-Kette bezieht nun Stellung - und wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe.

Weil die Studie der Stanford University und der Northern University nicht eins zu eins auf Deutschland und Europa übertragbar sei. Mittels einer Computersimulation kamen die Forscher zu dem Schluss, Fitnessstudios in den USA hätten bei einer Wiedereröffnung zu weiteren 149.000 Neuinfektionen geführt.

Corona-Hotspot Fitnessstudio? „FitX“ wehrt sich mit erstaunlicher Studie

„Basierend auf unseren umfangreichen Erfahrungswerten der letzten Monate sowie der aktuellen Datenlage in Deutschland und Europa sind wir nach wie vor überzeugt, unseren Mitgliedern trotz Corona ein sicheres Training bieten zu können“, wehrt sich die bekannte Fitnessstudio-Kette FitX gegen die Vorwürfe, das Ausüben von sportlichen Aktivitäten im Fitnessstudio würde die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in die Höhe treiben.

Noch im Oktober war das Trainieren in Fitnessstudios möglich.

Dabei argumentiert der Fitnessbetreiber FitX nicht nur mit eigens gesammelten Erkenntnissen der vergangenen Monate, sondern verweist unterstreichend auf die Ergebnisse der SafeACTiVE-Studie. Die King Juan Carlos University hat in Zusammenarbeit mit der AWRC-Sheffield Hallam University seit dem 25. September Daten von rund 62 Millionen Fitnessstudio-Besuchen in Deutschland, Frankreich, Schweden, Belgien, Niederlanden, Spanien, Portugal, Norwegen, Schweiz, Tschechien, Polen, Luxemburg, Dänemark und das Vereinigte Königreich ermittelt und ausgewertet.

Corona-Hotspot Fitnessstudio? Nur 487 Neuinfektionen beim Training

Das erstaunliche Ergebnis: Nur 487 Neuinfektionen mit dem Coronavirus waren auf den Besuch des Fitnessstudios zurückzuführen. „Die Aussage, Fitnessstudios seien Superspreader-Orte, entbehrt in Deutschland bzw. Europa einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage und widerspricht sowohl den Ergebnissen der SafeACTiVE Studie als auch unseren Erkenntnissen der letzten Monate“, heißt es vom FitX-Team.

Bei der Politik stoßen die Fitnessstudio-Betreiber jedoch bislang zumeist auf taube Ohren. SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach verweist auf einen Rückfall, sollten Restaurants, Fitnessstudios und andere Einrichtungen zu schnell wieder geöffnet werden. „Wir dürfen nicht im Dezember in Tagen verspielen, was im ganzen November erreicht wird“, schrieb Lauterbach auf Twitter.

Corona-Hotspot Fitnessstudio? Auch die Gastronomie wehrt sich vehement gegen Vorwürfe

Die Aussagen Lauterbachs kommen nicht überall gut an. Auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband ist davon überzeugt, dass die US-Studie, auf die sich Lauterbach beruht, nicht auf Deutschland anwendbar sei. Der Grund: Die Gastronomie in Deutschland habe sich an das Hygienekonzept gehalten und Restaurants, Kneipen und Bars zu sicheren Orten gemacht.

Ob Fitnessstudios und die Gastronomie wirklich Corona-Hotspots in Deutschland sind, wird sich wohl erst im Frühjahr 2021 zeigen. Dann will das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Studie diesbezüglich veröffentlichen. Darin untersuchen die Forscher, „in welchen Situationen das Risiko, sich mit Sars-Cov-2 zu infizieren, erhöht ist“, schreibt das RKI.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich

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