Zweiter Geburtstag hinter Gittern

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Der Prozess um den Mord an Elsbeth B. läuft vor dem Landgericht Dortmund. Die mutmaßliche Täterin wird am Sonntag 27 Jahre alt.

WERNE/DORTMUND ▪ Werne/Dortmund J Wohl kaum in Feierlaune wird das Geburtstagskind sein, wenn es am Sonntag zum zweiten Mal sein Wiegenfest hinter Gittern verbringt. Die mutmaßliche Mörderin von Elsbeth B. (65) wird morgen 27 Jahre alt und sitzt mittlerweile seit etwas mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

Am 28. Oktober war die Leiche der allein lebenden Witwe auf einem benachbarten Gehöft, verscharrt unter Pferdemist, entdeckt und die junge Frau unter dem Verdacht des Mordes in Untersuchungshaft genommen worden. Seither sitzt die gescheiterte Jura-Studentin als Untersuchungshäftling in dem Frauengefängnis in Gelsenkirchen.

In regelmäßigen Abständen wird sie seit Anfang Juni mit einem gesicherten Wagen der Justiz in das Landgericht Dortmund gefahren, wo sich die Wernerin seit nunmehr 16 Verhandlungstagen wegen Mordes aus Habgier verantworten muss.

Die Staatsanwalt ist davon überzeugt, dass Elsbeth B. gewaltsam zu Tode kam, weil sich die junge Frau in den Besitz ihrer Pferde und des Hofes mitsamt der weitläufigen Ackerflächen bringen wollte. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes muss die junge Frau mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen, von der voraussichtlich circa 16 bis 18 Jahre verbüßt werden müssten. Vielleicht ist es diese drohende Perspektive, die die Angeklagte seit einiger Zeit bei ihren Gerichtsterminen immer gedrückter und gesundheitlich angeschlagener wirken lässt.

Ihre beiden Verteidiger versuchen mit aller Macht, ihre Mandantin als tierliebe, uneigennützige Person darzustellen, der die Liebe zu den angeblich schlecht versorgten Pferden der Getöteten über alles gegangen sei. Zu Prozessbeginn hatten sie eine schriftliche Erklärung der Angeklagten verlesen, in der die Angeklagte für das Tatgeschehen einen heftigen Streit mit Elsbeth B. wegen der Tiere sowie eine Art Blackout für den gewaltsamen Tod reklamierte.

Die mutmaßliche Mörderin selbst hat in dem mehrmonatigen Prozess noch nie das Wort ergriffen, macht von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Regungslos verfolgt sie seither die Zeugenaussagen. Nachbarn der Getöteten hatten unter anderem beschrieben, wie die junge Frau mit einer Schachtel Pralinen unter dem Arm sich bei ihnen als neue Nachbarin und Eigentümerin des Hofes vorgestellt hatte – zu einem Zeitpunkt, als die allein lebende Witwe bereits tot in einer Pferdebox lag. Derzeit ist völlig offen, wann das Strafverfahren abgeschlossen wird. Ein Urteil wird vermutlich in diesem Jahr nicht mehr verkündet. ▪ mw

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