Ex-AFG-Schüler referiert auf Einladung des Alumni-Vereins

Ein Werner Zeuge des Klimawandels: Dr. Dirk Barbi arbeitet am Institut für Polar- und Meeresforschung

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Ein Eisbär auf arktischem Meereis: Die meisten Tiere halten sich das ganze Jahr über an den Küsten oder auf dem Meereis auf, um dort Robben zu jagen. Ihre Welt ist mit dem Schmelzen des Eises durch die Veränderung des Weltklimas bedroht. „Die wissenschaftliche Genauigkeit, mit der man das sieht, was sich abzeichnet, wie eindeutig das ist – das ist schon manchmal überwältigend“, sagt Dr. Dirk Barbi vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung. Der frühere Anne-Frank-Schüler hält am 12. März in Werne einen Vortrag.

Werne – Klimaforschung, virtuelle Experimente, Supercomputer: Das sind Begriffe, mit denen Dr. Dirk Barbi im Berufsleben ständig jongliert. Er verdient seine Brötchen als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung. Den Grundstein seiner Karriere hat Barbi in Werne gelegt.

Er machte 1997 Abitur am Anne-Frank-Gymnasium (AFG). Genau dorthin kehrt er am Donnerstag, 12. März, auch zurück. Auf Einladung des neu gegründeten Alumni-Vereins der Schule referiert er ab 18 Uhr im Hörsaal der Schule über seine Arbeit und den Klimawandel. Besonders wichtig wird es ihm bei diesem Termin sein, klar zu machen, dass der Klimawandel eben keine Glaubensfrage ist. 

„Ich bin besorgt, wenn ich in den Medien mitbekomme, dass viele den Klimawandel für eine Meinung halten“, sagt er. Tatsächlich sei es eben keine Frage des Glaubens, sondern die Warnungen vor der Veränderung des Weltklimas basierten auf Daten und Fakten. Und die könnten schon Sorge bereiten. 

"Ich bin besorgt, wenn ich in den Medien mitbekomme, dass viele den Klimawandel für eine Meinung halten." - Dr. Dirk Barbi

„Die wissenschaftliche Genauigkeit, mit der man das sieht, was sich abzeichnet, wie eindeutig das ist – das ist schon manchmal überwältigend“, sagt der 42-Jährige. „Andererseits denke ich manchmal, es wird zu aussichtslos dargestellt. Wir konzentrieren uns zu sehr darauf, wie schlimm es ist und zu wenig darauf, was wir machen könnten, um die Lage zu verbessern.“ 

Realistische Szenarien und Klimamodelle

Anhand der Datengrundlage realistische Szenarien zu entwickeln, daran arbeitet Barbi am AWI in Bremerhaven mit. Dabei hatte er zunächst einen anderen Karriereweg vor Augen. „Nach dem Abi habe ich in Münster und Paris theoretische Physik studiert.“ Er promovierte in Münster und arbeitete einige Zeit lang in der theoretischen Physik. „Irgendwann hatte ich den Wunsch, etwas zu machen, was mehr Nutzen und Wirkung für die Menschen hat.“ 

Seine Frau, die aus Bremerhaven kommt, habe ihm vom AWI erzählt. „Ich habe mich als Modellierer dort beworben und bin auch angenommen worden.“ Bedeutet: Barbi arbeitet bei der Programmierung von Klimamodellen mit, schult neue Mitarbeiter in der Arbeit damit und sorgt dafür, dass die Modelle auf dem Supercomputer des AWI effizient laufen. „Es ist wichtig, dass das schnell geht – der Einsatz von Supercomputern ist schließlich auch eine Kostenfrage.“ 

Der Hochleistungsrechner im AWI-Rechenzentrum: Er kostete rund drei Millionen Euro und wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert.

Ein Supercomputer ist mit dem heimischen PC nicht zu vergleichen. „Der Supercomputer hat Schrankausmaße, manchmal auch die Größe mehrerer Schränke.“ Der Rechner des AWI sei mit seinen 10.000 Rechenkernen (normale PC haben vier bis sechs) sogar verhältnismäßig klein. 

Virtuelle Experimente zum Kohlenmonoxidausstoß

Wichtig ist deren Einsatz, weil „man im Klimabereich schlecht mit Experimenten arbeiten kann“. Also sind virtuelle Experimente notwendig: Die AWI-Mitarbeiter programmieren Klimamodelle, in denen die Forscher beispielsweise Parameter wie den Salzgehalt der Ozeane, den Kohlenmonoxidausstoß oder die Strahlungsbilanz der Sonne verändern können. 

Die für die Modelle wichtigen Daten bekommt das AWI unter anderem durch eigene Expeditionen. Mit dem Expeditionsschiff war der Vater zweier Söhne noch nicht unterwegs. „Das ist einfach nichts für mich.“ Vorträge zu halten, ist dagegen Alltag. Trotzdem sei die Rückkehr ans AFG aufregend. „Ich habe dort seit 1997 nicht mehr gesprochen.“ 

Und noch eins sei anders, habe er bei den Vorbereitungen für den Heimatbesuch gemerkt: „Ich trage erstmals wieder auf Deutsch vor. Das ist völlig ungewohnt."

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