Zehn Mio. Euro Invest, 25 neue Jobs

Rohstoffquelle im Nordlippepark: RCS treibt Kunststoffrecycling in Werne voran

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Ist nichts für den Hausgebrauch, funktioniert aber wir Omas Fleischwolf: Mit Betriebsleiter Thomas Hayner erläuterte RCS-Chefin Adelheid Hauschopp-Francke, wie aus PET-Flakes ein Teigstrom und an der Lochscheibe Granulat geschnitten wird.

Werne – Einwegpfand, Recyclingquote – was war das einst für eine politische (Abwehr)-Schlacht. Jetzt ist das Rücknahmesystem  ein Grundstein für eine Kreislaufwirtschaft, deren prosperierende Dynamik sich in Werne an drei Buchstaben nachvollziehen lässt: RCS. Der mittelständische Entsorger treibt gerade mit einer Investition von zehn Millionen Euro und 25 neuen Arbeitsplätzen die Veredlung von dem weiter, was einst naserümpfend Müll geschimpft wurde.

Die „RCS Plastics GmbH“ ist der jüngste Firmenzweig und wird mit einem neuen Betrieb im Nordlippepark die Angebotspalette bei Sekundärrohstoffen um hochwertige Recyclate (wiedergewonnenen Kunststoff) erweitern, die den strengen Standards der Lebensmittelverpackung genügen. Laut Studien werden hier gegenüber dem Ausgangsprodukt (Granulat) aus Erdöl 60 Prozent weniger Klimagase erzeugt. Das ist nur ein Beispiel für die Umweltaspekte, mit denen große Discounter heute effektiver wirtschaften und mit neuem Selbstverständnis an einem grüneren Image arbeiten – mit Betrieben wie RCS.

„Bei den PET-Flaschen haben wir mittlerweile eine Recyclingquote von mehr als 96 Prozent“, zeichnete RCS-Geschäftsführerin Adelheid Hauschopp-Francke die Entwicklung nach. Der in die RCS Rohstoffverwertung GmbH überführte Betriebszweig ist seit Jahren in dieser Sparte tätig und stellt aus PET-Flaschen sortenreine Flakes (Flocken) für die Weiterverarbeitung her. Die Sammlung gewerblicher Abfälle, Ursprung des Unternehmens, ist einschließlich der Rückstände aus der Zahnmedizin nun unter dem Dach der RCS Entsorgung gebündelt.

Coronavirus kommt Vorhaben zunächst in die Quere

Beim Ausbau der Plastics-Sparte liegen gerade nervenaufreibende drei Wochen hinter den Verantwortlichen. „Wir haben für gut vier Millionen Euro eine Maschine bei Spezialisten in Österreich und der Schweiz gekauft. Die ist noch ins Land gekommen, die Monteure durften aber wegen Corona nicht mehr rein“, schilderte Hauschopp-Francke ihr Problem. Da man sich für solch eine Investition schon den einen oder anderen Euro von der Bank leihen muss, bedeutet jeder Verzug Kosten. Da war’s zunächst vorbei mit der Erleichterung, trotz Winterbaustelle die Errichtung der Halle mit nur einer Woche Überschreitung gewuppt zu haben.

Am Donnerstag kam das nächste Aufatmen: „Der Hersteller hat eingewilligt, dass wir die Maschine mit unseren Leuten und dem für uns tätigen Anlagenbauer drei Wochen nach der Lieferung endlich abladen und aufstellen dürfen, ohne die Gewährleistung zu verlieren“, sagte Hauschopp-Francke beim WA-Termin auf der Baustelle.

In einem 16 Meter hohen Reaktor werden je 22 Tonnen pro Durchlauf so hygienisiert, dass daraus Lebenmittelverpackungen gefertigt werden können.

Da wurde per Autokran das 16 Meter hohe Herzstück der Anlage, ein Stickstoffvakuum-Reaktor für die lebensmitteltaugliche Hygienisierung des Recyclingmaterials, durch die dafür geschaffene Luke im Hallendach gehievt. Am Boden hatten die Techniker mit Betriebsleiter Thomas Hayner da schon einen Anlagenteil in Position gebracht, mit dem aus den aufbereiteten Flocken aus ehemaligen Getränkeflaschen das Regranulat erzeugt wird, dass in dem Reaktor in einem elf Stunden währenden Prozess pro Charge die nötige Reinheit für seine Zukunft als Saftflasche oder Folie um den Wurstkringel erhält.

Sieben Tage in der Woche, rund um die Uhr

Das Auslesen kleinster Störstoffe oder Klebereste aus zig Tonnen gerupfter PET-Flaschen erfolgt mit aufwendiger Gebläse- und Lasertechnik. Auch was darauf folgt, ist High-Tech aus dem Hause Erema, lässt sich für den Laien aber am besten mit Omas Fleischwolf vergleichen. Denn im meterlangen Schneckenförderer wird aus dem Flakes mit Temperaturen bis 280 Grad ein Teig gebacken, der an der Lochscheibe in einem Wasserstrom zu Granulat geschnitten wird, wie in der Küche das frische Hack.

Rund um die Uhr wird das geschehen, wenn die Anlage im Nordlippepark in Betrieb geht, an sieben Tagen in der Woche im Schichtbetrieb. Gern hätten die Geschäftsführer, Ehemann Gerd Francke und Alexander Rimmer machen das Trio komplett, am Standort Capeller Straße mit derzeit 140 Beschäftigten erweitert. Doch da reichte der Platz nicht. Zum Glück wurde die anderweitig reservierte Fläche in relativer Nähe am Zubringer frei. So nahm die Unternehmung ihren Lauf – und es reifen schon Pläne, was man mit Plastics als nächstes noch so anstellen kann...

Lesen Sie auch: Wann Recycling funktioniert – und wann nicht

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