Zankapfel Sakristei: Denkmalfachbehörde winkt ab

+
Die Sakristei der St. Christophorus-Kirche

Werne - Die Bürgeranregung, die St. Christophorus-Sakristei unter Denkmalschutz zu stellen, schlägt hohe Wellen. Die wichtigste Info von Donnerstag: Die Denkmalfachbehörde in Münster räumt dem Vorhaben keine Chance ein. Grund: Das Gebäude ist nicht alt genug. Der WA hat mit Beteiligten gesprochen: 

Denkmalschutzbehörden:

Es ist Aufgabe der Unteren Denkmalbehörde einer Kommune, schützenswerte Bauten in die Denkmalliste einzutragen. Das geschieht im Benehmen mit der Politik und der Oberen Denkmalbehörde bei Kreis bzw. Bezirksregierung. Die inhaltliche Prüfung obliegt der Fachbehörde, die Denkmalwertgutachten erstellt. Die Stadt Werne hat die Bürgeranregung daher nach Münster zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe weitergeleitet, bei der die Fachbehörde angesiedelt ist. LWL-Sprecher Markus Fischer erteilt dem Anliegen schon vor Prüfung eine Absage. Zwar sei gesetzlich nicht festgelegt, wie alt ein Gebäude sein muss, um als schützenwert eingestuft werden zu können. In Fachkreisen aber sei es Konsens, dass „Stein gewordene Geschichte“ (in diesem Fall „Stahl gewordene Geschichte“) 30 Jahre und älter sein muss. Im Fokus des Denkmalschutzes stünden aktuell Bauten von 1990 und früher. Auf diese könne man mit dem nötigen Abstand schauen. Die Sakristei von St. Christophorus wurde 1999 eingeweiht.

Dipl.-Ing Joachim Kupczik:

Der frühere Baudezernent Wernes (1993 bis 1999) hat die Anregung zusammen mit Heinz Polmann verfasst, der bei Planung des Gebäudes der CDU-Fraktion vorstand. Zur Motivation sagt er, dass eine Unterschutzstellung auch einem möglichen Abriss vorbeugen soll. Der Bau sei in seiner Art einmalig, demokratisch legitimiert, und Schönheit dürfe beim Denkmalschutz bekanntlich kein Kriterium sein. Apropos: Wie auch immer die Entscheidung des LWL ausfällt – sowohl die Antragsteller als auch der Eigentümer, die Kirchengemeinde, könnten juristisch dagegen vorgehen.

Architekt Stephan Böhm:

Der 68-jährige Kölner spricht bei der Sakristei von „einem unserer besten Bauten“. Für das Gebäude müsse man sich auch heute nicht schämen, auch wenn es in der Bevölkerung nach wie vor auf geringe Akzeptanz stoße. Dies könne sich aber auch ändern. Den Vorstoß zur Unterschutzstellung begrüße er, so Böhm. Zudem habe er „großes Interesse“, dass das Gebäude fachgerecht saniert wird. Der Aufwand dafür sei „deutlich geringer“, als die Gemeinde bei seinem Besuch in Werne Ende September vorgerechnet habe. Da sei von 160 000 Euro die Rede gewesen. Dabei gelte es lediglich, den Stahl neu zu streichen und das Plexiglas auszubessern oder zu erneuern. Mit Blick auf die Kritik, in der Sakristei sei es im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß, betonte Böhm, dass die Technik nachjustiert werden könne und solch Gebäude nur für kurzfristige Aufenthalte gedacht seien. Er hätte sich gewünscht, dass die Gemeinde das Bauwerk besser gepflegt hätte, sagt Böhm. Ihn dränge sich ein wenig der Eindruck auf, dass man nach Gründen suche, es abzureißen.

Pfarrdechant Jürgen Schäfer:

Der Leitende Pfarrer von St. Christophorus wertet die Bürgeranregung als Versuch, „Tatsachen zu schaffen, unsere Handlungsfreiheit zu beschränken“. Dabei sei noch gar nicht entschieden, wie es mit der Sakristei weitergeht. Aktuell sei man dabei. Fakten zu sammeln. „Wir müssen prüfen, ob das Gebäude noch lebensfähig ist, werden dann nüchtern und rational abwägen und beschließen“, betont Schäfer. Dies wolle man in aller Ruhe tun. Was den Bau selbst angehe, so sei angesichts der Mängel zwar schnelles Handeln erforderlich („Wir haben schon Schimmel im Keller“). Priorität genieße in der Kirchengemeinde aber derzeit der Umbau von St. Konrad, und auch die Sanierung des Christophorus-Pfarrheims sei noch nicht abgeschlossen. Dass das Thema Sakristei einmal mehr für Aufregung sorgt, damit habe man früher oder später gerechnet, so Schäfer. Der Bau sei einst „gegen den Willen der Mehrheit“ durchgedrückt worden; dies habe zu „Rissen und Zerwürfnissen“ geführt, die heute noch bestünden. „Die meisten Werner lehnten das Bauwerk ab, Auswärtige suchen hier entweder den Kassenautomaten der Tiefgarage oder eine öffentliche Toilette, weil die Funktion des Gebäudes nicht ablesbar ist.“ Die Kosten für die Sanierung beziffert Schäfer mit der Hälfte des Neubaupreises – „und dann sind noch nicht einmal die Bau- und Funktionsmängel beseitigt“. Dazu zählten eine unzureichende Isolierung, das Fehlen einer barrierefreien Sanitäranlage und die Tatsache, dass das Plexiglas andauernd springe. 

Mit der Unterschutzstellung der Christophorus-Sakristei beschäftigt sich der Stadtentwicklungsausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 9. Oktober (17.30 Uhr, Stadthaus-Cafeteria).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare