Obdach und Flüchtlingsheim muss ersetzt werden

WERNE ▪ Obdach – der Begriff lässt gewiss keinen Komfort erwarten, aber immerhin das im Wort enthaltene Dach überm Kopf. Ein trockenes Plätzchen fürs Nötigste. Doch selbst damit steht es nicht mehr zum Besten in der Containerwohnanlage im Lindert.

An Wernes kombinierter Unterkunft für Wohnungslose und ausländische Flüchtlinge hat kräftig der Rost genagt. Es regnet rein, Wände sind feucht. Wenn es nach dem Willen der Stadtverwaltung geht, wird die in die Jahre gekommene Anlage nächstes Jahr verschrottet und durch eine neue ersetzt.

Das ist indes keine Frage des sozialen Engagements, sondern Ergebnis einer nüchternen betriebswirtschaftlichen Betrachtung, die der Kommunalbetrieb Werne (KBW) zur Sitzung des Betriebsausschusses am kommenden Dienstag, 25. September (17.30 Uhr; Stadthaus) vorlegt.

Denn schon die bloße Dachsanierung des Übergangsquartiers würde 60 000 Euro kosten, nur wäre diese Investition schon bald verloren. Die 1992/93 aufgestellten und auf zehn Jahre angelegten Container müssten insgesamt erneuert werden. Nach dem Investitionsplan wäre das im Jahr 2014 fällig. Angesichts der Mängel schlägt die KBW-Leitung der Politik vor, die mit 640 000 Euro veranschlagte Ersatzbeschaffung im nächsten Jahr vorzuziehen.

Zumal die Kapazitäten aufgestockt werden müssen. Die Zahl ausländischer Flüchtlinge hat in den vergangenen Monaten zugenommen; die überregionalen Anlaufstellen wie auch die für Werne zuständige Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Dortmund laufen allmählich voll, wie Alfons Högemann von der Stadt Werne auf Anfrage berichtete. In der Folge werde Werne zusätzliche Unterbringungskapazitäten schaffen müssen. In welchem Umfang, das ließe sich noch nicht näher beziffern.

Etwa 70 Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen seien, lebten derzeit in Werne, so Högemann. Bei ungefähr 20 von ihnen seien Asylverfahren anhängig, die weiteren 50 seien als so genannte de-facto-Flüchtlinge mit Aufenthaltsstatus geduldet. Die Anlage im Lindert ist das letzte von vormals sieben Wohnheimen für gut 700 Menschen. Dort ist seit dem Abriss des Obdachs für das Baugebiet Hustebecke im Jahr 2007 auch die Unterkunft für Wohnungslose angesiedelt. Derzeit leben dort neun Obdachlose und 39 Flüchtlinge. Im Zuge der Auflösung der Übergangsheime hat das Sozialamt mit Erfolg die Vermittlung von Flüchtlingen, insbesondere Familien, und Obdachlose in Sozialwohnungen forciert.

Pro Container-Einheit können zwölf bis 20 Menschen untergebracht werden. Die Fachabteilung geht davon aus, dass eine Erweiterung auf eine vierte Einheit unumgänglich ist, zumal bestimmte Kapazitätspuffer vorgehalten werden müssen. „Wir gehen jetzt auf die Wintermonate zu und müssen im Blick haben, dass der Bedarf im Obdach schnell steigen könnte“, sagte Sozialamtsleiterin Kordula Mertens.

Damit die Anlage am Lindert zukünftig mehr Menschen aufnehmen kann, aber in der Fläche nicht wächst, sollen die neuen Container doppelstöckig aufgestellt werden. ▪ bkr

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