Vertrauensverlust in die Deutsche Bahn

Der Ton wird rauer: Kommunen pochen auf das zweite Gleis auf der Bahnstrecke Dortmund-Münster

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Schulterschluss fürs zweite Gleis: Erstmals traten die Anrainer-Kommunen der Bahnstrecke Dortmund-Münster zusammen mit Vertretern der Industrie- und Handelskammern in Münster und Dortmund mit ihren Forderungen an die Presse. Aus Werne mit dabei: Planungsdezernent Ralf Bülte (Zweiter von links) und Berater Karl-Friedrich Ostholt (Zweiter von rechts)

Werne/Münster – Die Forderung nach einem durchgängig zweiten Gleis auf der Bahnstrecke Dortmund-Lünen-Münster wird im Ton rauer. Mit sichtlicher Empörung über die Deutschen Bahn AG drängten am Montag in Münster Vertreter der umliegenden Kommunen einmal mehr darauf, dass nun sichtbare Zeichen in Richtung Ausbau gestellt werden.

Erstmals mit am Tisch: die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen sowie die IHK zu Dortmund. 

Schon beim sogenanntenBahngipfel in Werne Ende Mai hatten sich die Kommunen gemeinsam für das zweite Gleis stark gemacht und eine Resolution an die Deutsche Bahn verfasst. 

Mit der Reaktion zeigten sie sich jetzt alles andere als zufrieden. Zwar äußert das Unternehmen Verständnis für das Anliegen aus Westfalen, es verweist aber lediglich auf die Planungen im Bundesverkehrsministerium.

Vertrauensverlust

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe kritisierte nicht nur den Inhalt des Schreibens, sondern auch die Art und Weise des Umgangs mit den Interessenvertretern vor Ort. So habe man die Resolution bewusst an den Vorstand der Bahn geschickt, geantwortet habe aber lediglich der Konzernbevollmächtigte für NRW. Dieser habe dann auch nur ein Schreiben an die Stadt Dortmund verfasst und darin um Vervielfältigung für die anderen beteiligten Kommunen gebeten.

Dieses Vorgehen nannte Lewe „stillos“; schließlich seien die obersten kommunalen Vertreter „keine Frühstücksdirektoren“. Stil und Haltung der Deutschen Bahn sorgten dafür, dass das Vertrauen in das Unternehmen „kontinuierlich kaputtgeht“. Gleich mehrfach war bei der Pressekonferenz von einem Vertrauensverlust die Rede.

Situation sei „in hohem Maße unbefriedigend“

Für die Stadt Werne saßen am Montag Planungsdezernent Ralf Bülte und Berater Karl-Friedrich Ostholt mit am Tisch, für Nordkirchen Bürgermeister Dietmar Bergmann und für die beiden IHKs deren Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (Dortmund) und Dr. Fritz Jaeckel (Nord Westfalen). Diese legten dar, dass die Schienen-Infrastruktur einen großen Beitrag zur Wertschöpfung in der Region leiste.

Alle Berichte zum Streckenausbau

Auch die Industrie- und Handelskammern würden sich „mehr Geschwindigkeit“ beim Thema Ausbau wünschen, betonte Jaeckel. Die derzeitige Situation sei „in hohem Maße unbefriedigend“, daher übe man gerne die Schulterschluss mit den Kommunen.

Dortmunds OB Ullrich Sierau nannte es „unfassbar“, wie die Bahn agiere, und bezog sich dabei vor allem auf die aktuellen Einschränkungen des Fernverkehrs durch beschädigte Gleise. So gebe es in seiner Stadt im Zuge von Umleitungen ein deutlich verringertes Angebot. Eine weitere Reduzierung sei „absolut nicht akzeptabel“ und „nicht hinnehmbar“.

„Westfalen ist nicht Restfalen, sondern Bestfalen“

Nach Ansicht Sieraus kann sich die Region mit ihren mehr als eine Million Einwohnern nur mit funktionierender Schienen-Infrastruktur weiterentwickeln. Die Bahnstrecke Dortmund-Münster bilde aktuell einen Engpass im Netz, der dringend beseitigt werden müsse. „Wir wollen Korridor für den Nord-Süd-Verkehr sein.“ Den Verantwortlichen von Bahn und Verkehrsministerium schrieb er ins Stammbuch: „Westfalen ist nicht Restfalen, sondern Bestfalen.“

Was die A1 für den Autoverkehr sei, müsse die Strecke Dortmund-Münster für den Zugverkehr werden, unterstrich Lewe. Man benötige „eine Hansalinie für den Zug“. Mit Blick auf die Bahnverbindung zwischen den beiden Westfalenmetropolen fühle er sich an die Leverkusener Brücke erinnert: „Man wusste um die Situation, aber hat nichts gemacht“.

Nach Ansicht Lewes muss „unverzüglich“ mit der Planfeststellung begonnen und Geld für den Ausbau bereitgestellt werden. „Ansonsten werden wir mit unseren Bürgerinnen und Bürgern nach Berlin fahren müssen.“

Die Forderungen

  • Vollständiger zweigleisiger Ausbau der Strecke Dortmund-Münster und zügiger Beginn der Planungen 
  • Wiederherstellung der Fernverkehrsverbindungen nach geplanter sechsmonatiger Streckensperrung zur Beseitigung von Schäden (ab Januar 2020) 
  • Deutschlandtakt (halbstündiger Fernverkehr) auch für die Achse Dortmund-Münster-Bremen-Hamburg 
  • Stündliche Weiterführung der RRX-Linie 3 (Rhein-Ruhr-Express) über Dortmund bis Münster

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