NWL will Eurobahn klare Kante zeigen: Verband prüft Strafen wegen Mängel

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Auf die Eurobahn ist wenig Verlass, sagt der Nahverkehrsverband. Er zieht alle Register, damit sich das ändert.

Werne/Unna - Den Kunden reicht’s schon lange mit den Verspätungen und Ausfällen der Eurobahn, jetzt hat auch der Auftraggeber die Nase voll: Der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe (NWL) will alle juristischen Register ziehen, damit auf den Fahrplan wieder Verlass ist.

Da eine Abmahnung wie auch die laufend geltend gemachten Vertragsstrafen nicht gefruchtet haben, wagt sich der NWL in der Vorbereitung einer Sanktion durch den Verbandstag am 6. Dezember in Unna an Optionen, die ihm bislang zu heikel waren: Kündigung der Verträge oder Eingriff in die Betriebsführung der Eurobahn. Dann würde versucht, Personal und Züge der Eurobahn über Dritte so zu dirigieren, dass es läuft. Denn kurzfristig besteht keine Chance, dass ein anderer Betreiber mit eigener Zugflotte verfügbar ist. 

Vertragskündigung kein Tabuthema mehr 

„Das sind, wie etwa die Beendigung der Verträge, alles Dinge, die in der Theorie schon in Erwägung gezogen wurden,“ erläuterte NWL-Sprecher Uli Beele. „Bisher ist es nur dabei belassen worden, weil das juristisch nicht ganz einfach und ein Ersatzverkehr zu organisieren ist. Doch jetzt ist die Sache ernster. Wir haben hier eine gravierende strukturelle Problematik, und das nicht nur in einem Netz.“ 

Denn Bahnfahren, und erst recht das tägliche Pendeln, ist nicht nur mit Wernes RB 50 im hiesigen Hellwegnetz in Regie der Eurobahn eine Geduldsprobe. Das Tochterunternehmen der Keolis Deutschland betreibt noch drei weitere Netze: Maas-Rhein-Lippe, OWL-Dieselnetz Nord und Teutoburger Wald. Bei Letzterem ist das somit größte Eisenbahnunternehmen der Region im Dezember 2017 so schlecht gestartet, dass es im Februar ‘18 eine Abmahnung gab. 

Qualitätsoffensive zeigte anfänglich Wirkung

Die geforderte Qualitätsoffensive habe anfänglich Wirkung gezeigt, so Beele. Zuletzt seien aber „erneut Einbrüche in Form von Ausfällen, Verspätungen und fehlenden Zugteilen in allen Netzen der Eurobahn“ aufgetreten. Daher würden „sämtliche und vertragliche Schritte dahingehend geprüft, ob diese letztlich zur Stabilisierung des Betriebes“ geeignet sind. Dazu werde der Verbandsversammlung ein konkreter Vorschlag unterbreitet. 

In dem Gremium aus Vertretern der Kommunen in den Netzgebieten waren kürzlich erst Forderungen nach drastischeren Maßnahmen laut geworden. So wurde beschlossen, in einer Art Mängel-Monitoring jede Unregelmäßigkeit und ihre Ursachen festzuhalten. Das Papier kommt am Nikolaustag ebenfalls auf den Tisch. Der NWL betont, dass er ohnehin sämtliche Vertragsstrafen für Ausfälle und Verspätungen, aber auch Sauberkeit, Zugdefekte und die Fahrgastinformation im Zug erhebe. „Erwartet“ werde zudem, dass die Eurobahn „sehr kurzfristig“ Kulanzregelungen für die unbürokratische Entschädigung von Kunden ohne weitere Umwege anbiete. 

Kulanzregelungen "erwartet"

Auf der Strecke Dortmund-Münster erschweren bekanntlich die Gleisschäden in Verantwortung der Deutschen Bahn die prompte Bedienung der Strecke. Sie ist seit Montag über fünf Wochen abschnittsweise (erst Werne-Lünen, dann Ascheberg-Davensberg) über Nacht sperrt und an den Wochenenden bis Anfang Dezember ganztägig, um den Damm zu reparieren. Darüber hinaus erklärt die Eurobahn ihre Nöte seit Wochen damit, dass drei Unfallschäden und die außerplanmäßige Kontrolle aller über 90 Fahrzeuge wegen möglicher Schäden an den Radsätzen die Zahl der verfügbaren Züge einschränke. Diese Erklärungen genügen dem NWL offensichtlich nicht mehr.

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