Werner Rieselfelder Einflugschneise für Kraniche

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Die Kraniche fühlen sich in den Rieselfeldern mit ihren Wiesen, Wasser- und Schlammflächen wohl. Seit 2010 machen die Tiere auf ihren Weg Richtung Norden in immer größerer Zahl Rast in Werne.

WERNE - Vor allem in den Abendstunden schauen die Werner zur Zeit immer wieder zum Himmel und beobachten den Zug der Kraniche, die mit ihren trompetenartigen Lauten auf sich aufmerksam machen. Zu Tausenden fliegen die Kraniche derzeit über die Region hinweg. Auf dem Weg zu den Brutgebieten im Norden legen die imposanten Tiere auch eine Rast in den Werner Rieselfeldern ein.

„Ein riesiger Glücksfall“, sagt Klaus Nowack, passionierter Ornithologe im Dienste des Nabu. Er und seine Kollegen vom Nabu freuen sich über diese Entwicklung. Am Montagabend zählte Jürgen Hundorf 120 Vögel, die sich auf den Rieselfeldern niedergelassen hatten. „Unsere Region ist für die Kraniche mittlerweile eine Art Einflugschneise auf dem Weg zu den Brutgebieten“, erklärt Nowack.

Sporadisch hätten immer wieder einige Kraniche in Werne gerastet. Anfang 2010 wurden dann zur Freude der Ornithologen an einem Tag 40 Tiere in den Rieselfeldern gezählt. 2012 konnten die Naturschützer sogar an nur einem Tag 111 Tiere am Boden zählen. Dieses Jahr wurde dieser Wert wieder übertroffen.

Das liege an der Beschaffenheit der Rieselfelder, sagt Nowack, diese böten schöne Wasser- und Schlammflächen. Und ähneln ihren Brutgebieten im Nordosten Europas und im Norden Asiens. Denn: „Die Kraniche brauchen große Flächen, feuchte Weiden und Wiesen“, erklärt Nowack. Brutzeit ist von Anfang Mai bis Juni.

Dass derzeit so viele Kraniche auf der Reise sind, liegt an den wärmeren Temperaturen, die nicht nur die Menschen mit Freude hinnehmen. „Vor gut 14 Tagen sind zwar schon die ersten Kraniche über uns hinweggeflogen, aber die wärmeren Temperaturen sind ein besseres Flugwetter“, sagt Nowack.

Die Kraniche sind übrigens nicht die einzigen Vögel, die derzeit ziehen. „Rohr- und Goldammern kommen zurück. Die Kurzstreckenzieher bleiben zum Teil auch hier“, sagt Nowack. Im Gegensatz zu den Kranichzügen, die derzeit wohl jeder mitkriege, zum einen wegen der Vielzahl der Tiere, ihrer Größe und ihren Trompeten-Lauten, blieben die anderen Züge dem Laien oft verborgen. Während die Rohr- und Goldammern aus dem Nordosten Europas zu uns vor der Kälte flüchteten, zögen andere Vögel noch weiter nach Süden.

Noch als weitere Gäste in den Rieselfeldern erwartet Nowack verschiedene Watvögel (auch Limikolen) wie Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer, Rot- und Grünschenkel. „Diese Limikolen fliegen in die Brutgebiete und rasten zum Teil auch in den Rieselfeldern“, sagt Nowack. Besondere Brüter in den Rieselfeldern selbst seien zum einen der Flußregenpfeiffer. „Im Vorjahr hatten wir drei Butpaare. Vielleicht wird das dieses Jahr noch mehr“, so der passionierte Ornithologe. Zum anderen hofft Nowack, dass sich mehr Kiebitze in den Rieselfeldern niederlassen und dort brüten.

Im April führt der Nabu zusammen mit der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft im Kreis Unna eine große Kiebitzzählung durch. Vieleicht gibt es dann schon den nächsten neuen Rekordwert aus der Vogelwelt in den Rieselfeldern zu berichten. - sh

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