Klangstarke Verbindung aus Gesang und Akkordeon im Pfarrheim St. Christophorus

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Kraftvolles Doppelpack: Mezzosopranistin Andrea Rieche (li.) und Andrea Knefelkamp-West.

Werne - Zwei starke Frauen vor begeistertem Publikum: „CantAkkordeon“ im Pfarrheim St. Christophorus.

Ein Schellenkranz befeuerte das Liebeslied „Tanze, liebes Mädchen“, während sie umeinander wirbelten – die kraftvolle Stimme von Andrea Rieche und die klangreichen Akkordeonklänge von Andrea Knefelkamp-West. Jede der beiden Künstlerinnen agierte am Samstagabend in ihrem Metier präsent und vergaß doch nie, der anderen Raum zu geben. Etwa bei der Arie „O cessate di piagarmi“ von Alessandro Scarlatti: Perfekt passte sich dort das Akkordeon den entschwindenden Tönen der Mezzosopranistin an. „Musica amorosa: Liebesgesänge aus alten Zeiten“ hatte das Duo sein Kammerkonzert genannt. 

Werke aus vier Jahrhunderten

Mehr als 40 Zuhörer lauschten Liedern, Arien und Instrumentalstücken aus vier Jahrhunderten. Sie amüsierten sich über neckisches Geplänkel und ließen sich ebenso von dramatisch inszeniertem Liebeskummer gefangen nehmen. Da gab es kokette Stücke wie „Pur dicesti, o bocca bella“ von Antonio Lotti. Andrea Rieche lockte mit den Augen und ließ die satten Koloraturen genüsslich auf ihrer Zunge zergehen. Die verschmitzte Ansage „Se Florindo è fedele“ (Wenn Florinde treu ist) interpretierte sie so sprechend, dass das Publikum sein Lachen nicht unterdrücken konnte.

Mozarts und Haydns Spott herausgestellt

Das Lied „Gioite al canto mio“ (Jacopo Peri) intonierte sie wiederum so warm und weich, dass man in ihrer Stimme hätte versinken können. Ihre präzise Artikulation unterstrich außerdem die Pointen zweier deutschsprachiger Texte der spottlustigen Komponisten Mozart und Haydn. Knefelkamp-West hielt sich zurück, wo es leise Passagen der Sängerin erforderten, und forcierte, wo es geboten war. Bei dem Lied „Come raggio di sol“ von Antonio Caldara malte ihr Akkordeon den Sturm, der sich drohend zwischen den Zeilen zusammenbraut. 

Akkordeon ist kein Schifferklavier

Und bei ihren Solostücken bewies sie mit leichter Hand, dass ein konzertantes Akkordeon nichts mit einem Schifferklavier gemeinsam hat. Eine ursprünglich für das Cembalo komponierte Sonate von Domenico Scarlatti spielte sie mit fein ziselierten Tönen; die Instrumentalversion der Mozart-Arie „Weht leise, ihr Winde“ begann wie ein Hauch, nahm langsam Fahrt auf, verdichtete sich, brauste auf und entschwand wieder.

Anrührende Liebeserklärung

Liebeslieder müssen sich nicht nur an einen anderen Menschen richten, bewies Henry Purcells „Music for a while“, das das Duo wie einen entspannten Spaziergang anlegte, vorbei an den aufblühenden Modulationen von Andrea Rieche und den fließenden Tönen von Knefelkamp-West. „Vergin, tutt’amor“ heißt ein anrührendes Gebet an die Gottesmutter von Francesco Durante. „Auch das ist eine Art von Liebeserklärung“, so Knefelkamp-West. Jedem Liedblock schickte das Duo ein paar informative Sätze voran. Das begeisterte Publikum spendete im Gegenzug gleich mehrfachen, stürmischen Applaus.

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