Razzia in Neonazi-Szene führt Ermittler nach Werne

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WERNE - Eine bundesweite Razzia in der Neonazi-Szene hat Ermittler des Operativen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus des Landes Sachsen nach Werne geführt. Wie die federführende Staatsanwaltschaft Zwickau auf Anfrage bestätigte, sind Mitte vergangener Woche drei Wohnungen in Werne durchsucht worden, um Musik-CDs zu beschlagnahmen.

Es geht um Werke eines 29-jährigen „Liedermachers“ aus Zwickau, in denen die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) verherrlicht werden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Neonazi Belohnung und Billigung von Straftaten vor. Dafür sieht das Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Haftstrafe vor.

In Werne ist mit „Wolfszeit“ ein Vertriebskanal der Rechten Szene ansässig. Ob, und gegebenenfalls in welchem Umfang, unter Beteiligung der Staatsschutzabteilung bei der Polizei Dortmund bei dem hiesigen Versandhandel besagte Tonträger oder weiteres Material sichergestellt wurde, kann die Staatsanwaltschaft wegen der laufenden Auswertung noch nicht mitteilen.

Über die Wohnung des Beschuldigten Zwickauers hinaus wurden in der bundesweiten Razzia in sieben weiteren Bundesländern noch 15 andere Objekte durchsucht. Der Vertrieb der in Bayern produzierten CD wird im gegenwärtigen Ermittlungsspektrum nicht als strafbare Handlung verfolgt. Die hiesige Drehscheibe ist nicht nur in der rechten, sondern auch in der linken Szene ein Begriff.

Die Antifa Werne gehört zu denen, die auf die jüngste Razzia aufmerksam machen. Sie verweist zudem darauf, dass der Betreiber tief mit dem Neonazi-Netz verflochten sei und sich bei den Rechtsrock-Bands, denen er angehöre, über bewaffnete Kampfzellen in der Szene Bezüge zum NSU ergäben.

Aktuell wird der Werner als Mitglied der Band „Sleipnir“ aufgeführt, laut Antifa eine der bekanntesten, die auch international in der Szene agiert. Zuvor wurde er mit „Oidoxie“ in Verbindung gebracht, „Oidoxie Streetfighting Crew“ wiederum wird bewaffneten Kampfzellen zugeschrieben und dem militanten Kreis möglicher NSU-Unterstützer.

Dazu die Bewertung der Antifa-Gruppe Werne: „Der Fall zeigt einerseits, dass die Problematik des NSU-Komplexes nicht einfach auf München und einige Tatorte wie Dortmund, Köln oder Kassel begrenzt ist, und andererseits, dass Neonazis nirgendwo zu unterschätzen sind. Es bedarf eines kontinuierlichen Engagements gegen rechte Strukturen. Auch hier in Werne, einer Stadt, die sich mit ihren Neonazis nur wenig beschäftigt.“ - bkr

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