Neue Stolpersteine erinnern an jüdische Bürger

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Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller hat die neuen Stolpersteine schon im Empfang genommen. Neuere Recherchen des Werner Historikers Josef Börste über 18 weitere Schicksale jüdischer Mitbürger sind Grundlage der Fortsetzung der Aktion, die von Sponsoren finanziert wird.

WERNE - Den 69. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 begeht die Stadt Werne mit der Fortsetzung der Stolperstein-Aktion zur Erinnerung an die verfolgten jüdischen Bürger Wernes. Im Anschluss an eine Kranzniederlegung auf dem so genannten Russenfriedhof am Südring rückt die Verlegung 18 weiterer Stolpersteine das Schicksal der gut 50 Angehörigen jüdischer Familien zur NS-Zeit in den Fokus.

18 solcher Steine aus der Werkstatt des Künstlers Gunter Demnig sind in den vergangenen acht Jahren bereits vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnsitz der Verfolgten verlegt worden. Sie erinnern unter der Zeile „Hier wohnte“ mit Nennung des Namens, des Geburtsdatums, des Todestages oder Verweis auf das Schicksal (deportiert, emigriert, überlebt) an die früheren Mitbürger. Neuere Recherchen des Werner Historikers Josef Börste haben Details über 18 weitere jüdische NS-Opfer ans Licht gebracht. Dank der Finanzierung durch Sponsoren kann die Stadt Werne die Anzahl der Stolpersteine nun in einem Zug verdoppeln.

Der 27. Januar, seit 1996 ein nationaler und seit 2005 der internationale Holocaust-Gedenktag, bietet nach Auffassung von Politik und Verwaltung den passenden Rahmen. Vor zwei Jahren hat Werne auf Initiative der SPD damit begonnen, an Stelle der wenig beachteten Kranzniederlegung vor dem Mahnmal am Südring das Schicksal der in Werne zur Zwangsarbeit eingesetzten Kriegsgefangenen mit einer Veranstaltung zum 27. Januar in Erinnerung zu halten. Dazu wurde der Gefangenen-Friedhof hergerichtet und mit einer Informationstafel ausgestattet.

Dort wird Bürgermeister Lothar Christ die Gedenkveranstaltung an dem Montag um 16.30 Uhr mit einer Kranzniederlegung eröffnen und an das Unrecht erinnern, das vor allem den vielen Gefangenen aus Russland beim Arbeitseinsatz und der Internierung auf der Zeche Werne widerfahren ist.

Um 17 Uhr folgt die Fortsetzung der Stolpersteinaktion. Die Bürger und die Ratsfraktionen sind eingeladen, zunächst an der Enthüllung der überarbeiteten Info-Tafel am Aufgang zum Museums- beziehungsweise Kirchplatz teilzunehmen. Von dort begeben sich die Teilnehmer in fünf Gruppen zu den Standorten der neuen Stolpersteine. Da der Urheber der Aktion, Künstler Gunter Demnig, für die Verlegung zusätzlicher Steine nicht zur Verfügung steht, werden Mitarbeiter des Bauhofes die Betonsteine mit der Messingplatte einige Tage vorher einpflastern. Neben den neuen Steinen werden an diesem Abend Kerzenlaternen aufgestellt.

Ab 18 Uhr findet sich die Gesellschaft im Alten Rathaus ein. Die Schülerin Katharina Escher wird darstellen, was sie in ihrer preisgekrönten Facharbeit über die Wirkung des Stolperstein-Projektes herausgefunden hat. Um 19.30 Uhr setzt ein Konzert im Ratssaal einen kulturellen Akzent Die Gruppe „Min Halev“ (Deutsch: Von Herzen) wird jüdische Kultur aufleben lassen. Nur wenige Meter vom Standort der 1938 zerstörten Synagoge in der Marktgasse wird das Trio um die Sängerin Angelika Papadopulus Klezmer-Musik spielen. - bkr

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