Vortrag im Museum

Werne Up'n Patt: Heimatforscher erinnert an Bau der Werner Lippebrücke

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Heimatforscher Berthold Ostrop und Projektleiterin Dr. Katharina Hülscher erinnerten in einem Vortrag im Rahmen der Reihe „Werne up‘n Patt“ an den Bau der Lippebrücke zwischen Werne und Rünthe.

Werne - Für diejenigen, die von Werne nach Bergkamen oder umgekehrt unterwegs sind, ist es Alltag, die Lippebrücke zu nutzen. Wer in früheren Jahrhunderten den Fluss überqueren wollte, musste eine Furt suchen – oder eine Brücke in der Nähe von Lünen nutzen.

Das berichtete Berthold Ostrop in seinem Vortrag „Der große Brückenschlag – Der Bau der ersten Lippebrücke bei Werne vor 150 Jahren“ im Rahmen des Programms „Werne up’n Patt“. 1707, so der Referent, befuhr Johann Bücker die Lippe mit einem Kahn von Hamm bis Wesel. „Er sollte herausfinden, welche Hindernisse beseitigt werden müssen, um die Lippe schiffbar zu machen“, so Ostrop. Anhand Bückers gezeichneter Karte erfuhr der Referent, dass es eine Brücke im Gebiet Werne/Rünthe damals noch nicht gab. 

Auch die Fischerhofbrücke existierte noch nicht. Im Urkataster, das die Preußen zwischen 1836 und 1850 in ganz Westfalen anlegten, war die Fischerhofbrücke dann allerdings verzeichnet. „Eine direkte Straße von Werne nach Kamen gab es aber noch nicht“, so Ostrop. Ab ungefähr 1850 habe die Stadt Werne sich aber um eine Übereinkunft zum Bau einer Straße mit den Gemeinden südlich der Lippe bemüht. Der Grund: Werne wollte auf kürzestem Wege eine Verbindung nach Kamen (damals noch Camen geschrieben), um die Cöln-Mindener-Eisenbahn nutzen zu können. 

1867 war es soweit: Per offizieller Bekanntmachung wurde die aus Stein gebaute Brücke mit ihren Bögen für den Verkehr freigegeben. Bis es soweit war, galt es aber zunächst, die Finanzierung zu regeln. Es habe lange Beratungen mit den Gemeinden Rünthe, Bergkamen, Overberge und Kamen gegeben, fand Ostrop heraus. Schlussendlich beteiligten sie sich jedoch nicht an den Baukosten für die Chaussee von Werne bis Kamen, die am Ende eine Länge von 2 132 laufenden Ruthen (etwa 7 931 Meter) hatte. 

Werne trug die Baukosten allein 

„Werne hat die Kosten von 75 000 Reichsmarkt bei einer jährlichen Steuerkraft von 6 000 Reichsmark dann allein übernommen“, erzählte Ostrop. Während die freie Nutzung der Brücke heute eine Selbstverständlichkeit ist, war die direkte Verbindung zwischen Werne und den südlich der Lippe gelegenen Gemeinden damals nicht kostenfrei: Zwei Pfennig seien fällig geworden für Personen und alles, was diese tragen konnten, erzählte Ostrop. Ein Pferd oder Maultier kostete demnach acht Pfennig. „Es gibt auch Erzählungen, dass der Wirt der Gaststätte Borgschulte, die in etwa auf dem jetzigen Lidl-Parkplatz lag, denjenigen, die drei Schnaps getrunken haben, die Schranke auch mal ohne Bezahlung öffnete.“ 

Die Brücke und die Chaussee, die eine direkte Verbindung mit dem Kamener Bahnhof ermöglichte, habe für eine ganz neue Mobilität in Werne gesorgt, betonte Ostrop. Und zog eine Parallele in die Gegenwart: Auch die geplante neue Lippebrücke, die den Bau von 1942 ablösen soll, solle für eine bessere Mobilität sorgen. „Sie wird breitere Fahrspuren aufweisen als die jetzige, da täglich mehr als 20 000 Fahrzeuge die Lippe dort queren.“

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