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Luther-Stadtspiel geht erfolgreich über die Bühne

Werne - Im Reformationsjahr hat Werne den Reformator Martin Luther mit einem Stadtspiel gewürdigt, an dem sich über 150 Darsteller beteiligten. Beide Vorstellungen am Wochenende waren ausverkauft; am Samstag blieben wegen Regens dennoch Plätze frei. Am Sonntag wurde vor vollen Rängen gespielt.

Der Donner kam vom Band, der Regen vom Himmel: Als das Luther-Stadtspiel am Samstagnachmittag mit jener Gewitterszene begann, in der sich der spätere Reformator zum Mönchtum bekehrt, goss es in Strömen. 

Diejenigen Zuschauer, die dem Wetter mit Schirmen und Regenjacken bis zum Ende der Vorstellung trotzten, spendeten anschließend einen stürmischen Applaus, dessen Lautstärke die leeren Plätze mühelos aufwog. Die 150 Darsteller des Stadtspiels ließen sich von dem Regen nicht irritieren und spielten mit ungetrübtem Engagement. Eine unverdrossene Schar junger Schauspieler – Schüler und Studenten von Martin Luther – hockte sich zu Füßen ihres Lehrers auf den nassen Kirchplatz. Der wurde in seiner ganzen Breite bespielt, wobei es Darsteller und Chorsänger nicht kümmerte, dass sie dabei mehrmals durchweicht wurden.

Impressionen vom Stadtspiel Martin Luther

Hintergründiger Humor 

Die Sprechrollen hatten neben erfahrenen Darstellern der Freilichtbühne Werne auch Laienschauspieler übernommen. Einigen Besetzungen wohnt ein hintergründiger Humor bei. Ausgerechnet der katholische Kantor von St. Christophorus, Dr. Hans-Joachim Wensing, spielte den radikalen Reformator Dr. Karlstadt. Mit routinierten Dirigentengesten brachte Wensing eine Menge zum Schweigen, die nicht von einer Marienprozession lassen wollte. Die frühere Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller betätigte sich ausgerechnet als Bilderstürmerin und zertrümmerte mit Genuss ein Heiligenbild auf dem Kopf eines katholischen Gegners. 

Die Hauptrollen im Lutherstadtspiel

Das Stadtspiel fächerte die entscheidenden Wendepunkte der Reformation in anschaulichen und lebendigen Szenen auf, von Luthers Bekehrung zum Mönch über den Thesenanschlag zu Wittenberg und das Exil auf der Wartburg bis hin zum Augsburger Reichstag 1530. Historische Informationen hatten die Regisseure Marita Gräve und Gottfried Forstmann geschickt in verschiedenen Dialogen untergebracht. So erfuhren die Zuschauer im Gespräch zwischen Papst Leo X. (Stefan Rennhak) und Kardinal Hieronymus Alexander (Marcus Gäßner) von kirchlichen Missständen der Lutherzeit. Hohe Kirchenämter sind zu Prestigeobjekten verkommen, die sogar schon mit Zwölfjährigen besetzt werden. Rennhak präsentierte einen eitlen und gravitätischen Papst, der lieber in prunkvoller weltlicher Kleidung auf die Jagd geht, als sich um kirchliche Angelegenheiten zu kümmern. Das kleine „versoffene Mönchlein in Deutschland“ interessiert den Heiligen Vater nur insoweit, als seine Predigten gegen den Ablass ihm finanzielle Einbußen bescheren. 

Ablasshandel mit Rabattaktionen

Wie begehrt die Ablässe vor Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg waren, demonstriert Thormen Ehrhardt in der Rolle des Predigers Johann Tetzel. Er schart die Menge um sich wie ein spätmittelalterlicher Popstar, feuert die Leute zu Sprechchören an, reckt die Fäuste in die Höhe, als wolle er sich im nächsten Moment auf die Brust klopfen. Siegesgewiss kann er sein, sein Hit heißt Ablass. Den gibt es übrigens auch als Sonderangebot zu kaufen, mit Nachlass auf zukünftige Sünden. Tetzels Agitation bewegt Luther dazu, seine Thesen gegen den Ablass zu veröffentlichen. 

Mit wehendem Gewand fegt ein bartloser Gottfried Forstmann in der Rolle des Reformators über den Kirchplatz und pappt ein – am Samstag etwas durchnässtes – Pamphlet an die Kirchentür. Forstmann ist ein leidenschaftlicher Reformator, mit donnernder Stimme und prophetischen Gesten. Doch er beherrscht auch die leisen Töne. Zum Beispiel, als er und seine Frau Katharina von Bora (Dagmar Borowski-Wensing) die verstorbene Tochter Elisabeth betrauern. 

Kratzbürstige Katharina

Dazu gibt es auch komische Szenen, etwa, wenn eine kratzbürstige Katharina von Bora die Freier in die Flucht schlägt – und zwar im wahrsten Wortsinn –, die Martin Luther ihr schickt, bevor sie ihm einen Antrag macht. Den jungen Luther spielt Marvin Müller in einem gelungenen Balanceakt vom bierseligen Studentenleben zu einer sich langsam steigernden Verzweiflung darüber, dass es ihm auch als Mönch nicht gelingt, seine inneren Dämonen zu besiegen. Schluchzend sucht er Hilfe bei dem Steinkreuz vor der Christophoruskirche. Das historische Kirchengebäude wurde immer ins Geschehen einbezogen, sei es, dass Orgelmusik aus seinem Inneren erklang oder Darsteller das Portal für Auf- und Abtritte nutzen. Am Sonntag gaben die Kirchenmauern dann eine sonnenbeschienene Kulisse vor vollen Zuschauerrängen ab.

Rubriklistenbild: © Eickmann

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