Museumsleiterin lädt zum Diskurs über Neugestaltung ein

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Die Landwirtschaftsausstellung haben Karl-Heinz und Ursula Müller am Freitag Enkel Lukas gezeigt. Das Interesse daran sei durch den Generationswechsel aber rückläufig, so Museumsleiterin Dr. Constanze Döhrer. Sie würde hier gern Platz für neues schaffen, die Exponate könnten das bäuerliche Museum der Panhoff-Stiftung ergänzen.

Werne - Als „Heimatzeugnis“ soll das Museum für den Blick auf die Geschichte der Stadt Werne eine neue zeitgemäße Perspektive bieten, die mit Bezügen zur Gegenwart Neugier erzeugt und zu einem intensiveren Austausch inspiriert. Das soll mit Geld aus dem „Heimatzeugnis“ getauften Baustein der NRW-Förderung gelingen – und dem Zutun von Politik, Verwaltung und der Bürgerschaft.

In einem Workshop samt öffentlichem Diskurs will Leiterin Dr. Constanze Döhrer das Konzept entwickeln, mit dem der Rundgang im ersten Stock nach 40 Jahren ein „Update“ erhalten soll.

„Es fehlen bestimmte Themen und die Bezüge zum heutigen Leben. Wenn Schulklassen kommen, können sie mit Teilen der Ausstellung gar nichts mehr anfangen“, sagte Döhrer, als sie am Donnerstagabend im Kulturausschuss für den Antrag an das NRW-Heimatministerium warb. Der verheißt 90 Prozent Zuschuss, wenn mindestens 100.000 Euro in die Präsentation der Zeugnisse aus der Heimat investiert werden. „Die Kämmerei hat gesagt, viel mehr dürfe es wegen des Eigenanteils in der Haushaltssicherung nicht werden. Aber mit dem Geld wäre das zu machen“, so Döhrer.

Mehr „Drive“ im Rundgang

Zumal es rein um die Gestaltung der Ausstellung und Neuerungen wie interaktive digitale Medien gehe. Die unübersehbar nötigen Reparaturen am Gebäude muss die Stadt anderweitig finanzieren. „Wir planen eine grundsätzliche Betrachtung durch einen externen Gutachter“, erläuterte dazu KBW-Leiter Frank Adamietz auf die bange Frage, was da auf die klamme Stadt noch zukäme. Derzeit werde geprüft, ob dazu Restmittel aus der Dachsanierung und der Städtebauförderung eingesetzt werden können.

Vor den Sommerferien müsste der Antrag im Hause der Ministerin Ina Scharrenbach angekommen sein, bis dahin Einvernehmen über die Umgestaltung bestehen. Die ersten Reaktionen waren in westfälischer Beredsamkeit ermunternd: Kopfnicken. „Es muss etwas passieren“, sagte Jörg Weber (CDU). „Aussichtsreich“ nannte Konrad Günther (Grüne) die Idee, etwa über die Zuwanderung mit Gründung der Zeche vor 110 Jahren und der Aufnahme die Vertriebenen nach 1945 einen roten Faden zur Migration heute zu spinnen. Überhaupt der Bergbau: „Werne war damals im Abstieg und heute noch ein Dorf, wäre nicht der Bergbau gekommen“, warb Döhrer dafür, unter anderem diesen Impuls für die Stadtentwicklung für mehr „Drive“ im Rundgang zu nutzen.

Geschichte von Menschen erzählen

„Wir können die Dinge personalisieren, zu Exponaten die Geschichte von Menschen erzählen.“ Etwa von einem der Bergleute, die auf dem Foto der Schachtteufe von 1899 zu sehen sind. Das soll Betrachter anders anfassen, damit „Besucher sich wiederfinden und mitdiskutieren können.“ Die Preußische Neuordnung soll als Initialzündung fürs selbstständige Handwerk in der Etage fürs 19. und 20. Jahrhundert eine Rolle spielen und demnächst vorkommen, was bisher fehlt: Kriege des 19. Jahrhunderts, die Weimarer und die NS-Zeit, Nachkriegs-Werne bis in die 1970er.

Das erfordert Platz, der nur durch Umräumen, Weglassen oder die platzsparende Präsentation via Bildschirm geschaffen werden kann. Jeder Meter zählt, zumal Döhrer einen Raum für die Arbeit mit Besuchergruppen ausstatten will. All das soll möglichst mobil sein, um Vitrinen verrücken oder Exponate austauschen zu können. Döhrer: „Das Museum soll nicht mehr so schwergängig sein.“

Landwirtschaftsausstellung  soll umziehen

Deswegen würde sie beispielsweise die raumfüllende Landwirtschaftsausstellung gern verlagern. Pflug, Sense, Dreschpfegel & Co. sagten den Kindern heute nichts mehr. „Das Thema bildet die Ausstellung in der Panhoff-Stiftung viel besser ab. Die wäre auch bereit, unsere Exponate zu übernehmen. Und ich könnte dort ein Stück Land bekommen, das ich mit den Kindern sogar beackern kann“, sprach die Leiterin auf WA-Nachfrage buchstäblich neue Wege in der Museumsarbeit an. Das lasse vertretbar erscheinen, sich im Pollender-Museum bei dem Thema künftig etwas zurückzunehmen.

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