Werne ist jetzt Provinzialat

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„Wir möchten eine offene Kommunität sein“, sagt Provinzial Heinz-Josef Catrein (Bild links). Der 63-jährige Geistliche zog einen Tag vor Ankunft der Lastwagen ins hiesige Konvent. Die Zahl der Brüder und Patres in Werne ist auf elf angewachsen. - Fotos: Volkmer

WERNE - Der Konvent der Arnsteiner Patres in Werne ist seit Jahresbeginn offiziell Sitz des Provinzialoberen der deutschen Ordensprovinz. Provinzial Heinz-Josef Catrein ist Anfang der Woche zusammen mit Ordensbruder Josef Huke vom bisherigen Provinzialat in Lahnstein hierhin gezogen. Nun rückten die Umzugswagen an.

Die fünf großen Lkw waren vollgestopft mit dem umfangreichen Ordensarchiv sowie allerlei Mobilar, mit denen unter anderem die neuen Gästezimmer und der neu gestaltete Seminarraum ausgestattet werden. In Werne soll es künftig mehr interne Konferenzen, aber auch Veranstaltungen mit Freunden des Ordens geben, wie etwa Exerzitien und Studienwochen.

Seit 2009 verfolgten die Arnsteiner die Idee, ihr Provinzialat in Werne einzurichten und im Gegenzug das Haus in Lahnstein aufzugeben. Anlass sei der Mangel an neuen Mitgliedern, die Überalterung und damit die insgesamt geringer werdende Zahl von Ordensbrüdern gewesen, erläutert Pater Catrein. Was bei der Entscheidung eine wichtige Rolle spielte: Das Haus in Werne ist barrierefrei ausgebaut, jenes in Lahnstein steht in einem Hochwassergebiet. „Es ist alle zehn bis 15 Jahre nur per Boot zu erreichen“, schildert Catrein.

Als sich der 63-jährige Geistliche den Arnsteinern 1970 anschloss, gehörten der deutschen Provinz rund 190 Ordens-Mitglieder an. Aktuell sind es noch 47; elf davon leben nun in Werne, fünf sind älter als 80 Jahre. Weitere Häuser gibt es in Münster, Koblenz, Arnstein und im belgischen Charleroi.

Der Rückgang der Mitglieder und das altersbedingte Ausscheiden aus bezahlten Seelsorge-Diensten - beides führt laut Catrein dazu, dass der Orden heutzutage „mehr rechnen“ muss als früher. Das Haus in Lahnstein, wo die Arnsteiner wie später in Werne ein Gymnasium gegründet hatten, soll daher verkauft werden. Für das Projekt Provinzialat-Umzug griff der Orden gleichwohl noch einmal tief in die Tasche. Knapp eine Million Euro wurden laut Catrein ausgegeben, der Großteil für den Umbau in Werne.

Wie berichtet, wurde nahezu der komplette südliche Gebäudetrakt, in dem früher Internats-Schüler des Gymnasiums St. Christophorus untergebracht waren, umgebaut. Aus jeweils drei Internats- wurden zwei Gästezimmer mit separatem Sanitär-Bereich.

Pater Catrein war einst Kaplan in Maria Frieden

Was die Zukunft des Ordens angeht, so macht sich Catrein keine Illusionen. „Die deutsche Provinz wird vermutlich ganz verschwinden.“ Dies sei aber nicht dramatisch, weil im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder riesige Klöster und auch Orden verschwunden seien. Holland sei einmal mit 300 Mitgliedern die größte Arnsteiner-Provinz in Europa gewesen, erläutert Catrein; heute lebten dort noch 20 Brüder. Dafür gebe es etwa in Indien, in Indonesien und in Teilen Afrikas Regionen, die regelrecht aufblühten.

Für Catrein ist der Umzug nach Werne im Übrigen eine Rückkehr. Er war zwischen 1977 und 1979 Lehrer am „St. Christophorus“ und Kaplan in „Maria Frieden“. 23 Jahre weilte er für seinen Orden auch in Norwegen. „Dort fühle ich mich zu Hause“, sagt der im Hunsrück geborene Geistliche. In Lahnstein sei er in der Krankenhaus-Seelsorge tätig gewesen, weil Provinzial kein Fulltime-Job mehr sei, sagt Catrein. Beruflich mache er aber zunächst einmal ein halbes Jahr Pause.

Für die Zukunft wünscht sich Catrein, dass die Arnsteiner in Werne als klösterliche Gemeinschaft sichtbar sind und weiterhin ein gutes Verhältnis zur Ortskirche besteht. Werne solle eine „offene Kommunität“ sein, nicht allein „Altenheim für uns“. Mit ersten Veranstaltungen sei in der Fastenzeit zu rechnen. - am

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