Schüleraustausche und Busreise abgesagt

Coronavirus: Schwierige Lage für Händler / Stadt prüft kommende Veranstaltungen

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Am Obst- und Gemüsestand der Kraienhemkes ist in den vergangenen Tagen wenig los – auch wegen des Coronavirus, so die Beschicker. Ursula und Heinrich Kraienhemke sagen: „Wir leiden stark darunter“.

Werne – Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bestimmt vielerorts die Gefühlslage der Menschen. Auch wenn es in Werne noch keinen bestätigten Fall eines Infizierten gibt, wirkt sich die Sorge vor einer Verbreitung auf das alltägliche Leben der hiesigen Bürger aus.

Mögliche Absagen von Veranstaltungen, Unsicherheiten bei Reisen und eine schwierige Lage für die Händler: ein Überblick.

Noch keinen Groß-Veranstaltungen in Werne abgesagt

Auch wenn es erst seit Dienstagnachmittag durch einen Erlass des Landes NRW rechtlich bindend ist, haben bereits einige Veranstalter in den umliegenden Kommunen vorsorglich größere Märkte mit mehr als 1000 erwarteten Besuchern aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Betroffen sind beispielsweise der für diesen Sonntag geplante Hollandmarkt in Nordkirchen (Ersatztermin Sonntag, 5. Juli) sowie das Frühlingsfest in Herbern.

In Werne ist Stand gestern noch keine Entscheidung über eine mögliche Absage kommender Veranstaltungen getroffen worden. Auf WA-Anfrage sagte Bürgermeister Lothar Christ, dass laut Erlass bei Veranstaltungen unterhalb von 1000 erwarteten Besuchern eine Einzelfallprüfung vorzunehmen sei. Das betreffe in dieser Woche konkret den Auftritt des Traumtheaters Salomé am Freitagabend im Kolpingsaal sowie den Neubürgerempfang der Stadt Werne am Samstag im Alten Rathaus.

Coronavirus in NRW: Alle Entwicklungen im Ticker

„Wir müssen jetzt bei diesen Veranstaltungen prüfen, ob und inwieweit infektionshygienische Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind“, so Christ. Man wolle sich am heutigen Mittwoch mit dem Kreisgesundheitsamt zu dieser Fragestellung in Verbindung setzen, ebenso wie in den kommenden Tagen und Wochen mit den jeweiligen Verantwortlichen weiterer Veranstaltungen. Eine größere Veranstaltung findet in Werne am Wochenende vom 4. und 5. April statt. Dann lockt der Auto- und Modefrühling wieder Tausende Besucher in die Innenstadt.

Schüler-Austausche fallen aus

Die weiterführenden Schulen in Werne lassen beim Thema Coronavirus Vorsicht walten. So hat zum Beispiel das St. Christophorus-Gymnasium alle öffentlichen Abendveranstaltungen für die nächsten zwei Wochen abgesagt. Davon betroffen sind nach Auskunft von Schulleiter Thorsten Schröer die Schulkonferenz am 18. März sowie geplante Sprachinformationsabende. Um „der ganzen Sache Herr zu werden“, betont Schröer. 

Für die Schüler besonders bitter ist die Absage sämtlicher Fahrten und Austausche. Das Christophorus-Gymnasium wollte ursprünglich in der Woche vom 23. März eine Delegation aus Toledo und ab dem 30. März eine aus Lyon in Werne empfangen. Aber: „Keine Delegation kommt zu uns. Daher muss auch die Jubiläumsfeier zum Lyon-Austausch ausfallen“, bedauert Schröer. Diese war für den 30. März anlässlich „50 Jahre Lyon-Austausch“ geplant. 

Hieß es Mitte Februar nach der Absage der China-Reise noch, die Schüler des Weltklasse-Projekts könnten sich zumindest auf den Weg nach Kenia machen, hat sich das Christophorus-Gymnasium nun dazu entschlossen, auch diese Reise zu canceln. „Bei allen Fahrten sind wir bemüht, Ersatztermine zu finden“, so Schröer. 

Noch kein Anlass für Schul-Schließungen 

Auch das städtische Anne-Frank-Gymnasium (AFG) muss in diesen Tagen auf einen Besuch aus Frankreich verzichten. Wie Schulleiter Marcel Damberg in einem Elternbrief mitteilt, wurde der ursprünglich heute beginnende Austausch von französischer Seite abgesagt. Weiter heißt es, dass bis zum Schuljahresende Fahrten in Risikogebiete abgesagt und solche in Nichtrisikogebiete mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden. Klassen- und Kursfahrten innerhalb Deutschlands würden davon aber vorerst unberührt bleiben.

Damberg teilt in dem Elternbrief mit, dass mögliche Schulschließungen nur „im absoluten Notfall“ vorgenommen werden. „Dazu besteht bis dato in Werne kein Anlass“, heißt es weiter. Im Krisenfall würde gemeinsam mit dem Gesundheitsamt entschieden.

Aufgrund mehrere bestätigten Infektionen in Bergkamen sind derzeit die Kita Arche Noah in Rünthe, die Bodelschwing-Schule in Heil und die Ketteler-Grundschule in Rünthe von Vorsorge-Maßnahmen betroffen. Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Kreis Unna lesen Sie in unserem Ticker. 

Busreise nach Südtirol abgesagt

Das Coronavirus macht aktuell viele Reisepläne zunichte, etwa wenn es ins besonders betroffene Italien gehen soll. Doch auch Urlauber mit anderen Zielen wenden sich in diesen Tagen an die Reiseplaner in Werne. 

Es ist etwas zwischen Zurückhaltung und Verunsicherung, das laut Frank Wiewel vom gleichnamigen Busunternehmen aktuell im Reisesektor vorherrscht – sowohl bei Urlaubern als auch bei Veranstaltern. „Wir haben auf der einen Seite wenig neues Interesse an Reisen und auf der anderen Seite viele Anfragen, ob die Kunden denn überhaupt ihre Reise antreten könnten“, sagt Wiewel. 

Eine Busreise nach Südtirol Anfang Mai habe er bereits abgesagt. „Das können wir nicht verantworten. Die Fahrten innerhalb Deutschlands werden aber durchgeführt.“

Stornierungsregeln teilweise gelockert

Unsicherheit besteht auch in den Reisebüros. Viele Kunden würden sich nach Stornierungsmöglichkeiten erkundigen, sagt Heidrun Wagner-Peters vom Reisebüro Wagner am Markt. Grundsätzlich müssten die Stornogebühren einer bereits gebuchten Reise gezahlt werden, solange diese nicht vom Veranstalter selbst gecancelt wird. Unter bestimmten Voraussetzungen würden Reiseveranstalter aktuell aber ihre Stornierungsregeln lockern. 

Urlaub in Zeiten des Coronavirus: Was Sie nun wissen sollten

Wagner und ihr Team können aber nicht mehr machen, als ihren Kunden Auskunft zu erteilen. „Jeder, der hier reinkommt, fragt danach oder spricht darüber“, so die Geschäftsführerin. „Aber es kommen wenige. Aktuell ist es sehr ruhig.“ Eigentlich sei in diesen Tagen Hauptbuchungszeit.

Markt-Beschicker spricht von Umsatz-Einbrüchen

„Wir leiden stark darunter“, sagt Heinrich Kraienhemke, während er am Dienstagmittag seinen Stand auf dem Marktplatz abbaut. Für den Obst- und Gemüsebauer sei es sehr deutlich zu spüren, dass die Menschen in den vergangenen Tagen aufgrund des Coronavirus den Markt meiden würden. 

„Wir haben locker 20 bis 30 Prozent Umsatz-Einbrüche“, so der Beschicker. Dass das nicht am größtenteils eher bescheidenen Wetter liegt, weiß auch Ursula Kraienhemke. „Wir fahren ja auch auf viele andere Märkte und auch am Samstag, beim schönsten Wetter, war der Rückgang der Kundschaft zu spüren.“ Das betreffe vor allem auch Stammkunden. 

Für Heinrich Kraienhemke unverständlich: „Hygieneanweisungen befolgen und Abstand halten ist ja in Ordnung, aber nicht in solch eine Panik zu verfallen.“ 

Das wird in Werne abgesagt

Zur Senkung des Infektionsrisikos hat das Jugendamt der Stadt Werne zwei Abholtermine für die „Kids Box“ abgesagt. Die Baby-Begrüßungspakete sollten am 12. und 19. März im Familiennetz an rund 100 Eltern mit Neugeborenen ausgegeben werden. Die Betroffenen werden nun per Brief von der Absage informiert. Der Termin wird nachgeholt, dazu werden neuerlich Einladungsschreiben verschickt.

Die ehrenamtlichen Helfer der Smartphone AG haben sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus dazu entschlossen, in der nächsten Zeit die Übungsstunden ausfallen zu lassen. Sobald sich die Situation entspannt habe, soll ein neuer Anfängerkurs stattfinden.

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