Werne gedenkt der Opfer der Nazi-Herrschaft

Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller stellte vor dem Rundgang die aktualisierte Übersicht der Stolpersteine und Standorte vor.

WERNE -  „Eines Menschen Heimat ist auf keiner Landkarte zu finden, nur im Herzen der Menschen, die ihn lieben.“ Mit diesem Zitat schlug Marlies Goßheger vom Kulturamt Montagabend beim Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus einen Bogen zum Hauptanliegen der dort fortgesetzten Stolperstein-Aktion.

Denn weiter hieß es: „Auch wenn wir diesen Menschen keine Heimat bieten konnten, so bleibt doch die Hoffnung, dass wir mit dieser Aktion einen guten Beitrag leisten, die Erinnerung an ihr Schicksal wach zu halten.“

Am Ende waren es mehr als 50 Bürger – meist, aber nicht nur Vertreter von Politik und Verwaltung – die sich in diesem Geist im Saal des Alten Rathauses versammelt hatten, um der Opfer des NS-Regimes zu gedenken und mit dem Klezmer-Konzert (Bericht folgt) für einen besonderen Moment jüdische Kultur aufleben ließen.

Gedenken der Befreiung von Auschwitz

Gedenken der Befreiung von Auschwitz

Begonnen hatte die Veranstaltung in etwa halb so großem Kreis mit der Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg am Südring. Vor zwei Jahren hat die Stadt Werne damit begonnen, deren Schicksal mit einer eigenen Veranstaltung zum internationalen Holocaust-Gedenktag hervorzuheben. In einer kurzen Ansprache erinnerte Bürgermeister Lothar Christ an millionenfaches Leid und Tod durch die Nazi-Ideologie. Auf dem Nährboden des verlorenen Ersten Weltkriegs und den Schwächen der Weimarer Republik hätten die Nationalsozialisten ihre Kriegsstrategie und die systematische Ausrottung anderer Menschen, auch die „Vernichtung durch Arbeit“ vorantreiben können.

Dabei war der Einsatz der Zwangsarbeiter, ohne die beispielsweise in Werne der Betrieb der Zeche kaum möglich gewesen wäre, von Anfang an Kalkül: „Als Ersatz für die Männer im Kriegseinsatz, als Einsparung für die deutschen Betriebe und als Einnahme für den Staat über die Ausländerzwangsabgabe.“ Bis auf die wenigen, die zugeteilt an deutsche Familien vergleichsweise gut versorgt waren, „haben Zwangsarbeiter unter erbärmlichen Bedingungen in Werne gelebt“, so Christ. Das Mahnmal für 103 tote ehemalige Sowjet-Bürger und die weiteren Grabsteine zeugen davon, dass etliche diese Verbrechen nicht überlebten.

Bis auf wenige, die sich ins Ausland retten konnten, hat auch Werner Juden der Rassenwahn das Leben gekostet. Das wurde nach der Kranzniederlegung bei der Fortsetzung der Stolpersteinaktion deutlich. Für Christ eine gute Gelegenheit, die Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag im Bewusstsein der Werner weiter zu etablieren.

Mit den 18 neuen Steinen des Künstlers Gunter Demnig erinnert Werne an das Verbrechen an 36 jüdischen Mitbürgern, wie Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller bei der Präsentation der neuen Übersicht auf dem Museumsplatz hervorhob. Die Verfolgten hatten alle im Zentrum gelebt, teils seit dem 17. Jahrhundert.

Bei einem Rundgang berichteten Fertig-Möller, Marlies Goßheger und Liane Jäger vom Kulturamt sowie Kulturdezernentin Elke Kappen in eingehenden Worten vom Schicksal der 18 Opfer, denen ein neuer Stein gewidmet wurde. „Es waren Menschen, jeder ein Teil von Familien. Menschen, die von anderen geliebt wurden“, so Kappen.

Wo selbst diese Heimat ausgelöscht ist, wächst die Pflicht zur Erinnerung. -  bkr

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