Giftige Raupen scheinbar überall

Warum der Eichenprozessionsspinner immer mehr zur Plage wird

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Schilder wie dieses weisen immer häufiger auf die gefährlichen Giftraupen hin: hier in Werne an der B54, Höhe Lohstraße.

Werne – Ihre Nester scheinen momentan überall aufzuploppen, die giftigen Härchen beunruhigen besonders Eltern spielender Kinder: Der Eichenprozessionsspinner hat sich in den vergangenen Jahren auch in Werne immer mehr zur Plage entwickelt.

Warum, weiß Naturschützer und Ornithologe Karl-Heinz Kühnapfel. „Eigentlich handelt es sich um einen südeuropäischen Falter. Die Klimaerwärmung ebnet ihm jedoch zunehmend den Weg nach Norden.“ 

Zudem habe die Giftraupe hier keine natürlichen Fressfeinde. „Haarige Raupen fressen nicht viele Vögel – lediglich der Kuckuck, aber der ist erstens ohnehin eher in Wäldern oder Feuchtgebieten als in Städten unterwegs und zweitens schon wieder auf dem Weg nach Afrika“, erläutert Kühnapfel. Regenschauer, die herumfliegenden Härchen ebenfalls den Gar aus machen könnten, gebe es viel zu selten. „Das alles macht ganz Nordrhein-Westfalen zum Paradies für Eichenprozessionsspinner.“

Die giftigen Raupen tauchen meist zu Hunderten auf einmal auf: wie hier am Tibaum. (Für volle Ansicht oben rechts klicken)


Grundsätzlich rate er insbesondere Familien mit Kindern, allergievorbelasteten Spaziergängern oder Asthmatikern dazu, einen großen Bogen um die Raupen zu machen. „Überall wird man ihre Nester nämlich nicht absaugen können. Dafür sind es einfach zu viele.“

So sieht es auch Apothekerin Susanne Wilde von der Werner Apotheke am Solebad. Ihr sind in diesem Jahr zwar nicht allzu viele „Opfer“ mit Raupendermatitis unter gekommen, dennoch mahnt sie zur Vorsicht. „In der letzten Woche, als es so windig war, waren ein paar Kunden mit Ausschlag da. Die hatten draußen gearbeitet und Reizungen an Augen und Haut“, erinnert sie sich.

In der Apotheke gebe es in solchen Fällen Antiallergika oder Cremes wie Fenistil – und den Verweis auf Haut- oder Augenarzt. „Eine erste Linderung verschaffen allerdings auch Essigsäure-Tonerde-Wickel beziehungsweise einfaches Kühlen“, sagt die Apothekerin. Präventiv könne sie nur eines empfehlen: lange Kleidung.

Als problematisch schätzt Wilde insbesondere ein, dass nur wenige Menschen im Vorfeld wüssten, ob sie allergisch auf die Brennhaare reagieren. „Sie können bei Kontakt sogar einen anaphylaktischen Schock erleiden. Und das ist sehr gefährlich.“

Panik solle man vor den Giftraupen trotzdem nicht haben, betont Kühnapfel. Ende Juli sei es mit der Plage voraussichtlich ohnehin vorbei. „Dann tun die Spinner nämlich das, wonach sie benannt sind und prozessieren gemächlich in Richtung Boden.“ – und zwar, um sich Untertage in Ruhe zu verpuppen.

Im Oktober krabbele dann schließlich ein bräunlicher Nachtfalter ans Tageslicht, um sich zu paaren, seine Eier abzulegen und zu sterben. „Neue Raupen gibt es anschließend erst wieder im Frühjahr 2020. Und alles geht wieder von vorne los.“

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