Weitere Taten bekannt geworden

Vorwürfe gegen Ex-Kaplan von St. Konrad: Missbrauchsfall in Nordkirchen

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Werne – Nach den anonymen Missbrauchsvorwürfen gegen einen ehemaligen Kaplan von St. Konrad hat sich ein weiteres und damit viertes männliches Opfer gemeldet. Derweil ist die Betroffenheit in der hiesigen katholischen Kirchengemeinde groß, wie Pfarrdechant Jürgen Schäfer berichtet.

Das Thema Missbrauch habe „ein Gesicht bekommen“, so Schäfer. Einige Gemeindemitglieder könnten sich gleichwohl daran erinnern, ein gutes und freundschaftliches Verhältnis mit dem 2002 verstorbenen Geistlichen gepflegt zu haben. Dies hätten sie auch gegenüber kirchlichen Stellen kundgetan. Derzeit ist nicht bekannt, ob es auch Taten in Werne gab. 

Das Bistum Münster war in der vergangenen Woche mit den Missbrauchsvorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen und hatte mögliche Betroffene gebeten, sich zu melden. Wie berichtet, arbeitete besagter Kaplan, der 1993 in den Ruhestand eintrat, von 1961 bis 1964 in der damals eigenständigen Gemeinde St. Konrad und war hier auch in der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) aktiv. Als Pfarrer wirkte er unter anderem von 1973 und 1984 in der Kirchengemeinde St. Mauritius in Nordkirchen.

Anrufer können es nicht glauben 

In dieser Zeit soll sich der nun bekannt gewordene vierte Fall ereignet haben. Das berichtet Bardo Schaffner, der im Bistum Ansprechperson für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester, Ordensleute oder andere kirchliche Mitarbeiter ist. 

Schaffner erläuterte überdies, Anrufe von Menschen erhalten zu haben, die nicht glauben wollten, dass die Vorwürfe gegen den früheren Kaplan trotz klarer Hinweise stimmen könnten. Dieser, so habe es etwa geheißen, sei immer „so nett“ und „so freundlich“ gewesen.

Unterstützer als Teil der Täter-Strategie

Dass sich Täter in ihrem Umfeld eine Gruppe von Unterstützern aufbauen, gehöre mitunter zu ihrer Strategie, verdeutlicht indes Schaffner. Ihre sexuellen Übergriffe seien zumeist keine spontanen Handlungen, sondern langfristig geplant. 

„Die Täter suchen sich gezielt Kinder und Jugendliche aus, bieten sich als erwachsener Freund an, bauen auch zu den Eltern Kontakt auf und gehen in den Familien oft regelmäßig ein und aus“, schildert Schaffner. Sowohl bei den drei bereits dokumentieren wie auch beim vierten Fall habe sich der Missbrauch über eine längere Zeit erstreckt. „Das geht oft über viele Jahre.“

„Schilderungen in der Regel wahrheitsgemäß“

Meldet sich ein Betroffener, dokumentiert Schaffner den Fall und prüft ihn auf Plausibilität. „Aber nicht bis ins Detail. In der Regel sind die Schilderungen wahrheitsgemäß“, sagt er. Davon ginge in der Folge dann auch die Bistumsleitung aus.

Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche können mit der Übernahme von Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung rechnen und einer Geldzahlung „in Anerkennung des Leids“. Das sind laut Schaffner in der Regel Beträge zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Sollte sich der Betroffene infolge der Taten in einer schwierigen sozialen Situation befinden, erhält er unter Umständen zusätzlich finanzielle Unterstützungsleistungen.

Eine entzauberte Jugend

Schäfer ist zum Wochenende von einer Exerzitien-Fahrt zurückgekehrt. Sein erster Eindruck sei, dass das Thema in der Gemeinde „sehr differenziert“ betrachtet und diskutiert werde, sagt der Pfarrdechant. Noch habe er keinen Hinweis darauf, dass es auch in St. Konrad zu sexuellen Übergriffen gekommen sein könnte. Ältere Gemeindemitglieder hätten ihm jedoch dargelegt, dass sie ihre Jugend in der CAJ gleichsam als „entzaubert“ ansähen.

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