Von Kakerlaken und Kängurus

Volle Sitzreihen beim 21. LiteraTurnier / Petition bringt Kulturpreis ins Spiel

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Magnus See, Liane Jäger, Moderator Dieter Vatheuer, Ludger Burmann und Hartmut Marks (oben, von links) stritten fröhlich über ihre Lieblingsbücher.

Werne – Eine kleine Leselampe und vier Bücher: Mehr brauchte es nicht für einen amüsanten Mittwochabend in der Stadtbücherei. Die LiteraTurnier-Stammbesetzung sorgten für viel Gelächter bei den rund 80 Besuchern der 21. Auflage. Und am Ende machte eine Petition die Runde: Das LiteraTurnier soll den Werner Kulturpreis bekommen.

Bei einigen Romanen - Verleger Magnus See, Kabarettistin Liane Jäger, Krimiautor Hartmut Marks und Schauspieler Ludger Burmann lasen jeweils die Lieblingsbücher der Mitstreiter - war sich das diskussionsfreudige Quartett sehr einig. Andere Geschichten führten zu Schnarchgeräuschen und frechen Kommentaren – alles unter gewitzter Moderation von Dieter Vatheuer. 

Den Anfang machte Burmann mit einem Premierminister, der mal sechs Beine hatte: Sein Lieblingsbuch ist „Die Kakerlake“ von Ian McEwan. „Ich hatte von der ersten bis zur letzten Seite ein Grinsen im Gesicht“, sagte Burmann. Das Buch sei eine Interpretation des Brexits und des Premierministers Boris Johnson. 

Hartmut Marks (rechts) stand Ludger Burmanns Lieblingsbuch kritisch gegenüber.

Während See das Buch mit Fachjargon als „kafkaesk-grotesk“ beschrieb, blieb Marks, wie des Öfteren, kritisch. Sein eigenes Lieblingsbuch ist „Santa Rita“ von Tommy Wieringa. Es spielt in einer Stadt in den Niederlanden und handelt von „aussichtslosen Fällen und Einzelgängern“. 

Moderator Vatheuer gestand: „Für mich waren es zu viele Namen und dann auch noch holländisch“. Marks konterte: „Ich habe hier nur drei gelesen, aber für manche ist das ja zu viel.“ 

Schnarchgeräusche und Kommentare

Ähnlich düster aber mit ein wenig Hoffnung ging es mit Sees Lieblingsroman weiter: „Irgendwann wird es gut“, Kurgeschichten von Joey Goebel. Darin geht es unter anderem um einen einsamen Mann, der jeden Abend ein „Date“ mit der Nachrichtenfrau im Fernsehen hat. Für See eine Geschichte mit Identifikationspotenzial. „Ich gucke auch nur ‚Bares für Rares’ wegen der Blonden aus Bonn“, sagte er lächelnd.

Marks unterbrach seine Vorstellung mit Schnarchgeräuschen und Kommentaren. „So trivial geschrieben – das ist gar nichts für mich“, kritisierte er. 

Liane Jäger taucht als Känguru auf

Als Jäger an der Reihe war, tauchte sie plötzlich als kommunistisches Känguru – im Karnevalskostüm ihres Sohnes – wieder auf. Klopfte an die Tür, um sich ein paar Eier zu leihen, und stellte dann ihr Lieblings(hör)buch „Die Känguru-Chroniken“ von Mark-Uwe Kling mit szenischer Darbietung vor.

Liane Jäger schlüpfte für ihr Buch gar in ein Känguru-Kostüm.

Im Dialog mit einem Kleinkünstler (gespielt von Vatheuer) entpuppte sich das Känguru als wortgewandt und etwas bekloppt. „Ein köstliches Buch“, sagte Jäger. Sie empfahl, es als Hörbuch zu genießen. 

Es war auch das Buch, das das Quartett schließlich zum Siegertitel erklärte, was das Publikum mit Applaus unterschrieb. 

LiteraTurnier soll Kulturpreis erhalten

Zwischen den Lesungen bekamen die LiteraTurnier-Besucher einen Bogen zum Ausfüllen: Eine Petition an die Stadt Werne, die das LiteraTurnier für den nächsten Werner Kulturpreis vorschlägt. Die Gäste sollten auch Gründe für eine Verleihung angeben.

Einige davon las Hubertus Waterhues am Ende vor: „Hier der entscheidende Grund, warum das LiteraTurnier den Preis gewinnen sollte: ‚Alle anderen, die infrage kommen, haben ihn ja schon’“.

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