Volkshochschulen gründen Kreis-Akademie  –„Lange Nacht“ in Werne

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Regina Ruß leitet die VHS Werne seit 1992. Diese wurde zwar nicht in der Weimarer Republik gegründet, sondern ist erst 57 Jahre „jung“. Gefeiert wird aber trotzdem.

Werne - Die Volkshochschulen im Kreis Unna gründen eine „VHS-Akademie“ und wollen so ihr Angebot in der historisch-politischen Bildung stärken. Anlass ist das 100-Jährige der Volkshochschulen. Das Haus in Werne wird zudem in der deutschlandweiten „Langen Nacht der Volkshochschulen“ aktiv.

Mit Entstehung der Weimarer Republik vor 100 Jahren wurden in Deutschland erste Volkshochschulen gegründet. Dieses Jubiläum haben die hiesigen Bildungseinrichtungen zum Anlass genommen, gemeinsam die „VHS-Akademie im Kreis Unna“ ins Leben zu rufen. Das Haus in Werne plant darüber hinaus die Teilnahme an der deutschlandweiten „Langen Nacht der Volkshochschulen“. Diese findet am Freitag, 20. September, statt.

Die ersten Vorbereitungen für diese „Lange Nacht“ seien angelaufen, berichtet VHS-Leiterin Regina Ruß. Sie könne schon so viel sagen, dass sich die Besucher auf eine humorvolle Abendveranstaltung freuen könnten, wobei das Thema Bildung natürlich nicht zu kurz komme.

„Ein Signal in unruhigen Zeiten“

Die „VHS-Akademie im Kreis Unna“ wollen die Leiter der Volkshochschulen im Kreis Unna und Landrat Michael Makiolla am Donnerstag näher vorstellen. Sie solle „ein Signal für die politische Bildung in unruhigen Zeiten setzen“, heißt es.

Hervorgegangen ist die Initiative aus der seit Jahren bestehenden Kreiskooperation der Volkshochschulen im Kreis. Jede wird künftig zwei herausragende Veranstaltungen im Bereich der historisch-politischen Bildung in einem gemeinsamen Flyer bewerben, so die Idee. Der Flyer soll in einer Auflage von 7 500 Exemplaren ab kommender Woche in den VHS-Geschäftsstellen sowie an den weiteren Auslagestellen für Programmhefte zu finden sein. Darüber hinaus ist die Organisation gemeinsamer Veranstaltungen geplant, die dann abwechselnd an den jeweiligen Standorten der Volkshochschulen durchgeführt werden sollen.

VHS Werne 1992 gegründet

Die VHS Werne ist noch keine 100 Jahre alt. Sie wurde erst im Jahr 1952 gegründet. „Damals nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wissenshunger groß“, weiß Leiterin Ruß. Überdies gab es einen Beirat, dem rund 20 Politiker und auch Lehrer angehörten und der genau hinschauen sollte, was gelehrt wird.

Das erste Programmheft weist laut Ruß Kurse auf, die unter dem gleichen Titel auch heute noch stattfinden könnten. „Weltwirtschaft im Wandel“, sei so ein Titel. Inhaltlich wären die Schwerpunkte freilich ganz andere.

War die VHS zunächst eigenständig, ging sie später mit dem Haus in Selm zusammen. Bis Ende der 1970er-Jahre das Weiterbildungsgesetz in NRW beschlossen wurde. „Von da an war es für Städte mit mehr als 25 000 Einwohnern Pflicht, eine VHS vorzuhalten“, so Ruß. Auf dem Weiterbildungsgesetz, das mehrfach geändert wurde, fuße noch heute die Arbeit des Hauses. Ruß ist die zweite Leiterin der VHS Werne. Den Job übernahm sie 1992. Ihr Vorgänger war Hans Küpper.

„Ein Ort der Begegnung und Toleranz“

Im Vorwort zum Vorwort zum Flyer heißt es: „Vor hundert Jahren erhielten die Volkshochschulen in Artikel 148 der Weimarer Reichsverfassung erstmalig Verfassungsrang. Die ,Staatsbürgerkunde’ und die Rücksichtnahme auf die ,Empfindungen Andersdenkender’ gehörten fortan zum Bildungsauftrag der Volkshochschulen. An diesem Auftrag zur politischen Bildung halten die Volkshochschulen seit 100 Jahren fest. So konnten die zwölf Schreckensjahre der nationalsozialistischen Diktatur zwar die ,Institution Volkshochschule’ zum Einsturz bringen, aber nicht die Idee, auf der sie gegründet wurde. Nach 1945 ging die Geschichte der Volkshochschulen daher weiter.“

Weiter heißt es: „Die über 900 Volkshochschulen in Deutschland stehen wie keine andere Institution für den gesellschaftlichen Gestaltungswillen im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Staates. Eine Volkshochschule ... ist ein Ort der Begegnung, der Aufklärung, der Toleranz und der fairen Auseinandersetzung. Sie ist ein Ort, an dem der gefundene Kompromiss immer auch die Würde des Andersdenkenden im Blick hat. Sie ist ein Ort, an dem Menschen ihrer angeborenen Neugier nachgehen dürfen. Politische Bildung als Aufgabe – das ist Volkshochschule in ihrer nobelsten Form.“

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