Vollzug soll im kommenden Jahr erfolgen

Geplante Fusion der Volksbank Kamen-Werne mit Dortmund: Jobs und Filialen sollen bleiben

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Die Hauptstelle Werne steht laut Vorstand bei der angestrebten Fusion der Volksbank Kamen-Werne mit der Schwester in Dortmund ebenso wenig in Frage, wie die Hauptstelle in Kamen, die Filialen Oberaden und Rünthe (Neubau-Bezug im April) wie die SB-Center Stockum und Bergkamen-Mitte. Auch die 80 Jobs seien sicher.

[Update] Werne/Bergkamen – Der Vorstand der Volksbank Kamen-Werne will das Geldhaus unters Dach der großen Schwester in Dortmund bringen. Die benachbarte Genossenschaftsbank ist nach diversen Fusionen, darunter mit der Volksbank Hamm, und 7,1 Milliarden Euro Bilanzsumme die Nr. 1 in NRW. Das Wichtigste zur geplanten Fusion im Überblick:

Die Jobs der etwa 80 hiesigen Mitarbeiter seien damit nicht infrage gestellt, sagte Vorstand Ralf Schotte im WA-Gespräch, ebenso wenig die Präsenz im Geschäftsgebiet mit zwei Hauptstellen, zwei Filialen und zwei SB-Centern.

Arbeitsplatzgarantie 

„Die Gründe für die Verschmelzung liegen im nicht kundenorientierten Bereich wie Unternehmenssteuerung, Bilanzwesen und der wachsenden Regulatorik“, erläuterte Schotte. Diese Aufgaben könne eine größere Einheit effektiver stemmen. 

Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen. In der laufenden Fusion mit dem Schwesterinstitut in Waltrop hat das Dortmunder Haus für seine 960 Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie für fünf Jahre ausgesprochen. 

8,1 Mrd. Bilanzsumme 

Mit den Waltropern kommt die Bank demnächst auf 1130 Beschäftigte und 8,15 Milliarden Bilanzvolumen. Mit einem Altersteilzeitprogramm würden im Mutterhaus 80 Stellen in drei Jahren abgeschmolzen, sagte der Dortmunder Vorstandsvorsitzende Martin Eul dem WA. „Das ist ja praktisch einmal die Volksbank Kamen-Werne.“ 

Darüber hinaus sehe er bei der jungen hiesigen Belegschaft hier keinen Ansatz für einen Abbau. Eul teilte Schottes Ansicht, dass der Partner in spe sein Filialnetz schon den heutigen Gegebenheiten angepasst habe, während in Dortmund noch Schließungen anstünden. 

Geografie „passt“ 

Schon „der Blick auf die Landkarte“ mache die Volksbank Dortmund zum „einzigen und logischen Partner“, so Schotte. Im Kreis Unna seien nur Bönen und Selm/Bork noch eigenständig, aber das ist schwierige Verwandtschaft: Mit Bönen war 2002 eine Fusion am Widerstand der dortigen Mitgliedervertreter gescheitert, 2009 platzte die angebahnte Ehe mit Selm. 

"Handeln aus der Position der Stärke heraus", so begründen die Vorstandsmitglieder Jürgen Eilert (links) und Ralf Schotte den Schritt Richtung Dortmund in einer Pressemitteilung.

Vom Münsterland abgesehen, sind die Volksbanken ringsum fast alle mittlerweile Dortmunder. Dorthin die Fühler auszustrecken, habe der Aufsichtsrat im Dezember ihm und dem Vorstandskollegen Jürgen Eilert als Auftrag erteilt, so Schotte weiter. Das sei auf fruchtbaren Boden gefallen, da nun die konkreten Sondierungsgespräche anstünden, seien am Dienstag zunächst die Mitarbeiter, der Betriebsrat und die Vertreter über die Pläne informiert worden. 

Vertreter entscheiden 

Wenn die Vertreterversammlung am 23. Juni den Geschäftsbericht 2019 mit satten Zuwächsen entgegennehme, solle eine erste Weichenstellung erfolgen; gleiches geschehe parallel in Dortmund. „Ende des Jahres soll es eine außerordentliche Vertreterversammlung geben, bei der auch über den Vertrag abgestimmt wird. Angesichts der Fristen für eine gerichtliche Eintragung und die technische Fusion gehe ich davon aus, dass der Vollzug der Fusion in der zweiten Jahreshälfte 2021 erfolgt“, so Schotte. 

Ralf Schotte hört auf 

Für den 60-Jährigen bedeutet dieses Datum den Wechsel in den Ruhestand nach dann 43 Jahren Tätigkeit und heute schon 25 Jahren als Vorstand in der Bank. Sofern die Partner in spe die skizzierten Szenarien weiter mittragen, soll Co-Vorstand Eilert (57) mit anderem Titel Verantwortlicher für Kamen-Werne werden. 

Namen soll bleiben 

Um den Namen der Bank wird es wohl kein internes Armdrücken geben wie just vor 30 Jahren, als beim Schmieden des Bundes Kamen-Werne die Reihenfolge der Städte Anlass dazu gab. „Bisher haben alle unter dem Dach der Dortmunder ihren Namen behalten und sind als Zweigniederlassung ausgewiesen“, sagte der Vorstand. 

„Federn lassen“ muss die kleine Schwester aber bei den bei den anderen Bankorganen. Die Großbank legt einen anderen Mitgliederproporz für die Vertreterwahl zugrunde. Pro 200 Anteilseigner ein Sitz heißt es in Kamen-Werne: Das macht 81 Vertreter für 15.800 Genossen und wäre für die bald 190.000 Mitglieder so nicht praktikabel. Dort gibt’s pro 600 Mitglieder einen Sitz. 

„Mit erwartbaren 26/27 Sitzen stehen wir aber besser da, als nach der Bilanzsumme“, tröstete Schotte. 

Neuer Gremienproporz 

Besser als dem Gelde nach könne sich auch das Verhältnis im Aufsichtsrat mit 24 Sitzen bei der großen Schwester gestalten. Kamen-Werne hat derer vier. Bei der Aufnahmewahl für drei Jahre Amtszeit würde die Altersgrenze von 70 Jahren im Statut der Dortmunder greifen und Reinhard Gold ausscheiden, erläuterte Schotte. 

Da ein Drittel der Sitze an Arbeitnehmervertreter gehe, bestünde aber Aussicht, dass einer der hiesigen Mitarbeiter in dem Gremium mitbestimmt. 

Negativzins droht 

Beide Vorstände warben dafür, dass sich Banken bei schwachen Margen in anhaltender Niedrigzinspolitik strukturell zu effektiveren Einheiten formieren müssten. „Der Zeitpunkt ist für uns günstig, da wir aus einer Position der Stärke heraus agieren können“, sagte Schotte mit Verweis auf die Eckdaten der Bilanz ‘19. 

All die Anstrengungen werden seiner Meinung nach aber eines nicht verhindern können: Negativzinsen. „Wir versuchen das zu vermeiden, bereiten uns aber darauf vor, die Dortmunder Kollegen ebenfalls. Aber machen wir uns nichts vor. Es ist nicht absehbar, dass die Europäische Zentralbank die Nullzinspolitik ändert, auch wir müssen Negativzins zahlen. Jeder, der nur etwas vom Geschäft versteht, muss wissen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann.“

Bilanzdaten 2019

„Erwartungen übertroffen“, sagt der Vorstand beim Blick auf die Bilanz 2019 der Volksbank Kamen-Werne. Deren Volumen betrage 407 Mio. Euro (+10,3 Prozent), das Kreditgeschäft summiere sich auf 22 Mio. (+10,8 Prozent), das Einlagengeschäft auf 303 Mio. (+2,8). 3,5 Mio. Euro Gewinn vor Steuer seien ein Plus von 800.000 Euro. 

Davon soll’s 4 Prozent Dividende geben, ansonsten das Eigenkapital gestärkt werden. Hier sei die Bank bärenstark und zudem gut im Ertrag, sagte Dortmunds Chef Eul. Für einen Euro Umsatz muss das Institut 70 Cent aufwenden. Die große Schwester hat schlankere Kostenstrukturen.

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