Hefeproduzent: „Es besteht kein Grund zur Sorge“

Ungewöhnliche Auswirkung der Corona-Krise: Zu Ostern Struwen backen - aber wer hat noch Hefe?

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Dass Back-Hefe plötzlich so gefragt ist, hätte Konditor Friedrich Telgmann vor einigen Wochen auch nicht gedacht.

Werne – Erst Toilettenpapier, Mehl und Nudeln, jetzt geht es um die Hefe. Oft sind die 42-Gramm-Würfel in den Kühltheken ohnehin etwas versteckt, doch in Zeiten des Coronavirus suchen Kunden diese in vielen Lebensmittelläden und bei Online-Anbietern vergeblich, denn Hefe ist vielerorts ausverkauft.

„Ich hatte schon bei der großen Nachfrage nach Mehl den Eindruck, dass sich da viele die Regale zu Hause vollstellen, die noch nie gebacken haben. Die haben dann noch die Hefe entdeckt und sich damit eingedeckt“, erklärt Friedrich Telgmann von der gleichnamigen Konditorei die allgemeine Hefe-Knappheit. Die Bäckereien in der Region hat der Hefe-Mangel nicht erfasst, daher ist Telgmann jetzt eine der wenigen Anlaufstellen für diejenigen, die ihre Lieben zum Osterfest mit Selbstgebackenem versorgen möchten. Seit gut zwei Wochen gibt es Hefe dort nun also auch zum Mitnehmen.

Dabei wird von den nicht in Supermärkten erhältlichen 500-Gramm-Packungen die gewünschte Menge abgeschnitten und verpackt. „Die Nachfrage ist in den vergangenen Tagen immer weiter gestiegen. Im Moment kommen rund 30 Kunden am Tag zu uns, die Hefe kaufen“, sagt Telgmann. In Zeiten von Corona gibt es in den Geschäften der Bäckerei zudem Mehl in verschiedenen Sorten zu kaufen.

Zu Karfreitag steht der Struwen auf dem Plan

Doris Beische ist eine der Endverbraucherinnen, die jüngst auf der Suche nach Hefe gewesen ist. Sie ist Dank eines Tipps im Reformhaus fündig geworden. „Der Preis war zwar doppelt so hoch wie üblich, aber immerhin bin ich so für die nächste Zeit wieder versorgt.“ Der Bedarf bei ihr ist hoch, denn zwei Mal in der Woche backt sie für die Familie Brot, jetzt steht für die Ökotrophologin die Produktion von Struwen auf dem Plan, den sie ihrer Familie traditionell am Karfreitag serviert.

Das Rezept, das sie aus dem Kochbuch der Hildegardisschule Münster übernommen hat, kennt sie längst auswendig. Das für die Hefepfannkuchen benötigte Mehl war ebenfalls nicht so leicht zu bekommen. „Das ist in den Geschäften zwar wieder erhältlich, jedoch auf ein Kilo pro Einkauf rationiert“, hat sie festgestellt.

Auch im Sodenkamp Reformhaus sind die Vorräte an Hefe knapp. Daher gibt es für Kundinnen wie Bettina Hesener (links) – hier zusammen mit Verkäuferin Ingeborg Wagner – aktuell Hefe nur zusammen mit der passenden Menge Mehl zu kaufen.

Damit die Stammkunden wie gewohnt die benötigten Zutaten fürs Backen erhalten, werden im Sodenkamp Reformhaus die noch vorhandenen Mengen an frischer und trockener Hefe nur in Kombination mit der dazu passenden Menge an Mehl verkauft. „Wir lenken den Verkauf bewusst so, damit jeder etwas bekommt und auch zu Ostern sein Wunschgebäck herstellen kann“, erklärt Inhaberin Katharina Sodenkamp.

Schnelle Hilfe: So machen Sie Hefe in nur einer Nacht selbst

Das sagt Hefeproduzent Uniferm

Uniferm, führendes Unternehmen der Backzutaten-Branche, produziert in Werne und Monheim am Rhein. Über das Kaufinteresse an Hefe hat WA-Mitarbeiter Christoph Volkmer mit Elke Preißler, Leiterin der Unternehmens- und Marketingkommunikation des Unternehmens, gesprochen.

Auf der Homepage ist zu lesen, dass die normale Liefersicherheit gewährleistet ist. Was bedeutet das für den Endverbraucher, der aktuell keine Hefe im Supermarkt vorfindet?

Elke Preißler: Die erhöhte Nachfrage nach Hefe nehmen wir wahr und sind als Hefeproduzent auch nicht glücklich darüber, dass Verbraucher im Lebensmittelhandel nicht mehr überall wie selbstverständlich ihre 42-Gramm-Würfelhefe finden. In unserem Hefewerk am Standort in Monheim wird Hefe kontinuierlich produziert und ausgeliefert. Es besteht daher kein Grund zur Sorge, es liegt auch keine Knappheit vor. Es sind vielmehr die vielen Hamsterkäufe, die eine Knappheit suggerieren. Der Sog aus dem Regal ist zurzeit so groß, dass die Lieferkette schlicht überlastet ist, um die Regale wieder adäquat auffüllen zu können.

Wann ist mit einer Entspannung der Hefe-Knappheit zu rechnen?

Hefe wird in ausreichender Menge für den Markt und die Versorgung produziert. Wenn alle haushaltsübliche Mengen einkaufen und nicht unnötiger Weise „hamstern“, wird sich die Situation wieder entspannen.

Inwieweit ist die Zahl der Bestellungen in den vergangenen Wochen gestiegen?

Uniferm versorgt Handwerksbäckereien und die Backwarenindustrie mit frischer Backhefe. Hier beliefern wir in gewohnter Weise. Im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels hat sich die Nachfrage nach Würfelhefe und aktuell nach Pfundhefe erhöht.

Wie erklären Sie sich die stark gestiegene Nachfrage?

Das beste Verhalten ist zurzeit, einfach zuhause zu bleiben. Viele Menschen haben dadurch jetzt mehr Zeit zur Verfügung und entdecken das Kochen und Backen für sich, die seit geraumer Zeit ein großer Trend sind. Darum nutzen sicherlich viele Verbraucher die Möglichkeit, jetzt Rezepte auszuprobieren und sich etwas Gutes zu tun. Denn backen macht Spaß und freut die Familie oder alle, mit denen man das Gebäck teilt.

Wird am Standort in Werne Hefe produziert oder geschieht das ausschließlich in Monheim?

Uniferm blickt mit seinem Vorgängerunternehmen R. Moormann auf eine sehr lange Fermentationstradition am Standort Werne zurück. Die Anfänge des Unternehmens liegen im 18. Jahrhundert. Hefe wurde bis in die Mitte der 1970er Jahre hinein in einem Werk in der Innenstadt produziert. Dann wurde die Produktion nach Monheim verlagert. Heute ist der Standort am Rhein eine der modernsten Hefe-Fermentationen in Europa.

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