Overmann, Rewe, Jörrihsen, K+K

Tupperdose statt Tüte: So verzichten die heimischen Lebensmittelhändler auf Plastik

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Der WA hat nicht nur versucht, ohne Plastik einzukaufen, sondern auch geschaut, wie weit der heimische Handel dem „Ohne Plastik“-Trend nachkommt.

Werne – In Zeiten der Klima-Bewegungen ist das Thema Müllvermeidung mehr denn je ins Bewusstsein der Deutschen gerückt. In Bezug auf Plastik- und Verpackungsmüll haben viele Lebensmittelhändler und Supermärkte bereits reagiert. Vielerorts wird auf die transparenten Tüten mehr und mehr verzichtet. Aber ganz plastikfrei einkaufen – geht das in Werne überhaupt?

Der WA hat geprüft, inwieweit die Händler ihren Vorsätzen Taten haben folgen lassen. 

Overmann 

Clemens Overmann ist seit etlichen Jahren bemüht, den Kunden in seinem Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt einen plastikfreien Einkauf zu ermöglichen. So gibt es bei der großen Auswahl an Obst und Gemüse nur wenige Artikel, die noch in einer Plastikverpackung in der Auslage sind. Dennoch – selbst Bio-Artikel kommen teils nicht ohne Verpackung bei ihm an. 

Clemens Overmann ist bemüht, möglichst viele Artikel ohne Verpackung anzubieten.

Als Negativ-Beispiel zeigt der Geschäftsmann die farbenfrohen Bio-Paprika, die von einer transparenten Folie umgeben sind. „Das wird gemacht, weil da heute sonst zu viel gepfuscht wird und die normalen Paprika plötzlich als Bio-Paprika verkauft werden“, erklärt der 62-Jährige. Doch es geht auch anders. Um Folien und Etiketten einzusparen, nutzen die Zulieferer – beispielsweise bei Ingwer und Süßkartoffeln – die sogenannten „Smart Brandings“, eine Technik zur Beschriftung von Bio-Obst und Bio-Gemüse. 

Dabei wird das Label „Bio“ per Laser-Markierung auf der Schale angebracht. Zusätzlich arbeiten auch die Lieferanten daran, weniger Abfall zu erzeugen. Jüngster Erfolg, auf den Overmann stolz verweist, sind die Pastinaken, die jetzt nicht mehr mit Schale und Folie, sondern „nackt“ geliefert werden. 

Rewe Symalla 

Der Stopp des Verkaufs von Plastiktüten war bei der Rewe Dortmund, zu der auch die Symalla-Filialen am Konrad-Adenauer-Platz und an der Alten Münsterstraße gehören, vor rund anderthalb Jahren der erste Schritt in Sachen Plastikvermeidung. „Als erste Reaktion darauf haben sich viele Leute dann einfach mehr Obsttüten aus Plastik mitgenommen, um ihre Einkäufe zu transportieren. Das war am Ziel vorbei, sodass wir eine vernünftige Alternative suchen mussten“, erzählt Inhaber Christian Symalla von anfänglichen Gewöhnungsschwierigkeiten. 

Papier statt Plastik heißt seither an den Kassen – und nun an den Obsttheken in den beiden Symalla-Filialen. Seit März sind die dünnen Plastiktüten von der Rolle verschwunden, viele Kunden nutzen die neuen, kleinen Papiertüten mit dem passenden Schriftzug „Hallo Umwelt“.

Schilder an den Bedienungstheken weisen die Rewe-Kunden darauf hin, dass sie gern ihre eigenen Boxen zum Transport mitbringen können, wie Georg Schlomberg und Christian Symalla an der Rewe-Frischetheke zeigen.

 

Georg Schlomberg, Filialleiter der Filiale am Konrad-Adenauer-Platz, schätzt, dass so rund 400.000 der transparenten Plastikobsttüten pro Jahr eingespart werden. „Damit verändert man nicht die Welt, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht zwar nur langsam voran, aber es findet ein Umdenken statt“, beschreibt Christian Symalla den Prozess. 

Viele Artikel im Frischebereich werden aber auch bei Rewe noch in Plastik eingeschweißt geliefert. „Was wir unverpackt bekommen, bieten wir auch so an. Im Endeffekt stimmen die Kunden jeden Tag mit ihrem Kaufverhalten ab. Wenn die also in erster Linie unverpackte Ware kaufen möchten, werden die auf Dauer auch so produziert. Das ist das, worauf wir hinaus wollen“, sagt Georg Schlomberg. 

Bei der neuen Salattheke sind Kunden darauf angewiesen, die zur Verfügung gestellten Schalen zu benutzen. Wenn jemand mit seiner Tupperware kommt, ist das Verpackungsgewicht ein Problem. „Theoretisch müsste jeder seine Box wiegen, damit wir das Gewicht hinterher wieder abziehen können“, sagt Christian Symalla. Immerhin gibt es mittlerweile Gefäße in zwei Größen. Anders an den Theken von Fleisch, Käse und Fisch. Da wird erst gewogen, dann kann der Kunde die Ware in seine Tupperdose verpacken. 

Jörrihsen 

Fleischermeister Ralf Jörrihsen gibt im Jahr etwa 15.000 Euro pro Jahr für Verpackungen aus. Damit sich das ändert, wird er in den zwei Filialen in Stockum und Rünthe sowie am Hauptsitz in Hamm-Heessen ab dem nächsten Jahr Pfand-Transportboxen in verschiedenen Größen einführen. „Wir sind dabei, das in den Geschäften zu organisieren. Dabei geht es unter anderem darum, wie die Boxen gereinigt werden“, sagt er. 

Mit Pfand-Systemen wird in der Fleischerei schon seit Jahren erfolgreich gearbeitet. So gibt es beispielsweise fertig zubereitetes Rindergulasch und Hühnerfrikassee im Weckglas. 50 Cent Pfand zahlen die Kunden für die Gläser, die Rückbringquote liegt laut Jörrihsen bei über 90 Prozent. Ähnliches erhofft sich Jörrihsen auch vom künftigen Pfandsystem. „Ich glaube, das ist vor allen Dingen für die Kunden interessant, die von der Arbeit spontan vorbeikommen und keinen Behälter dabei haben.“ 

K+K

Das Thema Transport eingekaufter Waren spielt beim Lebensmittelunternehmen K+K ebenfalls eine große Rolle. Der Konzern teilt mit, dass schon zur Herstellung der Tragetaschen zu 80 Prozent Recyclingmaterial verwendet werde. „Zum Jahresende werden wir die Kunststofftragetaschen auslaufen lassen und uns auf Papiertragetaschen, Einkaufskartons und schwere Gewebetaschen beschränken“, kündigte Sprecherin Rita Thebelt mit. Auch K+K hat längst mehrfach verwendbare Taschen für Obst und Gemüse eingeführt. 

K+K hat mehrfach verwendbare Taschen eingeführt.

Regionales Obst und Gemüse stehen im Vordergrund des Angebotes. „Damit liegen wir voll im Trend, da unsere Kunden die Unterstützung hiesiger Erzeuger zu schätzen wissen“, erklärt Rita Thebelt.

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