Gelähmter 16-Jähriger hofft nach OP im Werner Krankenhaus auf Spenden für Therapie 

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Patient Souliman (16) ist vom Hals abwärts gelähmt, aber die OP im Werner Krankenhaus eröffnet die Chance, vielleicht Hände und Arme mobilisieren zu können. 

Werne - Im Werner Krankenhaus hofft ein 16-Jähriger auf seine zweite Chance in einem Leben, das er nicht mehr auf eigenen Füßen führen kann.

Halswirbelbruch, Querschnittslähmung. Nicht mal die Hand kann Souliman aktuell rühren, seit er in Nador/Marokko beim Baden kopfüber ins Meer sprang. Aber Dank einer OP durch Dr. Nicolai El Hindy ist die Chance eröffnet, den 16-Jährigen auf ein Leben im Rollstuhl vorzubereiten: Wenn sich bald genug Menschen finden, die eine Reha-Therapie mit ihrer Spende ermöglichen. „Wir können nicht einfach weggucken, wir müssen jetzt dafür kämpfen“, sagt Karima Elbokriui entschlossen.

Verein aus Gelsenkirchen sammelt Geld

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Stiftung „Tuisa hilft“ stellt mit dem Chirurgen und Ludger Risse, Pflegedirektor des St. Christophorus-Krankenhauses, das Schicksal des Jugendlichen vor. Ihr Verein hat nach dem Hilfegesuch der Familie Soulimans die Werner Klinik für die Behandlung gewonnen und setzt mit einer professionellen Spendenkampagne alles daran, ihm nach langer Odyssee auch den Weg in eine Reha-Klinik zu ebnen. „Fünf Euro für Souliman“ ist der Slogan für die Spendenakquise per SMS, die von der Stiftung mit einem Video auf „You Tube“ angeschoben wird. Es wird viele SMSen und mehr erfordern, um ihn bevorzugt an eine Klinik in Bonn/Bad Godesberg zu vermitteln: „Wir brauchen 100 000 Euro für die erforderliche Reha über 90 Tage“, erläutert Elbokriui. „Es gibt auch eine über 58 Tage, die 50 000 Euro kostet. Damit würden wir starten, sobald genug Geld da ist.“ 

In der Heimat von Ärzten aufgegeben

Dr. El Hindy nickt. Höchste Zeit, dass dem Patienten weiter geholfen wird. Es war schon viel davon verronnen, ehe im hiesigen OP-Saal der erste Schritt erfolgte. Im Oktober brach sich Souliman den Hals. Es sollte bis Ende Januar dauern, ehe der Chirurg den zertrümmerten Wirbel durch ein Implantat ersetzen und stabilisieren konnte, um den Druck vom verletzten Rückenmark zu nehmen. „Hierzulande werden solche Fälle binnen 48 Stunden operiert“, sagt Dr. El Hindy. Das sei entscheidend für den Grad der ansonsten irreparablen Lähmung. Schlucken und atmen könne ein Patient bei einer Nervenbahnschädigung in diesem Bereich und es bestünde Aussicht, Hände und Arme noch bewegen zu können. Die Ärzte daheim hätten nur gesagt, „wenn du Glück hast, stirbst du schnell“, so Elbokriui. In ihrer Not hätten die Eltern den Sohn in ein spanisches Krankenhaus gebracht, das eine Behandlung ablehnte.

Hoffnung, Hände und Arme zu mobilisieren

Dann begann der mühsame Weg durch die Bürokratie, bis Tuisa e.V. Souliman nach Deutschland holen konnte. Diese Monate ohne Behandlung haben Spuren hinterlassen: Die Lähmung ist in eine Spastik übergegangen. „Nach der Operation ist der Druck auf das Rückenmark weg, Souliman zeigt erste Reaktionen an den Fingern“, beschreibt der Arzt Fortschritte, die hoffen ließen: „Es dauert ein Jahr, bis sich zeigt, welchen Status die Nervenverletzung hat.“ Die Röntgenbilder zeigten, dass der Patient wohl nie wieder laufen werde. „Aber es wäre schön, wenn er Hände oder Arme bewegen könnte, um einen Rollstuhl zu steuern“, beschreibt Elbokriui die Hoffnung, die Patient, Klinikpersonal und Betreuer eint. „Es wäre falsch, das nicht zu versuchen.“

100.000 Euro für die Reha nötig 

Zudem will die Stiftung noch versuchen, die bislang verwehrte Einreisegenehmigung für die Mutter zu erwirken. In der Reha wird es auch darum gehen, ihn psychisch zu stabilisieren, auf ein Leben mit der Lähmung in Obhut der Familie vorzubereiten. Lange war der 16-Jährige auf sich gestellt, in Werne ist er aber nicht mehr allein: Helfer von Tuisa besuchen ihn am Krankenbett, übersetzen, was die Ärzte und Schwestern sagen. „Wir werden hier toll unterstützt, es herrscht ein familiäres Umfeld. Das Konzept hat uns im Unterschied zuu großen Häusern überzeugt“, lobt Elbokriui die Betreuung. „Wir haben ja auch einen sozialen Auftrag“, ergänzt Pflegedirektor Risse auf die Frage nach den Kosten. Voll gedeckt seien die hier nicht. Dafür verbucht das Haus auf der Haben-Seite das Renommee, in einem anspruchsvollen Fall helfen zu können.

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