David Ruschenbaum verspricht „ergebnisoffene“ Aufarbeitung

40 Trödler wurden abgewiesen – Veranstalter nimmt Stellung zur Flohmarkt-Kritik

+

Werne – Der Werner Flohmarkt hat am Samstag und auch in den Tagen danach für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Organisator David Ruschenbaum von der Werne Marketing GmbH bezieht gegenüber unserer Redaktion Stellung zu den größten Kritikpunkten – und kündigt eine „absolut ergebnisoffene“ Aufarbeitung der diesjährigen Auflage an.

Es war eine merkwürdige Atmosphäre am Samstag beim Werner Flohmarkt, der sich unter Trödelfans (auch über Wernes Grenzen hinaus) seit vielen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Zum einen aufgrund seiner Größe, zum anderen wegen der Zeltlager-ähnlichen nächtlichen Stimmung. Jener spezielle Charme ist der Veranstaltung diesmal ein wenig abhanden gekommen. 

Manch einer machte den pünktlich zum Aufbau einsetzenden Regen als Schuldigen für die im Vergleich zu früheren Flohmärkten geringe Zahl an Verkaufsständen aus. Andere genossen wie eh und je das Stöbern nach den begehrten Wunschobjekten, das Feilschen um den Preis und generell die „gute, echte Trödelmarkt-Atmosphäre in Werne“.Doch es gab auch viel Kritik an der veranstaltenden Werne Marketing GmbH und der Stadt Werne – sowohl vor Ort als auch auf Facebook. 

Warum überhaupt? Und welche Konsequenzen kann dieser Gegenwind haben? David Ruschenbaum ist seit vier Jahren Veranstaltungsmanager beim Werner Stadtmarketing und in dieser Funktion auch der Hauptorganisator des Flohmarkts in der Lippestadt. „Nicht alle kennen alle Hintergründe für manche Entscheidungen unsererseits. Der Flohmarkt hat seine ganz eigenen, ungeschriebenen Gesetze. Hier gehen manche Geschichten, ob sie stimmen oder nicht, sofort wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Es ist erstaunlich, wie schnell die Stimmung dann schlecht ist“, sagt er ganz offen im ausführlichen Gespräch mit dem WA zur Nachbetrachtung. 

Wir liefern die Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Wie viele Stände gab es diesmal überhaupt? 

„So lohnt es sich für uns nicht mehr, nach Werne zu kommen.“ Sätze wie dieser waren am Samstag des Öfteren von auswärtigen Trödelfans zu hören, die extra für den Flohmarkt aus der näheren oder weiteren Umgebung nach Werne gekommen waren. 120 Anmeldungen hatte die Werne Marketing GmbH im Vorfeld gezählt, 150 Tageskarten wurden am Veranstaltungstag verkauft. Inklusive des vom Veranstalter nicht erfassten, weil kostenlosen Kindertrödels auf Decken waren rund 300 Stände dabei. 

Dafür, dass es um zwei Uhr nachts zu regnen begann, war die Resonanz also gar nicht so schlecht. Zum Vergleich: Im Vorjahr bei bestem Wetter waren es zwar bis zu 500, bei Regen 2017 jedoch nur etwa 250 Stände. Fakt ist aber auch: Die Zahl der Voranmeldungen ist (trotz einiger Ausschläge nach oben) tendenziell schon seit Jahren rückläufig. 

David Ruschenbaum

Warum wirkte es gefühlt noch leerer? 

Auf allen großen Plätzen waren viele Lücken erkennbar. 

  • Am Kirchhof nahm eine behindertengerechte WC-Anlage einen markanten Platz ein, um den herum es leerer war als sonst. 
  • Am Moormannplatz sorgte unter anderem die Neugestaltung des Platzes für weniger Stellflächen (etwa im Bereich der Spielgeräte). 
  • „Auf dem Marktplatz haben wir vielleicht eine falsche Entscheidung getroffen“, konstatiert Ruschenbaum. „Um Platz für möglichst viele Stände zu gewinnen, haben wir anfangs eng aufbauen lassen. Wenn es dann regnet und eine ganze Reihe leer bleibt, wirkt das natürlich nicht optimal.“

Was ist Kern der Kritik? 

Die Feuerwehr sperrte die Zufahrten zur Innenstadt zwischen 18 und 24 Uhr ab, ein allzu frühes Anliefern der Trödelware mit dem Pkw war also gar nicht möglich. Der Aufbau war erst ab 2 Uhr gestattet, der Verkauf durfte um 7.30 Uhr beginnen. „Wenn doch nachts schon jemand verkauft hat, haben wir das laufen lassen“, merkt Ruschenbaum an. 

Indes: Wer erheblich zu früh seinen Stand aufbauen wollte, kam gar nicht erst in die Stadt. 40 Trödler wurden laut Ruschenbaum an den Zufahrtstraßen abgewiesen. Das kam nicht bei allen gut an. Manche von ihnen kamen später wieder, andere blieben nach der Abfuhr lieber zuhause. 

Flohmarkt in Werne 

Warum durfte der Aufbau erst um 2 Uhr beginnen? 

Dies ist so in der Marktordnung geregelt. Weil sich einige Anwohner wiederholt über den mit Lärm verbundenen Aufbau beschwert hatten, habe man seitens der Ordnungskräfte Jahr für Jahr intensiver auf das Einhalten geachtet. Ruschenbaum schildert das Dilemma so: „Wir müssen Anwohnerbeschwerden und die Nachtruhe ernst nehmen. Diese Dinge wirken sich natürlich auf den Flohmarkt aus. 

Für uns ist es ein Mega-Spagat, die verschiedenen Interessen zu berücksichtigen: Da sind die Anwohner. Da sind die Nachttrödler, die möglichst früh aufbauen wollen – es gab in den letzten Jahren gar nicht so wenige, die nachts ihre Verkäufe gemacht haben und vor dem Start morgens schon wieder abgebaut haben, ohne ihre Tageskarte bezahlt zu haben. Und da sind die, die die Marktordnung lesen und sich daran halten. Die finden das wiederum nicht so gut, wenn sie um zwei Uhr kommen und die besten Stellflächen sind schon mit Ständen voll. Da muss man eine Gleichberechtigungsebene finden.“ 

Warum wurde diesmal die Innenstadt abgesperrt? 

„Wir wollten diesmal verdeutlichen: Es darf wirklich erst ab zwei Uhr aufgebaut werden“, sagt Ruschenbaum. Wie groß fiel die Kritik aus? Mit einem „gewissen Gegenwind“ habe er durchaus gerechnet, sagt Ruschenbaum. Das Ausmaß der Kritik habe ihn dann aber doch überrascht. „Manche Leute haben uns vorgeworfen, dass wir den Flohmarkt kaputtmachen würden. Das haben wir gar nicht vor. Wir versuchen nur zu erreichen, dass die Marktordnung eingehalten wird.“ 

Gab es Platzverweise? 

Einen Platzverweis, so Ruschenbaum, habe man ausgesprochen. Ein Trödler auf dem Kirchhof habe sich auch „nach mehrmaligem, gutem Zureden mit Engelszungen und Geduld“ uneinsichtig gezeigt und dann den Marktmeister angepöbelt. „Da blieb uns nichts anderes übrig.“ 

Gibt es zu viele Reglementierungen? 

Ruschenbaum sagt Nein! „Bei professionellen Märkten gibt es auch Spielregeln, an die sich alle halten müssen.“ Gewisse Reglementierungen müssten bei großen Veranstaltungen einfach sein. „Dazu gehört, dass Rettungswege und Geschäftseingänge freigehalten werden müssen und dass wir auch ein bisschen auf die Blindenleitspur achten. Wir gehen aber sozial verträglich an die Leute ran und sind kompromissbereit.“ 

Gab es Beschwerden über Lärmbelästigung auch zum Straßenfestival eine Woche zuvor? 

Nein, zumindest nicht in nennenswertem Umfang. „Das ist eine andere Situation. Das Straßenfestival ist spät abends vorbei. Den Lärm durch den Flohmarkt hören die Anwohner die ganze Nacht hindurch“, erläutert Ruschenbaum den Unterschied. 

Ist ein Flohmarkt generell nicht mehr so gefragt wie früher? 

Kult hin oder her: Die Glanzzeit des Werner Flohmarktes liegt schon ein paar Jahre zurück. „Durch Online-Verkaufsplattformen wie Ebay Kleinanzeigen, professionelle Flohmärkte in der Umgebung und nicht zuletzt durch die vielen Basare in Schulen und Kitas, die absolut ihre Berechtigung haben, wird es für einen Flohmarkt nicht leichter“, sagt Ruschenbaum. 

Wie geht es weiter? 

Ruschenbaum und seine Mitstreiter wollen das Thema nicht beiseiteschieben. Vielmehr sei geplant, dass sich die Verantwortlichen (Werne Marketing, Gesellschafter/Politik, Feuerwehr) in naher Zukunft zur Manöverkritik treffen. Ruschenbaum will bei der Aufarbeitung nochmal in alle Richtungen Überlegungen anstellen. „Die Diskussion, wie es weitergeht, ist, Stand jetzt, absolut ergebnisoffen. Was können wir besser machen? Wie können wir gegensteuern? Rudern wir wieder ganz zurück? Ändern wir die Marktordnung? Ich kann das im Moment nicht sagen.“ 

Wie ernst die Aussage ist, zeigt, dass Ruschenbaum selbst den Termin für die nächste Auflage noch offenhält. Nur eines sei klar: „Wir wollen den Flohmarkt natürlich am Leben halten!“

Lesen Sie auch:

Wie alles begann: Kuriose Geschichte hinter dem Werner Flohmarkt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare