Stellungnahme von Landrat Mario Löhr

Tierquälerei-Skandal in Werne: Kreis Unna kündigt mehr Kontrollen an - böser Verdacht

Schläge und Tritte: Ein erschütterndes Video hat einen Tierquälerei-Skandal in Werne ans Licht gebracht. Der Kreis Unna äußert sich erstmals, doch wichtige Fragen bleiben offen.

Werne/Kreis Unna - Tritte, Schläge, Stromstöße: Mit schockierenden Video-Aufnahmen hat die Soko Tierschutz einen Tierquäler-Skandal rund um das Schlachtunternehmen Mecke in Werne (Kreis Unna) öffentlich gemacht. Drei Wochen nach Veröffentlichung der geheimen Video-Aufnahmen durch die Tierrechtsorganisation hat sich nun erstmals der Kreis Unna als Aufsichtsbehörde zu dem Fall geäußert – doch entscheidende Fragen blieben offen.

LandkreisUnna
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner393.618

Tierquälerei-Skandal in Werne (Kreis Unna): Landrat Mario Löhr reagiert

Ein Mitarbeiter der Viehsammelstelle in Werne schlägt mehrfach mit einem langen Rohr auf eine Kuh ein, die nicht mehr laufen kann. Danach wird sie an einer Seilwinde in den Anhänger gezogen - unter Tritten gegen ihren Kopf. Bilder wie diese gehen seit Ende Juli durch Medien.

Die geheimen Video-Aufnahmen von der Tierquälerei im Kreis Unna waren von so erschütternder Eindeutigkeit, dass die Staatsanwaltschaft Dortmund Ermittlungen startete und Durchsuchungen veranlasste. Auch Mario Löhr, Landrat des Kreises Unna, hat die Bilder gesehen. Allerdings nur teilweise, wie er zugab. „Ich bin mehr als geschockt gewesen. Das waren unerträgliche Bilder. So eine Vorstellung habe ich nicht gehabt.“

Seit Bekanntwerden des Tierquälerei-Skandals hat sich der Kreis Unna als Aufsichtsbehörde mit Stellungnahmen zum Fall Mecke zurückgehalten. Am Dienstag (17. August) äußerten sich Mario Löhr und Uwe Hasche, Dezernent Gesundheit und Verbraucherschutz des Kreises, erstmals.

Tierquälerei-Skandal in Werne (Kreis Unna): Konsequenzen für Firmenchef Mecke

Hasche bestätigte die am Freitag (13. August) ergangenen Ordnungsverfügungen gegen die Mecke GmbH und Co. KG sowie die Mecke Verwaltungs GmbH in Werne. Wesentliche Bestandteile: Schlachten, zerlegen und die weitere Verarbeitung von Tieren ist den Unternehmen untersagt.

Die Fleischerei-Filialen in Werne und Lünen sind seit Samstag geschlossen. Der Nutztierbestand in der Viehsammelstelle an der Lünener Straße in Werne muss innerhalb von vier Wochen aufgelöst werden. Firmenchef Marko Mecke wurde der Umgang mit Tieren verboten. Für Mecke kommt die Verfügung einem Berufsverbot gleich.

Tierschützer werfen einem Betrieb im Kreis Unna vor, systematisch kranke Tiere misshandelt zu haben.

Dass diese Maßnahmen erst Wochen nach der Veröffentlichung des Schock-Videos getroffen wurden, erklärte Hasche mit der Sorge vor einem womöglich nicht gerichtsfesten Schnellschuss. „Ich hätte nicht ertragen, wenn uns ein Verwaltungsgericht die Entscheidung innerhalb von 24 Stunden um die Ohren gehauen hätte“, so Hasche. Das Vorgehen sei mit den zuständigen NRW-Ministerien und -Behörden abgestimmt.

Tierquälerei-Skandal in Werne (Kreis Unna): Haben Kontrollen versagt?

Auf die große Frage im Tierquälerei-Skandal von Werne gab es zwar wortreiche Verweise auf Statuten, aber keine echte Antwort: Wie konnten die Vorgänge in der Viehsammelstelle trotz der Kontrollen des Veterinäramtes unerkannt bleiben? Hasche: „Wir haben unsere Kontrollen nicht vernachlässigt. Ich konnte bei Mitarbeitern kein Fehlverhalten feststellen.“ Bei Polizei oder Veterinäramt sei nie eine Anzeige zu den Vorgängen bei Mecke eingegangen. „Wir hatten keine Chance, diese Täter zu überführen.“

Das sieht Friedrich Mülln, Vorstandsmitglied bei der Soko Tierschutz, anders. Wie könne es sein, dass auf dem ganzen Bildmaterial kein Behördenvertreter zu sehen sei? Er äußerte am Dienstag in Unna den schweren Verdacht, dass amtlich bestellte Veterinäre privatwirtschaftliche Verbindungen zu Mecke gehabt haben könnten und es aus finanziellen Gründen mit der Kontrolle daher nicht zu genau genommen haben. „Da gibt es Hinweise drauf im Fall Werne“, sagt Mülln den Ruhr Nachrichten.

Tierquälerei-Skandal in Werne: Fleisch aus Tierverwertung in Lebensmitteln für Menschen?

Zugleich wurde deutlich, dass an der Viehsammelstelle in Werne offenbar nur einmal im Monat im Zusammenhang mit einem Tiertransport kontrolliert werde. Die Möglichkeit von Tierlieferungen „unter dem Radar der Behörde“ konnte Hasche nicht ausschließen. Die Videoaufnahmen aus der Viehsammelstelle zeigen Rinder und Schweine, obwohl sie nur eine Zulassung für Pferde hatte.

Landrat Mario Löhr kündigte als Konsequenz aus dem Tierquälerei-Skandal an, dass man personell „im zweistelligen Bereich“ das Veterinäramt verstärken werde. Außerdem kündigte er zusätzliche und unangemeldete Kontrollen an. „Ich will so etwas nie wieder erleben. Aber auszuschließen ist es nicht“, sagte Löhr mit Verweis auf die „kriminelle Energie“ von Betreibern.

Auf die Frage, ob Fleisch aus der Tierwertung womöglich in Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr gelandet ist, sagt Landrat Löhr: „Das kann ich nicht bestätigen, kann es aber auch nicht ausschließen.“

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dortmund im Gesamtkomplex Mecke dauern an.

Rubriklistenbild: © SOKO Tierschutz e.V.

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