„Nacht der Chöre“

Thomas Müller aus Werne performt mit Michael Patrick Kelly und Riesenchor

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Musiker Michael Patrick Kelly und Thomas Mülle aus Werne, der bei der Nacht der Chöre im „Deutschland-Chor“ gesungen hat, standen zusammen auf der Bühne.

Werne/Freyburg – „Natürlich bin ich mit einer bestimmten Vorstellung zu diesem Auftritt gefahren – aber dann war es noch viel besser. Der absolute Wahnsinn.“ Mit diesen Worten kommt der gebürtige Werner Thomas Müller (47) aus dem Wochenende seines Lebens zurück. Denn er durfte zusammen mit rund 120 anderen Sängern aus ganz Deutschland auf die große Bühne – und mit Megastar Micheal Patrick Kelly.

Vor zwei Monaten hatte sich der langjährige Hobbymusiker für die „Nacht der Chöre“ beworben: Ein Projekt der Rotkäppchen Sektkellerei GmbH, das jährlich Einzelkünstler, Gesangsgruppen und Profimusiker in Freyburg (bei Leipzig) zusammenbringt. „Als ich mein Bewerbungsvideo abgeschickt habe, dachte ich: Das wird nie was. Immerhin hatten 1000 andere Sänger dieselbe Idee wie ich“, erzählt der 47-Jährige. 

Aber dann kam die Zusage. „Unser musikalischer Leiter Dieter Falk hat sich alle Clips selber angesehen. Und obwohl er so was noch nie zuvor gemacht hat, glaube ich, dass er schon ziemlich genau wusste, wie unsere Stimmen später zusammen klingen könnten: als Deutschland-Chor.“ 

Geprobt wurde nämlich erst mal allein. Alles, was Müller hatte, waren ihm zugeschickte Tondateien und die Gewissheit: Er soll im Tenor singen. „Daraufhin habe ich mich mit Kerstin Kappenberg zusammengetan, die auch den Werner Chor, TonArt’ leitet.“ Sie habe ihn trainiert – von der Atemtechnik bis zum letzten Feinschliff. „Geübt habe ich aber natürlich auch außerhalb unserer Gesangsstunden: zu Hause oder auch im Auto auf dem Weg zur Arbeit.“ 

Erste Probe lief perfekt

Im wahren Leben ist Müller nämlich Vertriebsleiter bei einer Ahlener Industriefirma. Am vergangenen Freitag war dann endlich Tag X – oder vielmehr der Tag davor. Denn an diesem Abend stand die erste gemeinsame Probe mit insgesamt 32 anderen „Auserwählten“ an. Müller: „Wir waren der – sozusagen bunt zusammengewürfelte – ,Deutschland-Chor’. Außer uns waren noch drei andere Chöre da, aber die hatten sich schon geschlossen beworben und auch alle ihren eigenen kleinen Auftritt.“ 

Insgesamt seien am Ende circa 120 Sänger an dem Konzert beteiligt gewesen. Das Line-Up sah wie folgt aus: erst die drei eingespielten Chöre dann der Deutschland-Chor mit Thomas Müller, im Anschluss das Hauptkonzert von Michael Patrick Kelly – und schließlich die große Gemeinschafts-Performance zu „ID“, „Roundabouts“ und „Et voilà“. Von Nervosität merkte Thomas Müller an diesen zwei Tagen übrigens gar nichts. „Unsere erste Einzelprobe am Freitag lief schon perfekt. Angesetzt waren zwei Stunden, wir haben 45 Minuten gebraucht“, schwärmt der Werner Musiker. 

„Dieser Mann hat einfach eine erfrischend bodenständige Art“

Falks selbst geschriebener Song „Wherever you go“ und dessen „gospeliges Finale“ hätten direkt überzeugt – ebenso wie seine 32 Kollegen. Also: Wie hätte er da nervös werden können? Auch Müllers erster Handschlag mit Micheal Patrick Kelly – nur wenige Stunden vor dem großen Auftritt – ließ ihn kalt. „Ehrlich gesagt ging alles ziemlich schnell mit Michael. Er: Woher kommst du? Ich: Aus Werne. Er: Wo liegt das? Ich: Zwischen Münster und Dortmund. Das war’s“, verrät Müller lachend. 

Als Person finde er Kelly nach wie vor sehr sympathisch – auch, wenn er sich nicht als Fan bezeichnen würde. „Dieser Mann hat einfach eine erfrischend bodenständige Art“, so Müller. 

Gänsehaut-Momente bei der Rotkäppchen Nacht der Chöre 2019: Vier Chöre begeisterten gemeinsam mit Sänger Michael Patrick Kelly das Publikum im Lichthof der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg (Unstrut). Hier im Bild die Gewinner-Chöre „Heartchor“, Chor Royal und Junger Chor Oevemtrop während des Konzerts am Samstagabend.

Bessere Voraussetzungen hätte es wohl nicht geben können: Am Samstagabend war Showtime. Auch hier – kein Angstschweiß auf der Stirn von Thomas Müller. „Das hat mich selber überrascht. Aber ich war nur voll positiver Vorfreude“, sagt er. Vielleicht, weil viele seiner Gesangskollegen bereits an ihren Solokarrieren arbeiten und deshalb pure Professionalität ausstrahlen. Vielleicht, weil er die meisten seiner 1000 Zuschauer gar nicht kannte. Oder vielleicht auch aus diesem Grund, meint Müller: „Wenn du einen Texthänger hast, macht das in so einem großen Chor gar nichts. Was soll passieren?“ 

Sänger bleiben in Kontakt

Und dann war es auch schon wieder vorbei – dieser magische Moment, in dem einem so viele Menschen zuhören. „Es gibt kein schöneres Gefühl, als da oben auf der Bühne zu stehen und das Publikum geht mit“, bilanziert Müller. Eine Solokarriere strebt der Werner Musiker trotzdem nicht an. „Mich hat kein Agent angesprochen, aber das war auch gar nicht mein Ziel. Ich fahre diese Woche wieder morgens zur Arbeit und lasse das Ganze jetzt mal in Ruhe sacken.“ 

Als „Ideenschmiede“ habe ihm die Veranstaltung dennoch genützt. Mit seinen 32 Gesangskollegen wolle er auf jeden Fall in Verbindung bleiben. „Und dann gibt es ja noch andere Projekte, an denen ich zurzeit arbeite. Zum Beispiel mit ein paar Freunden aus Münster“, erzählt Müller. Genauso gut kann er sich aber vorstellen, noch mal im Chor zu singen – oder zumindest im Duett. „Wir hatten das alle noch nie so gemacht. Ich nicht, Michael Patrick Kelly nicht und Dieter Falk auch nicht. Aber ich würde schwer behaupten: Wir würden es sofort wieder tun.“

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