Gemeinde schafft gebrauchte Glocken an

Termin für Konrad-Einweihung steht fest / Kirchberg soll neu gestaltet werden

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Im Turm von St. Konrad, der als Kapelle dienen soll: Alina Büscher, Bauleiter Stephan Quante (Mitte) und Pfarrdechant Jürgen Schäfer.

Der Einweihungstermin für die neue Kapelle von St. Konrad sowie den Neubau der Zentralrendantur steht fest. Es ist Samstag, 15. August. Derweil überlegt die Gemeinde St. Christophorus, ihren angrenzenden Spielplatz zur anderen Kirchenseite zu verlegen. Auch Studierende sollen dann Ideen für die Neugestaltung des gesamten Kirchbergs entwickeln.

Werne – Der 15. August ist Mariä Himmelfahrt. Mit Blick auf den planmäßigen Fortschritt der Bauarbeiten rechnet Pfarrdechant Jürgen Schäfer damit, dass der Gebäudekomplex schon früher fertig wird und die Büros dann schon bezogen sein werden. Einen Einweihungstermin in den Sommerferien allerdings habe man vermeiden und auch Rücksicht auf die Fußwallfahrt nach Werl Anfang August nehmen wollen. 

Und wenn es mit der Fertigstellung bis dahin doch nicht klappt? „Dann stellen wird notfalls einen Tapeziertisch in die Kapelle“, sagt der Leitende Pfarrer. 

Photovoltaik-Anlage zur Stromproduktion

Der Umbau des Konrad-Turms zum Gebetsraum sowie die Errichtung des Bürotrakts haben seit dem Richtfest Ende Oktober große Fortschritte gemacht. „Die Massivbauarbeiten sind bis auf den Einbau der Fensterbänke abgeschlossen“, sagt Bauleiter Stephan Quante vom Architekturbüro Steinhoff in Capelle. Auch die Rohinstallationen – Heizung, Sanitär, Elektro – seien bereits weit fortgeschritten. „Das wird samt Fußbodenheizung im Laufe dieses Monats fertig. Dann kommen der Innenputz und der Estrich.“ 

Während aktuell auch die Trockenbauer aktiv sind, ist die Ausschreibung für den gläsernen Eingangsbereich in Vorbereitung. Dieser soll die beiden Baukörper miteinander verbinden. Zur Kapelle hin ist eine optische Trennung etwa durch Einsatz von getönten Scheiben geplant. 

Auf dem Flachdach des zweigeschossigen Bürogebäudes soll eine Photovoltaik-Anlage zur Stromproduktion installiert werden. „Früher war solch eine Technik auf kirchlichen Bauten aus optischen Gründen nicht erlaubt“, sagt Schäfer, aber auch die katholische Kirche denke angesichts des Klimawandels um. 

St. Konrad: Der Neubau wächst.

Von außen werde die Anlage aber ohnehin nicht zu sehen sein, zumal das Gebäude erhöht stehe, dessen Attika einen halben Meter messe und die Solarzellen wie kleine Dachhütchen aufgestellt würden. Die Anlage hat den Planungen zufolge eine Leistung von 30 Kilowatt. 

Hubert Rüschenschmidt vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Technische Gebäudeausrüstung in Werne geht davon aus, dass die Quote der Eigenversorgung mit Strom zwischen 40 bis 50 Prozent liegen wird. Dies sei vom jeweiligen Wetter und vom konkreten Strombedarf abhängig. Die überschüssige Energie werde in jedem Fall ins Netz eingespeist. Wärme soll mithilfe einer umweltschonenden Luftwärmepumpe produziert werden. 

Mauerwerk des Turms weitgehend intakt

Die Arbeiten am Neubau sowie im Turm laufen parallel. Dieser hat auch hin zur Stockumer Straße Fensteröffnungen bekommen, der Boden der Taufkapelle, in der künftig auch die Orgel steht, wurde angehoben, um Barrierefreiheit zu schaffen. Der Rundbogen hin zum früheren Kirchenschiff ist zugunsten einer großflächigen eckigen Öffnung verschwunden. 

Das Mauerwerk des Turms ist weitgehend intakt. Wo Ausbesserungen nötig sind oder nachgearbeitet werden muss, kommen eigens angefertigte Riemchen zum Einsatz. Aktuell wird noch die Unterdecke des Turms statisch geprüft, denn sie muss demnächst ein doppelt so großes Geläut tragen (siehe unten). Auch eine Schwunguntersuchung des gesamten Turms ist vorgesehen. 

Zur neuen Kapelle entsteht im Neubau eine Sakristei. Das Gemeindeleben am Standort St. Konrad soll künftig auch in einem größeren Raum gleich daneben stattfinden. Dieser soll durch eine Faltwand geteilt werden können, angrenzend wird eine Küche eingerichtet. Auch der Außenbereich wird neu angelegt. „Wir haben uns entschieden, den Bereich hin zur Stockumer Straße als Aufenthaltfläche zu gestalten“, sagt Schäfer. Naheliegend sei es daher, auch den kircheneigenen Spielplatz an der Hüsingstraße dorthin zu verlegen. Dieses Areal wird von der örtlichen KAB gehegt und gepflegt. In den Fokus geriet es 2016, als plötzlich 20.000 Euro Fördergelder aus der Fanta-Spielplatzinitiative zur Verfügung standen. 

Ideen gesucht für Gesamt-Areal

Doch die Umgestaltung des Kirchbergs endet auch mit dieser Maßnahme nicht. Zum einen steht das angrenzende Kita-Gebäude St. Konrad absehbar leer, wenn die dortige Awo-Einrichtung ihren künftigen Neubau am Grote Dahlweg bezieht. Zum anderen gibt es auch keine Verwendung mehr für das Bruder-Konrad-Haus. Das Gemeindehaus, in dem aktuell noch die Zentralrendantur untergebracht ist, wird abgerissen. 

„Wir wollen den gesamten Bereich neu überplanen“, gibt Schäfer als Marschrichtung vor, wobei das Pfarrhaus an die Jugendhilfe zur Einrichtung einer Wohngruppe vermietet werde. Beim Sammeln von Ideen sollen unter anderem Studierende helfen. Das Architekturbüro Steinhoff hat dazu in Absprache mit der Gemeinde Kontakt zu mehreren Universitäten aufgebaut. Im Rahmen von Semesterarbeiten könnten weitere Perspektiven für St. Konrad geschaffen werden. „Das Ganze eilt aber nicht“, betont Schäfer.

Im Oktober feierte die Gemeinde mit einem Richtfest die neuen Pläne zu St. Konrad.

Gemeinde schafft nach Gebraucht-Orgel auch Gebraucht-Glocken an

Schon im Frühjahr 2019 hat die Gemeinde St. Christophorus eine Gebraucht-Orgel für die Kapelle von St. Konrad angeschafft. Nun ist sie auf der Suche nach einem neuen Geläut fündig geworden. So sollen die drei aktuellen durch sechs neue Klangkörper ersetzt werden. Diese erschallten zuletzt in der Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf und sind denkmalgeschützt.

„Es war am Ende günstiger, gute gebrauchte Glocken anzuschaffen, als die alten zu sanieren“, sagt Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Überdies sei ihr Klang besser, da es sich gänzlich um Bronzeglocken handele. Zwei der aktuellen Konrad-Glocken seien aus minderwertigerem Stahl. Die Glocken aus Gelsenkirchen standen zum Verkauf, da die 2007 profanierte Heilig-Kreuz-Kirche zu einem Begegnungszentrum umgebaut wird. Für die Klangkörper hat St. Christophorus eigens einen – ebenfalls gebrauchten – Glockenstuhl aus Eiche angeschafft. 

Die Gebraucht-Orgel, die aus der evangelischen Kirche in Dortmund-Lanstrop stammt, steht noch beim Orgelbauer. Sie wird vor dem Einbau überholt. Bei der Innengestaltung der Konrad-Kapelle steht der Gemeinde auch der Kunstschmied Pater Abraham aus der Abtei Königsmünster zur Seite. „Wir wollen es hier hell, schnuffelig und bezahlbar haben“, sagt Schäfer.

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