Kein Verkehrschaos in Werne und Rünthe

Teilabriss geglückt: Lippebrücke wird früher freigegeben als geplant

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Für den Neubau der Lippebrücke neben der B233 musste vom alten Bauwerk der überkragende Geh- und Radweg auf der Ostseite abgebrochen werden. Die neue Lippebrücke wird in der Lücke zur alten Zechenbahnbrücke gebaut und soll dann nach der Fertigstellung in die Kamener Straße verschoben werden. Die Vollsperrung an diesem Wochenende ist nur eine von fünf.

Werne/Rünthe – Lange Pkw-Schlangen in den Stadtgebieten, Staus auf den Ausweichrouten, verärgerte Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel. All das blieb während der Vollsperrung der Lippebrücke am Wochenende aus. Durch einen zeitlichen Puffer sind die Arbeiten sogar früher fertig als geplant. Nach Auskunft von Straßen.NRW kann die Brücke im Laufe des Sonntagabends freigegeben werden. 

"Alles ist super und nach Plan gelaufen", sagte eine Sprecherin von Straßen.NRW am Sonntagnachmittag. Gegen 18 Uhr könnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Dann werde nach und nach die Baustelle geräumt und die Brücke für den Verkehr wieder freigegeben. Ursprünglich war die Freigabe für Montagmorgen um 6 Uhr geplant gewesen.

Am Samstag nutzten vor allem die Werner den Nachmittagsspaziergang, um einen neugierigen Blick auf die Baustelle zu werfen. Der der überkragende Geh- und Radweg auf der Ostseite des alten Bauwerks ist abgebrochen worden. Viel war am Samstag schon gar nicht mehr zu sehen. Die Hauptarbeiten wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag erledigt. Auf der Werner Seite schliefen die beiden Bagger, zu ihren Füßen lagen die weggebrannten Geländerreste und ein Berg Asphaltbrocken. 

Teilabriss der Lippebrücke in Rünthe

Im Haus von Marita Weber, an der Werrner Straße auf Rünther Seite direkt neben der Baustelle gelegen, hörte man am Samstag gar nichts. Eine ostdeutsche Firma bohrte derweil Löcher für Bolzen, an denen danach die Leitplanken verankert wurden. Das Provisorium wird bei wieder freigegebener Lippebrücke den Sturz in den Fluss verhindern.

Weber machte Fotos in der Nacht. Das zu sehende Ballett der Bagger, die Brückenteile in die hydraulischen Zangen nahmen, sieht nach Lärm aus. Schlafen konnte die Reibeplätzchen-Verkäuferin vom Werner Wochenmarkt trotzdem. „Und dass keine Autos am Haus vorbeifahren, ist sehr schön“, genoss sie das akustisch ruhige Wochenende. 

Vollsperrung der Lippebrücke: Viel los, aber kein Stau

Auf der anderen Seite der Lippe war die Werner Straße bis zum Südring gesperrt. Den haben die Werner offensichtlich gemieden: Es herrschte dort deutlich weniger Verkehr als an normalen Tagen. Auf der Ausweichstrecke Am Tiebaum war schon mehr los, zum Stau kam es trotzdem nicht. Das bestätigte Heinz-Peter Waßmann auch für den Berufsverkehr am frühen Samstagmorgen. Er kehrte von der Nachtschicht bei Bayer nach Werne zurück. „In der Woche wäre es sicherlich dramatischer.“ Er war am Nachmittag zum Gucken zur Brücke gekommen. 

In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde ein Teil der Lippebrücke abgerissen. Die beste Sicht auf das Geschehen hatte wohl Anwohnerin Marita Weber aus Rünthe.

Katja Kastner nahm zur gleichen Zeit den wartenden Shuttlebus. Sie kam aus Kamen, war der einzige Fahrgast, den Busfahrerin Rabea Schluff zum Werner Stadthaus chauffierte. „Ein, zwei sind es häufig, vorhin hatte ich aber eine Gruppe mit zehn Personen“, erklärte die Mitarbeiterin von Nies Reisen. Am Stadthaus gebe es aber auch keinen Hinweis auf den Service, sie hätte die potenziellen Mitfahrer dort ansprechen müssen. Ansonsten fand sie, sei der Shuttle gut organisiert

Die VKU-Mitarbeiter auf Bergkamener Seite würden bei Funk durchgeben, wenn beispielsweise jemand mit einem Rollator länger für die rund 400 Meter über die Zechenbahnbrücke brauche. „Ich warte dann.“

Auf der Südseite der Lippe interessierten sich Hans-Dieter und Regina Kunze für die Arbeiten. Die Werner waren im Supermarkt auf der Bergkamener Seite einkaufen. „Das machen wir öfter, heute verbinden wir das Nützliche mit unserer Neugier.“ Die Befürchtung eines Verkehrschaos hielten die beiden Fußgänger für „aufgebauscht“. Sie sollten Recht behalten. 

Vier weitere Vollsperrungen der Lippebrücke folgen

Die Vollsperrung an diesem Wochenende war nur eine von fünf. Sorgenvoll blickt Marita Weber in die Zukunft. Platz für die neue Brücke ist jetzt geschaffen. Wenn die dort fertiggestellt ist, wird sie den Verkehr nach Werne transportieren bis die alte Brücke abgerissen wurde. Dann kann die neue verschoben werden. 

Die Trassenführung des Nadelöhrs wird für diesen Zeitraum in die Einfahrt zum Weberschen Haus verschwenkt und dann tatsächlich direkt an ihrem Schlafzimmer vorbeiführen. Weber teilt sich die Zufahrt zu ihrem Haus mit der Nachbarin. Die Zufahrt gehört nicht zu den Grundstücken, sondern ist vom Lippeverband gepachtet, eben im Hinblick auf den Zugang zur Lippe. 

„Ich sehe ein, dass das gemacht werden muss. Die Brücke ist ja schon alt“, sagt Weber. Mit Straßen.NRW ist sie schon länger in Kontakt. „Die haben mir auch schon neue Fenster versprochen, da hätte ich Anspruch drauf.“ Sie hofft auf eine Barriere, sodass kein Auto in ihr Schlafzimmer verunfallt. 

Anwohnerin in Rünthe verärgert über Stadtverwaltung

Verärgert ist sie über das Verhalten der Bergkamener Verwaltung. Die neue Brücke würde ja nur auf ihrer Seite der Werner Straße gebaut und an die B233 angeschlossen, weil auf der westlichen Seite wegen des Lidl-Marktes kein Platz für die Verschwenkung sei. 

Marita Weber

„Dass die Brücke gemacht werden muss, weiß man doch schon länger“, sagt Weber und wundert sich über den fehlenden Weitblick der Bergkamener Verwaltung bei der Genehmigung des Bauantrags des Discounters. „Mit Vertretern aus Werne und von Straßen.NRW gab es auch schon eine gemeinsame Ortsbegehung, einen aus Bergkamen habe ich hier nie gesehen.“

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