Badleitung geht vor Gericht unter

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Die streikende Badbelegschaft steht mit Verdi-Sekretär Christan Berger (r.) dem gekündigten Kollegen zur Seite.

WERNE -  Die fristlose Kündigung des Gastronomieleiters im Solebad gerät vollends zum Fanal im parallelen Arbeitskampf der Belegschaft.

Die Anfechtung des Rauswurfs liefert der Gewerkschaft Verdi weiter Anlass, dies der Geschäftsführung als bloßen Einschüchterungsversuch im Streik vorzuhalten. Beim gestrigen Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Dortmund kam der Arbeitgeber ins Schwitzen.

Was die Geschäftsführung bis gestern anscheinend nicht wusste: Als sie den Betreffenden am 1. April feuerte, da genoss er laut seinem von Verdi gestellten Anwalt bereits einen Sonderkündigungschutz. Denn das Verdi-Mitglied kandidiert für die Betriebsratswahl am kommenden Montag. Damit ist, wie bei amtierenden Betriebsratsmitgliedern, eine Entlassung nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Betriebsrates (etwa bei eindeutigen schweren Vergehen) möglich. Und davon kann hier keine Rede sein. Der fristlosen Kündigung hat der Betriebsrat widersprochen.

Dass sie zu dem Kollegen stehen, machten die Badmitarbeiter unmissverständlich deutlich. Sie nahmen zur Enttäuschung von Badchef Jürgen Thöne seine erneute Einladung zu einer Gesprächsrunde am Montagmorgen nicht an, sondern legten erneut die Arbeit nieder, um dem auf Weiterbeschäftigung klagenden Küchenchef Beistand zu leisten.

Vor Gericht verfolgten sie, dass die Arbeitgeberseite auf der Kündigung beharrte und sich auch durch Vorlage der Bewerbung zur Betriebsratswahl nicht davon überzeugen ließ, dass der Sonderkündigungsschutz bestand, als der Rauswurf erfolgte. Laut Unterlage hat der Wahlvorstand eine korrekte Kandidatur-Erklärung am 31. März, einen Tag zuvor, abgezeichnet.

Die Geschäftsführung bestand dennoch auf eine Verhandlung, bei der auch bewertet würde, ob die im Raum stehenden Vorwürfe die Kündigung rechtfertigen. Es geht um Äußerungen über die Geschäftsführung. Der Kammertermin ist für den 7. August anberaumt. Der Beklagte hat nun vier Wochen Frist zur Stellungnahme. „Wir werden jetzt prüfen, wie es sich mit der Betriebsratskandidatur verhält“, sagte Geschäftsführer Thöne.

Sollten die Angaben des Klägers zutreffen, bleibt dem Arbeitgeber wohl nur der geordnete Rückzug. - bkr

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