Sonntag ist die Premiere

Große Gesellschaftskritik: "Die Konferenz der Tiere" auf der Freilichtbühne

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Werne - Die Tiere wollen die Welt retten – und berufen am Sonntag, 26. Mai, „Die Konferenz der Tiere“ auf der Freilichtbühne Werne ein. Am Samstag fand die letzte Probe vor der Premiere des Kindertheaterstücks statt. Ein Besuch.

Der Elefant richtet seinen Hosenanzug. Die Techniker bringen ein Mikrofon bei dem Löwenkind an. Und eine kleine Giraffe beißt noch einmal in einen Schokoriegel. Dann geht es auf die Freilichtbühne, zur Generalprobe des Stückes „Konferenz der Tiere“. Mit kritischem Blick verfolgen die Regisseurinnen Sabine Ibrahim und Sarah-Jane Jücker die letzte Probe vor der Premiere. 

Die Geschichte Erich Kästners handelt von Tieren, die die Welt verbessern wollen. Enttäuscht vom Vorgehen der Menschen entscheiden sie sich, selbst eine Konferenz zur Bekämpfung von Krieg und gesellschaftlichen Problemen einzuberufen. Ein wichtiges Ziel dabei ist, die unschuldigen Menschenskinder zu retten, die nichts für die Unvernunft ihrer Eltern können. 

Selbstgemachte Kostüme 

„Das Stück ist allein wegen unserer politischen Situation wieder aktuell“, sagt Ibrahim. „Die Jugendlichen werden von der Politik nicht erhört“, findet auch Jücker. Und deshalb wirft der Löwenvater das Sakko über, der Elefant packt seine Koffer. Und schon eilen sie ins Hochhaus der Tiere, zur Konferenz. 

Insgesamt 80 Rollen sind vergeben. Für jede von ihnen gibt es ein meist selbst gemachtes Kostüm und aufwendiges Make-up. Der Pfau trägt bunte Federn und einen lila Tüll-Rock, das Stinktier betritt in schwarz-weißem Plüsch die Bühne. 

Generalprobe zur Konferenz der Tiere 

Die Giraffe Leopoldine heißt eigentlich Laura Schriewersmann. Die Zwölfjährige erscheint mit langen, aufgeklebten Wimpern und braunen Flecken im Gesicht auf der Bühne. „Die Rolle passt perfekt zu mir, Leopoldine ist voller Lebensfreude und etwas verrückt“, sagt Schriewersmann. Besonders schwer zu spielen seien die Gefühlswechsel zwischen fröhlich, traurig und wütend. Sonst ist Laura in kleineren Rollen, wie dem Blumenmädchen in „Die kleine Hexe“, zu sehen. 

Dieses Mal spielt sie eine Hauptrolle und geht etwas aufgeregter in das Stück. „Es ist das erste Mal, dass ich auch singe“, sagt sie. Denn im Stück stimmen die Tiere regelmäßig ein passendes Lied zur Stimmung an. 

Große Gesellschaftskritik

„Die können doch nicht immer nur Kriege machen“, sagt der Löwe. „Die haben sogar Minister dafür“, erwidert die Giraffe: Das Stück beginnt mit großer Gesellschaftskritik. Zwischen Palmen und Sand lesen die Tiere die Zeitung und sind schockiert von der Handlungsweise der Menschen. 

Der aufgeweckte Elefant erscheint im Morgenmantel und beruft Tiere, wie die schläfrige Ente Ulrich, zu einer Telefonkonferenz ein: Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und wird vermenschlicht. Zwischendurch rollen die Darsteller Requisiten, wie ein Atelier oder einen Eisberg, ins Bild. Insgesamt 50 Schauspieler kommen auf die Bühne; einige spielen zwei Rollen. 

Darsteller von zwei bis 57 Jahren wirken mit, teilweise sind ganze Familien am Stück beteiligt. Gerade diese große Altersspanne war laut Sabine Ibrahim auch die Herausforderung. „Die ganz Kleinen können natürlich nicht so gut improvisieren, da muss der Text umso besser sitzen“. 

Bei der Generalprobe zeigten sich die Schauspieler textsicher und bereit für die große Premiere am Sonntag. An insgesamt sechs Terminen erscheinen die Tiere auf der Bühne und üben Kritik an der heutigen Politik. Denn Menschen ähneln laut dem Löwen bei gesellschaftlichen Problemen oft den Vogelsträußen. „Sie stecken einfach den Kopf in den Sand.“

Sechs Termine

Die Konferenz der Tiere tagt sechs Mal auf der Freilichtbühne: am 26. Mai, 2. Juni, 9. Juni, 21. August, 25. August und 1. September (jeweils von 16 bis 18 Uhr).

VON ALEXANDRA PROKOFEV

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