Grabschmuck entwendet

Störung der Totenruhe: Diebstähle am Friedhof sorgen für Trauer und Wut

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Grablichter haben nicht immer einen hohen materiellen Wert – definitiv aber für die Angehörigen der Verstorbenen einen emotionalen

Werne - Friedhöfe sind ein Ort der Ruhe. Ein Ort, an dem Angehörige den verstorbenen Liebsten gedenken können. Umso dreister ist ein Diebstahl an diesem Ort. Auch auf dem Friedhof am Südring scheinen Diebstähle keine Seltenheit zu sein. Trauer und Enttäuschung macht sich bei den Betroffenen breit.

Als Anne-Susanne Möllmann-Hay am Abend des 1. November zum Grab ihrer Großeltern auf dem Friedhof am Südring kam, irritierte sie die Dunkelheit, die sie vorfand. Erst am Nachmittag hatte sie drei Lichter an das Grab gestellt. Wenige Stunden später waren sie weg. Gestohlen, vermutet Möllmann-Hay. „Ich finde es so fies, dass man die Verstorbenen im Dunkeln lässt“, findet die Wernerin. 

Auch wenn es keine besonders teuren Grablichter waren, ärgert sich die Lehrerin über eine solche Respektlosigkeit. Weiter hinten auf dem Friedhof dann der nächste Schreck: An einem weiteren Grab der Familie fehlte der Blumenkranz. 

Keine Einzelfälle

Die Diebstähle an Allerheiligen seien keine Einzelfälle, berichtet Marion Hüsemann, Friedhofsgärtnerin in Werne. Sie ist fest davon überzeugt, dass die Fälle von Möllmann-Hay an diesem Tag nicht die einzigen waren. Das Problem: „Diebstähle auf dem Friedhof werden relativ regelmäßig bei mir gemeldet, aber nicht bei der Polizei angezeigt“, erklärt Hüsemann. 

Anne-Susanne Möllmann-Hay ärgert sich: Von dem Grab ihrer Großeltern auf dem Werner Friedhof entwendeten Unbekannte gleich mehrere Grablichter.

Sie könne aber nicht mehr tun, als auf die Polizei zu verweisen. „Lohnt sich nicht“, sei eine Antwort, die sie dann oftmals von den Betroffenen bekomme. Akut und auffällig seien die Diebstähle um Ostern dieses Jahres herum gewesen. Mehrere Vasen und Leuchten waren weg, Gräber zum Teil völlig zerstört. „Oft wenn die Pflanzen-Wechsel-Zeit ist, also im Frühjahr und Herbst, werden frisch gepflanzte Sträucher und Blumen geklaut“, sagt Hüsemann. 

In diesen Fällen ist sie sich sicher: Die Diebe hübschen mit den Pflanzen ihre eigenen Vorgärten auf. Grableuchten würden einfach mitgenommen, um sie aufs Grab der eigenen Verwandten zu stellen, vermutet Hüsemann. Dabei gehe es nicht um den materiellen Wert der Lichter. Und darum gehe es den Betroffenen auch nicht, sagt Hüsemann, „Die Leute sind traurig und enttäuscht, wenn sie mir von solchen Fällen berichten.“ Sie selbst findet die Taten erschreckend und ärgerlich. 

Ohne Anzeige keine Ermittlungen

Ein Gespräch mit der Polizei macht deutlich: Solange die wenigsten einen Diebstahl anzeigen, kann die Polizei nicht tätig werden. „Um ermitteln zu können, brauchen wir eine Anzeige“, erläutert Sprecher Christian Stein. In den vergangenen sechs Monaten sei der Polizei kein Fall gemeldet worden. „Dementsprechend können wir den Fokus nicht auf den Friedhof legen“, so Stein. 

Im Übrigen handelt es sich beim Entwenden von Grabschmuck nicht nur um den Strafbestand „Diebstahl“, sondern auch um eine Störung der Totenruhe.

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