Trauer ums Haustier: So erlebt sie eine Werner Tierärztin in ihrer Praxis

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Patient „Pepper“ geht’s gut dank der Heilkunst von Stefanie Mors. Die Tierärztin hat aber auch Erfahrungen mit dem Tod von Haustieren und der Trauer darüber.

Werne - Wohin mit dem Haustier, wenn es gestorben ist? Nach dem Ruf nach einem Tierfriedhof haben wir eine Veterinärin gefragt.

Tierbestattung – das war kein großes Thema, als Veterinärin Stefanie Mors vor 21 Jahren in den Beruf einstieg: „Da wurde nicht groß gefragt, meist kamen die euthanasierten Haustiere in die Tierkörperbeseitigung. Aber das hat sich stark verändert.“ Mehr als die Hälfte der Kunden, deren Haustier Mors einschläfern muss, weil die ärztliche Heilkunst am Ende ist, entschieden sich mittlerweile für einen anderen Weg: Einäscherung, Bestattung, der Trauer den nötigen Raum und dem Tier eine würdige Ruhestätte geben oder es anders in Erinnerung halten. 

Im gesamten Kreis Unna kein Angebot

Nur ist das in Werne, wie im gesamten Kreis Unna, bisher nicht möglich – außer, wenn sich Tierhalter mit dem Spaten in den Garten begeben, um Hund oder Katze selbst zu beerdigen, die Asche dort verstreuen oder in der Schmuckurne auf dem Sims verwahren. Wie berichtet, will die FDP das ändern und hat beantragt, die Werner Friedhöfe um ein Feld für Tierbestattungen zu erweitern. Die evangelische Gemeinde winkt da ab, die katholische ist zumindest nicht abgeneigt. Politisch wird das erstmals kommenden Mittwoch im Bezirksausschuss erörtert. Mit Tierärztin Stefanie Mors haben wir aber schon mal darüber gesprochen, wie sie den Umgang mit Tod und Trauer in ihrer Kleintierpraxis wahrnimmt.

Tierärztin Stefanie Mors sieht Bedarf 

 „Wir sehen hier, dass der Bedarf da ist“, sagt Mors, die 1999 in der Praxis von Dr. Bernhard Harling startete, sie später übernahm und 2001 zum Salinenparc verlegte. „Hunde und Katzen sind meist lange bei einem. Das ist ein längerer gemeinsamer Lebensweg, das schweißt zusammen.“ Und das präge auch den Abschied. Selbst bei der Tierärztin: „Ich begleite viele Tiere ja auch ein Leben lang, somit auch die Halter. Da geht es mir auch manchmal nah, wenn eines stirbt oder euthanasiert wird.“ Bei Älteren, denen das Haustier ein letzter Weggefährte ist, könnte man vermuten, dass ihnen die Tierbestattung ein besonderes Anliegen ist. Aber Mors hat da andere Erfahrungen: „Ältere Menschen sind da oft viel pragmatischer. Sie haben sich meist selbst mit dem Thema beschäftigt und Wissen, dass der Tod Teil des Lebens ist.“ Es seien vermehrt Jüngere, die nach solchen Möglichkeiten suchten.

Viele graust die Tierkörperbeseitigung

Für den Abschied lässt das Praxisteam dann Hund und Herrchen bei Bedarf im Behandlungsraum allein „und alle Zeit, die die Leute brauchen“. Früher habe sich alles um diesen Moment gedreht, so Mors. „Die Menschen brauchen dann jemanden, der sagt: Es ist richtig, was du tust. Aber mittlerweile wird auch zunehmend wichtig, was danach passiert.“ Mors schätzt, dass pro Jahr so um die 20 ihrer Patienten in der Praxis sterben. Für einige Halter sei es kein Problem, den Tierkörper dem Abdecker zu überlassen. Manche grause aber schon die Vorstellung, das Haustier anonym in der Masse der Verwertungsanlage zu entsorgen. „Da kommt zumindest eine Kremierung ohne Rücknahme der Asche in Betracht.“

Wachsende Bereitschaft, Geld auszugeben

Die Kosten seien bei der Trauer ums Tier oft nachrangig: „Immer mehr Menschen brauchen ein Haustier und sind bereit, dafür viel Geld auszugeben.“ Für den letzten Dienst arbeitet die Praxis Mors mit einem Unternehmen in Hamm zusammen. „Der nächste Tierfriedhof liegt meines Wissens in Dortmund“, berichtet die Veterinärin. „Das ist den meisten aber zu weit.

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