Bald nur noch Gemeinschaftsschulen?

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Alle drei Werner Grundschulen sind katholische Bekenntnisschulen. Mitunter hängen in den Klassenräumen – wie hier an der Uhlandschule – Kreuze, das Zeichen des christlichen Glaubens.

Die Stadt Werne überlegt, ihre öffentlichen Bekenntnis- in Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln. „Wenn, dann gleich alle drei“, sagt Schulamtsleiterin Liane Jäger. Priorität genieße das Vorhaben aber nicht. Bislang habe niemand Anstoß an der Bindung genommen.

Auch künftig spiele bei der Aufnahme die Religion des Kindes keine Rolle, so Jäger.

Die Überlegungen sind laut Jäger nicht neu. Das Thema stehe auf der Agenda, seit vor rund fünf Jahren das Auslaufen der bis dato letzten Gemeinschaftsgrundschule, der Wienbredeschule, beschlossen wurde. Wernes drei bestehenden Grundschulen (Uhland-, Wiehagen- und Kardinal-von-Galen-Schule) sind allesamt Schulen des katholischen Glaubens. 

Ob es zur Umwandlung kommt, hängt von der Elternschaft der jeweiligen Schule ab (mindestens die Hälfte muss zustimmen) und dem Stadtrat, der letztlich die Entscheidung trifft. Jäger betont, auf dem Weg dahin alle Beteiligten mit ins Boot nehmen zu wollen. Erste Gespräche zum Thema habe es bereits gegeben. In den Schulen wolle niemand grundsätzlich an der Bindung festhalten, und auch in der Kirchengemeinde St. Christophorus gebe es die Bereitschaft, das Thema zu erörtern.

„Gemeinsame Lösungen“ gesucht

Die Stadt möchte den Diskussionsprozess laut Jäger offen gestalten. Für notwendig erachtet werde zunächst einmal nicht die Umwandlung selbst, sondern das Gespräch darüber. Anlass böte die zunehmende kulturelle und religiöse Vielfalt auch in der Stadt Werne. Am Ende müssten „gemeinsame Lösungen“ gefunden werden. 

Bei der Aufnahme an einer Grundschule seien die Wohnortnähe und die Geschwister-Situation die Hauptkriterien, betont die Schulamtsleiterin. Daneben werde etwa auch auf Heterogenität geschaut und auf den Kindergarten, den der angehende Erstklässler besucht habe. Die Religion werde im Anmeldeverfahren zwar abgefragt, sei in diesem Kontext aber nicht relevant und werde weiterhin keine Bedeutung haben. Dass es in Werne in Sachen Bekenntnisschulen bis dato keine Konflikte gab, führt Jäger auch auf die Art des Religionsunterrichts in den drei Bildungsstätten zurück. Dieser ziele grundsätzlich darauf, gemeinsame Werte wie Respekt und Toleranz zu vermitteln und widme sich überdies Themen der Ethik im Allgemeinen. „Alle Schulen gehen weltoffen mit anderen Religionen um, niemand wird diskriminiert. Darauf kommt es erst einmal an“, unterstreicht Jäger.

Kein islamischer Religionsunterricht

Von der Offenheit gegenüber allen Religionen zeugt laut der Amtsleiterin zum Beispiel der konfessionsübergreifende Religionsunterricht an der Galen-Schule während der Eingangsphase. Erst ab Klasse drei gebe es dort speziellen katholischen und evangelischen Unterricht. Im Rahmen eines Weltreligionen-Projekts fänden später unter anderem auch Moschee-Besuche statt, zudem komme es zur Beschäftigung mit dem Judentum. 

Dem Schulgesetz nach muss in Bekenntnisschulen auch für konfessionelle Minderheiten spezieller Religionsunterricht angeboten werden, sofern dieser mehr als zwölf Schüler angehören. Einen islamischen Religionsunterricht gibt es an den Werner Grundschulen laut Jäger aber nicht, weil von Eltern kein Bedarf angemeldet werde. Von der Möglichkeit, sich vom Religionsunterricht befreien zu lassen, werde zudem nur selten Gebrauch gemacht – eben wegen der bewussten Einbindung aller Weltreligionen, meint die Schulamtsleiterin. 

Jäger unterstreicht, dass auch Gemeinschaftsschulen nicht losgelöst von religiösen Grundsätzen agieren und zitiert Paragraf 26, Absatz 2, des Schulgesetzes, in dem es wörtlich heißt: „In Gemeinschaftsschulen werden die Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte in Offenheit für die christlichen Bekenntnisse und für andere religiöse und weltanschauliche Überzeugungen gemeinsam unterrichtet und erzogen.“

Frühestens zur Anmeldung 2020 

In das Thema Umwandlung will das Schulamt intensiver einsteigen, sobald alle Maßnahmen zur räumlichen Unterbringung von Wernes Grundschülern abgeschlossen sind, sprich: der Neubau für die Wiehagenschule an der Stockumer Straße fertig ist und Schüler sowie Lehrer umgezogen sind. Zur Anmeldephase für das Schuljahr 2021/2022 im Herbst kommenden Jahres könnte es dann schon heißen: Familien mit angehenden Erstklässlern können sich an drei unterschiedlichen Gemeinschaftsschulen anmelden.

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