Einbruch bei Anmeldezahlen

Sekundarschulleiter: „Werne braucht eine Gesamtschule“

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Die Marga-Spiegel-Schule verzeichnet 100 Anmeldungen – so wenige wie noch nie seit ihrer Eröffnung. Dem Schulleiter schwebt die Einrichtung einer Oberstufe vor, sodass die Sekundar- zur Gesamtschule wird.

Werne – Die Marga-Spiegel-Schule erlebt einen Einbruch bei den Anmeldezahlen. Zum Schuljahr 2020/21 können womöglich erstmals nur vier Klassen gebildet werden. Schulleiter Hubertus Steiner wirbt nun dafür, aus der Sekundar- eine Gesamtschule zu machen.

Die Stadt Werne als Schulträgerin möchte mit einer Einschätzung der Situation warten, bis alle Zahlen auf dem Tisch liegen und ausgewertet sind.

Sechszügig gestartet, zuletzt fünfzügig

Die Marga-Spiegel-Schule war 2013 sechszügig gestartet, zuletzt konnten regelmäßig fünf Klassen gebildet werden. Fürs kommende Schuljahr liegen auf den Punkt genau 100 Anmeldungen vor. Schulleiter Steiner sieht das Ziel in Gefahr, das mit der Eröffnung der Sekundarschule verbunden war: die Werner Schüler in Werne zu halten.

Mit den Anmeldezahlen sei er alles andere als zufrieden, betont Steiner. Als Ursache für die sinkende Nachfrage macht er einen Trend aus, der landesweit zu beobachten sei: „Eltern wählen zunehmend Abiturschulen.“ Oder anders: „Der Marga-Spiegel-Schule fehlt die Oberstufe.“ Zwar gebe es Kooperationen etwa mit dem Anne-Frank-Gymnasium, erläutert Steiner. Doch das sei nicht das Gleiche. „Wir können die tollsten Konzepte haben, aber bei uns steht nicht Gesamtschule drauf“, bedauert er. Was Werne brauche, sei genau dies: eine Gesamtschule, ein längeres gemeinsames Lernen mit Oberstufe.

„Eltern vermissen Oberstufe“

Steiner berichtet von etlichen Elterngesprächen, in denen das Fehlen einer Oberstufe moniert worden sei. Auch sei zu beobachten gewesen, dass die Abgänger der Sekundarschule, die das Abitur machen wollten, nicht auf ein Gymnasium, sondern auf eine Gesamtschule in der Nachbarschaft wechselten. „Hätten wir eine Oberstufe, hätten wir weiterhin einen Run auf unsere Schule“, ist Steiner überzeugt.

Der Schulleiter verweis darauf, dass bereits andernorts – etwa in Ahlen und Hamm – Sekundar- in Gesamtschulen umgewandelt worden seien. Dies sei formal keine große Sache, erfordere aber natürlich mehr Lehrer und einen erhöhten Raumbedarf. „Ich fürchte, wir werden auf Dauer kleiner, wenn wir keine Gesamtschule werden.“

Zahlen für Stadt erst „bedingt aussagekräftig“

Steiner berichtet, dass eine Umwandlung schon vor vier Jahren Thema in der Schulkonferenz gewesen sei und die Schule ihr Ansinnen an den Schulträger und die örtliche Politik herangetragen habe. „Damals gab es aber keine Unterstützung dafür“, erinnert er sich. Die Gesamtschulen im Umkreis seien heute überlaufen, schildert Steiner.

Im städtischen Schulamt heißt es, dass die Zahl von 100 Anmeldungen bis dato nur „bedingt aussagekräftig“ sei. Laut Leiterin Liane Jäger wechseln mit 222 Grundschülern deutlich weniger als in den Vorjahren auf eine weiterführende Schule. Überdies müsse erst noch ermittelt werden, aus welchen Kommunen die angemeldeten Schüler kommen. Zur abschließenden Bewertung bleibe zudem abzuwarten, wie sich die Situation am städtischen Anne-Frank-Gymnasium darstellt, dessen Anmeldephase am Freitag beginnt. „Alle Zahlen müssen auf den Tisch“, so Jäger.

Zügigkeit „noch nicht in Stein gemeißelt“

Über eine Zahl, nämlich die Anzahl der Klassen zum neuen Schuljahr, gibt es offenbar noch Unklarheiten. Schulleiter Steiner geht davon aus, dass mit den Schülern vier Gruppen gebildet werden, Jäger spricht davon, dass die Zügigkeit „noch nicht in Stein gemeißelt“ sei. Die Klassenzahl hat Auswirkungen auf deren Größe. Bei 25 Schülern pro Klasse blieben rechnerisch kaum noch Kapazitäten für mögliche Rückläufe von den Gymnasien oder neu zugezogene Schüler.

Amtsleiterin Jäger will dem Schulausschuss in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 5. März (17.30 Uhr, Stadthaus), alle Zahlen vorlegen, die für einer Bewertung der Lage relevant sind.

104 Anmeldungen am Christophorus-Gymnasium

Das bischöfliche Gymnasium St. Christophorus verzeichnet zum kommenden Schuljahr 104 Anmeldungen. Das stimme ihn „äußerst zufrieden“, sagt Schulleiter Thorsten Schröer. Allerdings sei die Zahl erneut so hoch, dass Schüler hätten abgewiesen werden müssen. Mit den verbliebenen 94 werden laut Schröer drei Klassen gebildet.

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