Wenig los in Schulen und Kitas

Werner Familien greifen in großer Zahl auf alternative Betreuungen zurück

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Patricia Goldhahn hat in Zeiten der Schulschließungen Glück. Nur ihr Mann geht arbeiten, während sie bei den Kindern zu Hause bleiben kann. 

Werne – Am Tag eins der Schließung von Schulen und Kindergärten zur Eindämmung der Corona-Epidemie ergab sich am Montag für die Verantwortlichen in Werne noch kein vollständiges Bild. Aber es scheint ganz so, dass sich der größte Teil der Familien mit Alternativen bei der Betreuung arrangieren konnte.

In der Übergangsfrist bis Mittwoch soll sich erweisen, in welchem Umfang Eltern, die nach den erlassenen Regeln in ihrem Beruf unabkömmlich sind, einen Anspruch auf Betreuung ihrer Kinder haben. Wie das in den jeweiligen Einrichtungen eigenverantwortlich zu organisieren ist, haben Dezernent Alexander Ruhe und Abteilungsleiterin Liane Jäger am Montagmittag zuerst mit den Kita-Leitungen erörtert und danach mit den Leitern der Schulen und Vertretern der Betreuungsangebote dort.

Entscheidend ist nun der Nachweis über den Arbeitgeber, dass der oder die Betreffende zu sogenannten Schlüsselpersonen mit einem Job in der „kritischen Infrastruktur“ zählt, für die es Ausnahmen vom Betreuungsverbot für Schulen und Kitas gibt. „Wir haben dazu alle wichtigen Informationen auf unserer Homepage www.werne.de veröffentlicht“, betonte Jäger auf Anfrage. „Dort finden Eltern auch das Formular, das bis Mittwoch in den Einrichtungen abgeben werden muss.“ Wer, was bisher nicht auffällig gewesen sei, keinen Zugang zu dieser Quelle habe, finde in den Institutionen und beim Jugendamt Ansprechpartner.

Maximal fünf Kinder in einer Notgruppe

Auf den ersten Blick hält sich der Bedarf wohl in Grenzen. Bei den Grundschülern war am Montag von je neun an der Uhland- und der Wiehagenschule die Rede, an der Kardinal-von-Galen-Schule in Stockum von dreien. Am „Christophorus“ waren zwei Anträge zu prüfen, nicht alle Schulen konnte der WA zu diesem Thema befragen.

„Wir haben es noch gut getroffen“, erzählt Steffi Muermann. Sie hat zwei Töchter, fünf und zwei Jahre alt. Ihre Arbeit kann sie im Home Office erledigen, außerdem arbeitet sie nur an drei Tagen in der Woche. Bei ihrem Mann sieht es ähnlich aus.

Vorgegeben ist, dass maximal fünf Kinder in einer solchen Notgruppe zusammen sein dürfen. Sie müssen aus demselben Jahrgang sein und möglichst von einer Bezugsperson begleitet werden, die schon Umgang mit ihnen hatte. Auch Jäger bat die Familien um Geduld. Mögliche offene Fragen würden nacheinander nach Priorität beantwortet. „Dabei wird es später sicher auch um die Frage gehen, wie es mit der Erstattung von Beiträgen für die Kita oder OGS aussieht. Wir wissen, dass das ein Thema ist, doch jetzt stehen vorrangige Dinge an.“

Blick in die Uhlandschule

Neun der 410 Grundschüler aus dem Werner Westen sind am Montagmorgen zur Schule gekommen, weil daheim auf die Schnelle keine Betreuungsalternative geschaffen werden konnte. „Wir haben aber kein Kind hier, dass wir nicht schon auf der Liste hatten“, schilderte Rektorin Eleonore Neumann eine entspannte Situation. Trotz der kurzfristigen Weisung des Landes zur Schulschließung gelang dem Team der Uhlandschule noch eine vollständige Bedarfsabfrage in der Elternschaft. „Die Kommunikation über die Klassenlehrer läuft gut, da gab es keinen Stress. Wir hatten schon am Freitag eine komplette Anmeldung der Kinder von Eltern mit Betreuungsanspruch. Jetzt müssen nur die Nachweise noch eingereicht werden.“

Leere Spielgeräte an der Uhlandschule: Hier kamen am Montagmorgen lediglich neun der 410 Grundschüler, weil sich keine andere Betreuungsmöglichkeit fand.

„Es gibt trotzdem jede Menge Arbeit“, sagte die Rektorin weiter. Deswegen seien auch alle gut 30 Kollegen im Einsatz am ersten Tag der quasi voraus verlängerten Osterferien. Es sei allerlei Organisatorisches zu klären. Bis 12 Uhr übernehmen zudem Lehrer die Betreuung der Kinder. Für die übrigens Schulkoch Johannes Glitz auch unter diesen Bedingungen ein frisches Mittagessen kocht – nur in deutlich kleineren Töpfen, versteht sich. Nach der Mittagspause übernimmt das Team der Offenen Ganztagsbetreuung die Betreuung der Grundschüler zum regulären Ende um 16 Uhr.

Eltern der Kita Arche Noah organisieren sich untereinander

„Dank guter Vorarbeit ist bei uns alles prima geregelt“, meldete Ulrike Plutat, Leiter der Kita Arche Noah, auf Nachfrage ebenfalls einen besonnen Start in die Ausnahmesituation. Übers Wochenende sei über die Elternvertreter der Einrichtung mit aktuell 67 Jungen und Mädchen alles Nötige kommuniziert worden. „Unsere Eltern haben sich untereinander super organisiert“, so Plutat. Da sei es aus ihrer Sicht kein Problem gewesen, dass die Kita in der Jüngststraße das vom Land angeordnete Betretungsverbot schon am Montagmorgen umgesetzt hat.

„Nach jetzigem Stand der Dinge werden wir für drei Kinder eine Notgruppe einrichten müssen“, berichtete Plutat noch vor der Konferenz aller Einrichtungen mit dem Jugendamt. In einem Fall gehe es um Schlüsselpersonen, die in ihrem Job nicht entbehrlich seien. In einem anderem sei noch zu prüfen, inwiefern die Regeln für Alleinerziehende greifen oder der noch sorgeberechtigte, aber getrennt lebende Partner in der Pflicht stehe, die Betreuung anstelle der Kita zu übernehmen.

Das gesamte Team werde absehbar nicht benötigt, gab die Leiterin einen ersten Ausblick. Zwei Mitarbeiterinnen genügten wohl, um die Notgruppen angemessen zu betreuen. Mit ihrer Stellvertreterin will sich Plutat derweil um die weitere Organisation und Antworten auf die noch offenen Fragen der Elternschaft kümmern.

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