Schützenklamotten in Werne

Wo der Schütze von der Stange kauft - und die Frau vergebens nach einem Kleid sucht

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Werne - Der Vogel fällt – am vergangenen Wochenende beim Schützenverein St. Hubertus Horst und Wessel mit dem 612. Schuss um 14.57 Uhr. Wenige Stunden später muss das Königspaar in voller Montur antreten. Doch wo bekommt Frau auf die Schnelle ein Kleid her? Und kauft ein Schütze „von der Stange“?

Rita Fleige wurde beim Schützenfest der Hubertus-Schützen unerwartet Königin. Dass ihr Mann Georg den Vogel nach über 45 Jahren Vereinsmitgliedschaft noch von der Stange holen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. 

Ein Glück, dass sie um die späte Uhrzeit nicht noch auf Kleidersuche gehen musste: „Ich hatte noch ein Kleid aus meiner Hofstaat-Zeit, damit konnte ich mich retten“, sagt die amtierende Königin. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte sie nach Hamm oder Selm fahren müssen – denn in Werne gibt es keinen Laden, der passende Kleider verkauft. 

Der Hofstaat der Fleiges war zum Glück auch voll ausgestattet. „Die haben angezogen, was sie so Zuhause hatten“, sagt Rita Fleige. „Aber wenn man nicht schon etwas im Schrank hängen hat, wenn der Vogel fällt, wird es schwierig.“ 

Standardjacke in 45 Größen

Der einzige Laden in Werne, der sich der Mode im Schützenwesen verschrieben hat, ist das Bekleidungsgeschäft „Ueter“ in der Bonenstraße. Allerdings bietet Inhaber Michael Peters nur Uniformen und Co. an, keine Kleider. „Ich glaube das nächste Kleidergeschäft für Frauen ist in Hamm“, mutmaßt Peters. 

Bei Kleidern bräuchte ein Laden eine große Auswahl. Er sei lediglich auf Uniformen spezialisiert. Und die sind zum Glück nicht der Mode unterworfen. Kommt man bei Ueter rein hängen die Jacken, Westen und Hosen Ton in Ton an den Stangen. „Normalerweise bestellen die Vereine ihre speziellen Jacken vor und kaufen nicht von Stange“, erklärt Peters. 

Trotzdem habe er für spontane Käufe immer eine Standardjacke in 45 Größen auf Lager. Und so einen spontanen Kauf tätigt Andreas Neumann vom Bürgerschützenverein Unna an diesem Tag. Seine Jacke ist „zu klein und zu alt“. Er probiert drei Größen und geht kurzerhand mit einer neuen Schützenjacke aus dem Geschäft. 

„Einen solchen Laden gibt es in Unna nicht“, sagt Neumann. Daher komme er nach Werne. Mehr als 120 Vereine kleidet Peters ein – auch in Bayern und im Ruhrgebiet. Es fehle den Vereinen nicht nur an Nachwuchs, weiß Peters, sondern den Städten auch an Schützen-Bekleidungsgeschäften. Daher habe sich seine Kundenkartei in den letzten Jahren vergrößert.

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