Eine Reportage aus Werne

Schockfotos auf Zigarettenschachteln von Rauchern oft verdeckt

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Marita Dörr zeigt die Plastikdosen, die Schockbilder auf den Schachteln verdecken. Diese sind aktuell so begehrt, dass die Großhändler mit der Lieferung kaum nachkommen. Viele Raucher haben anscheinend keine Lust auf die Schockbilder.

Werne - Wenn Marita Dörr morgens die Kartons der Händler auspackt, die das Lotto-Tabak-Geschäft am Konrad-Adenauer-Platz beliefern, schreckt sie der Inhalt immer häufiger ab. Bereits seit dem 20. Mai müssen neu produzierte Zigarettenschachteln und Tabakdosen mit so genannten Schockbildern bedruckt werden.

Nach und nach kommen diese Packungen jetzt in den Handel. Die Verkäuferin schätzt, dass bisher etwa zwanzig Prozent der Schachteln im Laden solche optischen Warnhinweise tragen. Denn noch haben die Großhändler von vielen Marken Restbestände auf Lager. Und diese sind jetzt heiß begehrt.

„Viele Kunden packen die Zigaretten in alte Packungen um“, erzählt Dörr. Andere behelfen sich mit Schachteln aus Plastik, in die die ganze Packung hineingesteckt werden kann – und auch klassische Zigarettenetuis werden wieder vermehrt nachgefragt. Der Andrang auf diese Hüllen sei momentan so groß, dass die Großhändler mit der Lieferung nicht nachkommen, erzählt Michaela Kattenbusch, die sowohl den Laden in der Innenstadt, als auch die Lotto-Annahmestelle im Horne-Center betreibt.

Keine wirkliche Abschreckung

Viele Kunden regen sich über die Bilder auf, so Marita Dörr. Sie könnten nicht verstehen, warum ausgerechnet auf Tabakprodukten immer mehr – teils sehr drastische –Warnhinweise bedruckt werden, Alkohol etwa aber weitestgehend unberührt bleibt. „Zu viel Schnaps und Bier ist doch auch hochgradig gefährlich“. Bei allem Ärger: Wirklich abschrecken tun die Bilder von geschwärzten Lungen und unappetitlichen Operations-Szenen wohl kaum einen Raucher.

Marita Dörr und Chefin Michaela Kattenbusch jedenfalls kennen unter ihren Kunden keinen, der deshalb ernsthaft überlegt, mit dem Qualmen aufzuhören. Und überhaupt ist fraglich, wie offen die Schockbilder in Zukunft überhaupt zu sehen sein werden. Während immer mehr Kunden die Packungen einfach verhüllen oder austauschen, sorgen die Tabakfirmen im Laden dafür, dass der Ekel unsichtbar bleibt: Viele von ihnen haben den Händlern bereits kleine Pappkärtchen zugeschickt, die im Regal einfach vor die Schachteln geschoben werden können. Der Schock kommt dann frühestens, wenn die Schachtel über die Theke wandert.

Mit einer Mischung aus Galgenhumor und Populismus nimmt übrigens das so genannte „Netzwerk Rauchen“ die Einführung der Bilder. Der Verein verteilt momentan eine Art Sammelheftchen, in das die Schockbilder eingeklebt werden können und das ansonsten vor allem mit zweifelhafter EU-Kritik gefüllt ist. - jom

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